Vorsicht bei der Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen

Fabian Peters
Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen: Während der Wechseljahre genaue Anwendung wichtig
Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Manche davon werden von Gesundheitsexperten als Nepp eingestuft, andere wiederum werden empfohlen. So wird etwa Nahrungsergänzung mit isolierten Isoflavonen zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden ausgelobt. Frauen sollten bei der Einnahme unbedingt Orientierungswerte für Dosierung und Anwendungsdauer einhalten.

Nicht alle Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert
Nahrungsergänzungsmittel werden immer beliebter. Einige davon sind Experten zufolge sehr sinnvoll, manche weisen jedoch schlimme Mängel auf, die zu gesundheitlichen Problemen führen können. Erst kürzlich wurde berichtet, dass Nahrungsergänzungsmittel in den USA Ursache für 23.000 medizinische Notfälle pro Jahr sind. Auch hierzulande sind solche Mittel weit verbreitet. Manche können bei falscher Anwendung Probleme verursachen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen in und nach den Wechseljahren Orientierungswerte für Dosierung und Anwendungsdauer eingehalten werden sollen.

Zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden
In Deutschland werden dem BfR zufolge einige Nahrungsergänzungsmittel, teilweise auch diätetische Lebensmittel, mit isolierten beziehungsweise angereicherten Isoflavonen zur Linderung der Symptome bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden ausgelobt. Isoflavone sind pflanzliche Inhaltsstoffe, die beispielsweise in Soja oder Rotklee vorkommen. Im Körper können sie eine (schwache) östrogene Wirkung aufweisen, weshalb sie auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden. Ältere Studien kamen zu dem Schluss, dass eine Ernährung mit viel Phytoöstrogenen bei Frauen der Vorbeugung von Brustkrebs nach der Menopause dient. Bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (englisch: European Food Safety Authority, EFSA) angezeigte, beanspruchte gesundheitsbezogene Angaben („Health Claims“) für Isoflavone wurden bisher abgelehnt. Das BfR hatte Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen bereits 2007 gesundheitlich bewertet. Damals wurde festgestellt, dass notwendige Langzeitstudien, die die Sicherheit von isoflavonhaltigen Präparaten belegen könnten, nicht vorlagen.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen sind die Anwendungshinweise genau zu beachten. (Bild: Unclesam/fotolia.com)
Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen sind die Anwendungshinweise genau zu beachten. (Bild: Unclesam/fotolia.com)

Abschließende Bewertung der Sicherheit liegt nun vor
Weiter heißt es, dass aufgrund der unzureichenden Datenlage Dosierungen in mit isolierten Isoflavonen angereicherten Präparaten, welche noch als sicher gelten könnten, nicht verlässlich festgelegt werden konnten. Zudem wurde festgestellt, dass für Frauen in der Zeit um und nach der Menopause die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem höheren Gehalt an isolierten Isoflavonen nicht ohne Risiko anzusehen wäre, da sie ohnehin ein erhöhtes Risiko für östrogenabhängige Tumore oder Erkrankungen aufweisen. Im Jahr 2009 wurde eine Anfrage an die EFSA gerichtet, nachdem eine abschließende Bewertung der Sicherheit von isolierten Isoflavonen im Rahmen eines Expertengesprächs am BfR nicht möglich war. Inzwischen hat die EFSA ihre Bewertung abgeschlossen und in einer Stellungnahme veröffentlicht. In der aktuellen Mitteilung erläutert das BfR den wissenschaftlichen Sachstand.

Folgerungen aus der aktuellen Stellungnahme der EFSA
Das zuständige wissenschaftliche Gremium der EFSA hat mögliche gesundheitliche Risiken für Frauen in und nach den Wechseljahren durch Nahrungsergänzungsmittel, die isolierte Isoflavone enthalten, gesundheitlich bewertet. Untersucht wurde insbesondere, ob ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Isoflavonen in Nahrungsergänzungsmitteln und dem Auftreten unerwünschter Wirkungen auf mögliche Zielorgane wie die weibliche Brustdrüse, die Gebärmutter und die Schilddrüse besteht. Die EFSA stellte in ihrem Bericht fest, dass keine Hinweise auf unerwünschte Wirkungen von isolierten Isoflavonen auf die drei untersuchten Zielorgane vorliegen. Darüber hinaus kommt die EFSA zu dem Schluss, dass die in den Humanstudien verwendeten Isoflavon-Dosierungen sowie die Dauer der Einnahme, bei denen für keines der drei genannten Zielorgane Hinweise auf unerwünschte Wirkungen vorliegen, als Orientierung für eine als hinreichend sicher anzunehmende Verwendung für Frauen nach der Menopause dienen können.

