Weichmacherstoffe: Ersatzstoffe für Bisphenol A in Plastikflaschen sind schädlich

Alfred Domke
Plastikflaschen: Alternative zu Bisphenol A ist ebenfalls schädlich
In der Vergangenheit haben verschiedene Studien darauf hingewiesen, dass der chemische Weichmacher Bisphenol A (BPA) unsere Gesundheit bedroht. Chinesische Forscher haben nun herausgefunden, dass ein Stoff, der als Alternative zu BPA eingesetzt wird, ebenfalls schädlich ist.

Gesundheitsgefahren durch chemischen Weichmacher
Der Weichmacher Bisphenol A (BPA) gilt als sehr gefährlich, da durch den Stoff laut Experten unter anderem Nerven geschädigt und sogar Krebs ausgelöst werden können. Der Stoff soll auch Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben und könnte womöglich Auslöser für Lebensmittelallergien sein. Außerdem deuten Studien auf einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten BPA-Spiegel im Blut und Diabetes, Herz-Kreislaufproblemen, fehlender Libido oder auch Adipositas hin. Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass ein vermeintlich harmloser Ersatzstoff für BPA ebenfalls schädlich sein kann.

In verschiedenen Studien zeigte sich, dass Bisphenol A (BPA) der Gesundheit schaden kann. Forscher haben nun festgestellt, dass auch ein Ersatzstoff, der in „BPA-freien“ Produkten verwendet wird, schädlich sein kann. (Bild: Mita Stock Images/fotolia.com)

Bisphenol A in vielen Dingen des täglichen Lebens
Bisphenol A kommt in vielen Kunststoffprodukten des täglichen Lebens wie zum Beispiel Plastikflaschen oder der Innenbeschichtung von Konservendosen vor.

Erst vor wenigen Monaten haben Wissenschaftler von der Stanford University School of Medicine in der Fachzeitschrift „Environmental Research“ berichtet, dass Konservenessen zur starken Aufnahme von BPA führt.

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Verschiedene Untersuchungen zeigten zwar, dass der Stoff gesundheitsschädlich sein kann, doch laut einer Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) besteht für Verbraucher kein Risiko.

„Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Januar 2015 ein neues Gutachten zur Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Bisphenol A (BPA) in Lebensmitteln und aus anderen Expositionsquellen veröffentlicht“, heißt es in der Mitteilung.

„Darin kommen die Sachverständigen der EFSA zu dem Schluss, dass BPA nach dem heutigen Stand der Wissenschaft und bei der derzeitigen Verbraucherexposition für keine Altersgruppe ein Gesundheitsrisiko darstellt. Dies gilt auch für ungeborene Kinder, Kleinkinder und Jugendliche.“ Das BfR unterstützt die Einschätzung der EFSA-Neubewertung.

Weniger lebend geborene Nachkommen
In einigen Ländern ist der Einsatz der Chemikalie reglementiert. Oft werden stattdessen Ersatzstoffe benutzt und die Produkte dann als „BPA-frei“ beworben. Einer neuen Studie zufolge können diese aber ebenfalls problematische Wirkungen haben.

Wie die Forscher von der Peking University im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten, hat der Ersatzstoff 9,9-Bis(4-Hydroxy-Phenyl)-Fluoren, kurz BHPF, im Gegensatz zu BPA eine anti-östrogene Wirkung bei Mäusen.

Laut der Studie führte BHPF bei Versuchen mit Mäusen unter anderem zu einem etwas geringeren Gewicht der Gebärmutter und zu einer geringeren Zahl von lebend geborenen Nachkommen, berichtet die „Deutsche Apotheker Zeitung“ (DAZ).

Den Angaben zufolge konnte bei weiblichen Mäusen, denen Wasser gegeben wurde, das zuvor auf 60 Grad Celsius erhitzt und in Plastikflaschen abgekühlt war, BHPF im Blut nachgewiesen werden.

Nachweise auch bei Versuchspersonen
Zwar wurde auch bei Versuchspersonen, die regelmäßig Wasser aus Plastikflaschen trinken, BHPF im Blut nachgewiesen, allerdings nur bei sieben von 100 untersuchten Teilnehmern.

Zudem ist nicht klar, ob die Probanden BHPF tatsächlich über die Flaschen aufnahmen, oder über andere Wege.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass BPA-Alternativen auf anti-östrogene Wirkungen untersucht werden sollen – und dass toxikologische Effekte von BHPF auf die menschliche Gesundheit geprüft werden müssen“, so die Umweltchemiker um Jianying Hu von der Peking-Universität.

Frederick vom Saal von der University of Missouri (USA) meinte in einem Beitrag des Portals „New Scientist“, es sei „ziemlich beängstigend“, wenn sich BHPF an den gleichen Rezeptor beim Menschen binden sollte. Dies könne „Fruchtbarkeitsprobleme verursachen“. (ad)