Weichmacher: Bisphenol-A schädigt die Gesundheit

Heilpraxisnet

Weichmacher in Lebensmitteln und Verpackungen: Bisphenol A bedroht Mensch und Tier

08.06.2014

Mehrere Studienarbeiten weisen darauf hin, dass der chemische Weichmacher-Stoff Bisphenol A (BPA) Tiere und Menschen unfruchtbar macht. So wurde beobachtet, dass seit dem massiven Einsatz des Chemiestoffes immer mehr Männer Zeugungsunfähig wurden. In Babyfläschchen wurde der Hormonähnlich wirkende Stoff bereits verboten. Ungeachtet dessen enthalten aber viele weitere Kunststoffe Bisphenol-A.

Zahlreiche Studien stellten fest, dass Bisphenol A sich aus den Produkten löst und so in den Organismus des Menschen gelangt. Es konnte erwiesen werden, dass die Chemikalie sich ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen verhält. Hierdurch kann es zu Störungen bei der Fortpflanzung kommen. Die gesundheitlichen Folgen dieser "Alltagschemikalie" sind bis heute nicht abschließend bewertbar. Aber weist darauf hin: „BPA schadet Mensch und Tier gleichermaßen.“

Warnung aber kein flächendeckendes Verbot
Unlängst gab des Bundesumweltamt eine Warnung heraus. „Zwar reiche die Datenlage nicht aus, allerdings genügen die vorliegenden Erkenntnisse, um die Verwendung bestimmter Produkte mit Bisphenol-A zu beschränken. Ein flächendeckendes Verbot wurde trotz Mahnung zahlreicher Umweltschützer nicht umgesetzt.

Die Chemikalie findet sich beinahe in allen Verpackungen des Alltags; in Joghurtbechern, Gemüseverpackungen oder Einkaufstüten. Die Industrie verwendet BPA als Weichmacher oder auch Stabilisator. Von den Verpackungen löst sich BPA und gleitet über in das Lebensmittel. Im Körper eines Menschen oder Tieres wirkt es wie ein weibliches Hormon.

Diabetes, Krebs und Unfruchtbarkeit
Unterschiedliche Forschungsarbeiten zeigten, dass der Hormonstoff Entwicklungsstörungen, neurologische Schäden, männliche Unfruchtbarkeit und Krebs auszulösen kann. Mediziner gehen zudem davon aus, dass Bisphenol-A auch das Risiko von Krebs und Diabetes erhöht.

Seit 2011 dürfen Babyflaschen in Deutschland kein BPA enthalten. Dennoch ist die Chemikalie überall im Alltag anzutreffen. Kommen Kunststoffe mit den Lebensmitteln in Kontakt, werden diese kontaminiert. Besonders betroffen sind Innenbeschichtungen in Plastikflaschen und Konservendosen oder Verpackungsmaterial für Obst und Gemüse.

Aufnahme durch Verzehr, Atem und Haut
Nicht nur über Lebensmittel werden Weichmacher aufgenommen. Auch über die Atemluft und Haut kann der Hormonstoff in uns eindringen. „BPA kann sich aus den Kunststoffen herauslösen, in das umgebene Medium z. B. Getränke oder Nahrungsmittel eintreten und dann vom Menschen aufgenommen werden“, sagt Andreas Gies vom Umweltbundesamt. Häufig ist BPA an Quittungen und Belegen. Diese färben durch Schweiß ab und gelangen so durch die Haut in den Körper.

Ein generelles Verbot – das im Sinne der Verbraucher durchaus wünschenswert scheint – wird indes nicht zuletzt aufgrund des starken Einflusses der Plastik-Lobby in der EU vermutlich noch einige Zeit auf sich warten lassen beziehungsweise im Zweifelsfall erst erfolgen, wenn noch gravierendere Folgen des BPA bekannt werden. Wissenschaftler gehen nämlich davon aus, dass BPA eine direkte Einwirkung auf die Hormonrezeptoren hat und damit schon in geringen Dosen schädlicher ist. In größeren Dosierungen kann der Organismus den eingedrungen Stoff erkennen, in geringeren nicht.

Der Sprecher des Bundesumweltamtes sagte, dass schon in der 30er bekannt war, dass BPA wie Östrogen wirkt. BPA hat eine schädliche Auswirkung vor allem auf die Entwicklung der Sexualorgane die Psyche. Stark gefährdet sind Lebewesen, die sich noch im Wachstum befinden. In dieser Lebensphase wird der hormonellen Steuerung eine besondere Rolle zugewiesen.

Vermännlichung, Verweiblichung und Zwitterbildung
„Vermännlichung, Verweiblichung und Zwitterbildung könnten die Auswirkungen sein“. Das konnte Werner Kloas vom „Leibniz-Institute for Freshwater Ecology and Inland Fisheries“ bei Amphien-Forschungen feststellen. „Gerade hormonell wirksame Stoffe beeinflussen in umweltrelevanten Konzentrationen die Fortpflanzung. Sie verändern die Sexualdifferenzierung (Verweiblichung, Vermännlichung, Zwitterbildung), die Gametogenese (Spermien- und Eizell-Produktion), das Balzverhalten und die Entwicklung (Schilddrüsenhemmer, Schilddrüsenhormon-Analoga).“

Studien mit Krallenfröschen zeigten, dass der Balzruf des männlichen Frosches durch die Chemiebelastung sich veränderte. Das Weibchen erkannte den Triebruf nicht mehr. Hierdurch wurde die Fortpflanzung empfindlich gestört und sogar gestoppt. Bei männlichen Fischen erwirkte der Hormonstoff, dass diese Eizellen neben Zellen mit Spermien im Hoden trugen.

95 Prozent der Kinder wiesen BPA auf
Längst haben alle Menschen BPA im Körper. Forscher der Harvard School of Public Health untersuchten die Auswirkungen des BPA bei 244 Müttern und ihren Kindern aus der Region Cincinnati (USA). Die Wissenschaftler entdeckten in mehr als 85 Prozent der Urinproben der Mütter BPA und wiesen die gefährliche Chemikalie bei über 96 Prozent der Kinder nach.

Der „Chem-Trust Diabetes Report“ zeigte, dass Mäuse, die noch vor der Geburt mit BPA verseucht wurden, später ein deutliches Übergewicht aufwiesen. Daher nehmen Forscher an, dass Bisphenol-A das Gleichgewicht des Stoffwechsels verschiebt, so dass die Appetitkontrolle außer Rand und Band gerät. Dadurch haben die Betroffenen „mehr Hunger“ oder Essen länger, als sie müssten. Eine andere Theorie besagt, dass der Stoffwechsel bereits während der Reifung im Mutterleib verschoben wird.

Obwohl es Alternativen gibt, hält die Industrie an der Verwendung von BPA fest. Denn dieser Stoff hat sich im Alltag als zuverlässig erwiesen und ist obendrein günstig. Und weil die Lobby der Hersteller mächtig ist, kommen von Seiten der Politik nur wenige Vorstöße, der Verbreitung einen Riegel vorzuschieben. (sb)

Bildnachweis: Rolf van Melis /Pixelio.de