Orientierungswerte beziehen sich auf die gesunde Allgemeinbevölkerung
Als Orientierungswerte werden von der EFSA unter anderem Präparate auf Basis von Soja mit Dosierungen an Isoflavonen/Extrakten von bis zu 100 mg pro Tag bei einer Einnahmedauer von bis zu zehn Monaten sowie Präparate auf Basis von Rotklee mit Dosierungen bis zu 43,5 mg Isoflavone pro Tag bei einer Einnahmedauer von bis zu drei Monaten genannt. Nach Ansicht der europäischen Behörde lässt sich aufgrund der eingeschränkten Datenlage für Frauen in der Zeit um die Menopause keine Aussage treffen. Die Experten hoben zudem hervor, dass sich die genannten Orientierungswerte aufgrund der insgesamt unzureichenden Datenlage nur auf die gesunde Allgemeinbevölkerung beziehen. Personen, bei denen in der Vergangenheit eine östrogenabhängige Krebserkrankung der Brustdrüse oder der Gebärmutter diagnostiziert wurde, oder Personen, bei denen aktuell eine entsprechende Erkrankung vorliegt, werden als besondere Risikogruppe angesehen, die in dem Bericht nicht berücksichtigt werden konnte.

Einnahmedauer nicht überschreiten
Die EFSA wies in ihrer Stellungnahme auch auf eine Reihe von Unsicherheiten bei der erfolgten Risikobewertung hin und sieht weiteren Forschungsbedarf, um insbesondere die Sicherheit einer Langzeitanwendung von Präparaten mit isolierten Isoflavonen beim Menschen genauer zu klären. Das BfR schließt sich der Einschätzung der EFSA an, die in Humanstudien verwendete Dosierung und Dauer der Einnahme, unter denen nachteilige Effekte zumindest auf die untersuchten Zielorgane nicht beobachtet wurden, als Orientierung für eine als hinreichend sicher anzusehende Verwendung von isolierten Isoflavonen in Nahrungsergänzungsmitteln bei Frauen ohne bestehende östrogenabhängige Erkrankungen in der Zeit nach der Menopause anzusehen. Das BfR empfiehlt, die von der EFSA genannten Orientierungswerte für Dosierung und Einnahmedauer von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen für Frauen nach der Menopause nicht zu überschreiten.

Gegebenenfalls ärztlichen Rat einholen
Angesichts der von der EFSA angesprochenen unzureichenden Datenlage für perimenopausale Frauen sollten aus Sicht des BfR im Falle der Anwendung in der Phase um die Menopause herum die genannten Orientierungswerte bis auf weiteres ebenfalls nicht überschritten werden. Das BfR weist darauf hin, dass die gegenwärtig vorliegenden Daten für eine abschließende Bewertung möglicher gesundheitlicher Risiken bei höherer Dosierung und/oder längerer Anwendung von isolierten Isoflavonen, d. h. bei Anwendungsbedingungen (Dosierung und Dauer der Anwendung), die über die genannten Orientierungswerte hinausgehen, insgesamt unzureichend sind. Aufgrund der unzureichenden Datenlage ist für Personen mit einer ehemaligen diagnostizieren östrogen-abhängigen (Krebs-)Erkrankung der Brustdrüse oder der Gebärmutter als Vorgeschichte und für Personen mit einer entsprechenden aktuellen Diagnose die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen nicht zu empfehlen. Abschließend schreibt das BfR: „Da im Einzelfall das Vorliegen von östrogenabhängigen Erkrankungen möglicherweise nicht bekannt ist, kann es erforderlich sein, vor der Einnahme isoflavonhaltiger Präparate ärztlichen Rat einzuholen.“ (ad)