Wie Diabetes-Mäuse ohne Insulin überleben können

Astrid Goldmayer

Möglicherweise Ersatzstoff für Insulin gegen Zuckerkrankheit entdeckt

04.09.2013

Menschen mit Diabetes sind auf das regelmäßige Spritzen von Insulin angewiesen, da ihr Blut anderenfalls überzuckert (Hyperglykämie). Eine Untersuchung von Schweizer Forschern der Universität Genf an Diabetes-Mäusen hatte gezeigt, dass zukünftig ein anderer Stoff als Alternative eingesetzt werden könnte. Das sogenannte Leptin soll weniger Nebenwirkungen haben und zudem noch besser als Gegenspieler von Glucagon wirken, das den Blutzuckerspiegel erhöht.

Leptin versus Insulin bei Diabetes
Das Hormon Insulin baut Zucker im Körper ab, so dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Menschen mit Diabetes leiden jedoch entweder an einem Insulinmangel, einer Insulinresistenz oder an beidem. Dadurch kommt es zur ungewollten Erhöhung des Blutzuckerspiegels, was in der Folge im schlimmsten Fall zum hyperglykämischen Koma führen kann. Deshalb galt bisher die Regel, dass Diabetes-Kranke nicht ohne künstlich zugeführtes Insulin leben können.

Schweizer Wissenschaftler um Roberto Coppari von der Universität Genf führten Untersuchungen an Mäusen mit Diabetes durch, bei denen die Forscher eine mögliche Alternative für Insulin entdeckt haben könnten. Sie spritzten den Stoff Leptin direkt ins Gehirn der Diabetes-Mäuse, um auf diese Weise die Hirnzellen zu identifizieren, die für die blutzuckersenkende Wirkung von Leptin verantwortlich sind. Darüber hinaus gelang es den Wissenschaftlern, die Gewebe auszumachen, die durch das Leptin Blutzucker aufnehmen konnten. Dazu zählten die Leber, bestimmte Muskeln sowie das fettverbrennende braune Fettgewebe. In einer Mitteilung der Universität Genf heißt es, dass diese Gewebe zukünftig gezielt für Therapien angesprochen werden könnten. Es zeichne sich eine Alternative für Insulin ab, so Coppari.

Insulin ist zwar ein wirksames Mittel, um den Blutzuckerspiegel zu senken, jedoch müssen Diabetiker mit bestimmten Nebenwirkungen rechnen. So kann eine fehlerhafte Dosierung eine Unterzuckerung und somit Bewusstlosigkeit verursachen. Außerdem erhöht Insulin den Blutdruck und die Cholesterinwerte. Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein. Leptin dagegen scheint keine dieser Nebenwirkungen zu verursachen. Es stellte sich vielmehr sogar als effektiverer Gegenspieler von Glucagon heraus, das für die Erhöhung des Blutzuckerspiegels verantwortlich ist, da es präziser auf den Zucker im Blut wirkt. Abgesehen davon, dass Leptin keine Unterzuckerung verursachen kann, hemmt es den Appetit und führt zum Abbau der Fettspeicher. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal „Cell Metabolism“.

Diabetes wird zur Volkskrankheit
Diabetes entwickelt sich in den Industrieländern mehr und mehr zu einer Volkskrankheit. Auch viele Kinder und Jugendliche sind betroffen. Noch vor wenigen Jahrzehnten trat Typ 2-Diabetes fast ausschließlich bei älteren Menschen auf, weshalb die Erkrankung auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet wurde. Heute leiden jedoch vermehrt bereits Heranwachsende an der Stoffwechselstörung. Eine Studie der Universität Ulm, die im Fachmagazin „Pediatric Diabetes“ erschienen ist, zeigt, dass vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund von der Erkrankung betroffen sind. Die Ursache sei in erster Linie in sozioökonomischen Gründen zu suchen, berichtete die Studienautorin Dr. Wendy Awa. (ag)

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Bild: Henrik Gerold Vogel / pixelio.de