Wie kann Vanille bei der Eindämmung der Antibiotikaresistenzen helfen?

Alexander Stindt

Kombination aus Vanillin und einem Antibiotikum elimiert resistenten Bakterien

Zunehmende Antibiotikaresistenzen weltweit stellen eine große Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar. Forscher fanden nun heraus, dass die Kombination eines Antibiotikums mit Vanillin – der Verbindung, welche Vanille ihren Geschmack verleiht – die Verbreitung arzneimittelresistenter Superbakterien stoppen könnte.


Die Wissenschaftler stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass das Mischen des Arzneimittels Spectinomycin mit Vanillin die Fähigkeit des Antibiotikums erhöht, in Bakterienzellen einzudringen und ihr Wachstum zu verhindern. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Nature“.

Die Kombination aus Vanillin und Antibiotika könnte ein neuer wirksamer Ansatz gegen multiresistente Erreger sein. (Bild: rgpilch/fotolia.com)

Die Welt steuert auf eine post-antibiotische Ära zu

Spectinomycin wurde ursprünglich in den 1960er Jahren verwendet, um Gonorrhö zu behandeln, bis die Gonorrhö eine Resistenz gegen Spectinomycin entwickelte. Antibiotika werden seit Jahrzehnten häufig unnötigerweise von Hausärzten und Krankenhauspersonal eingesetzt, um harmlose Bakterien zu behandeln, mit der Folge, dass die Bakterien zunehmend Resistenzen entwickeln und zu sogenannten Supererregern werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte bereits davor, dass wenn nichts unternommen wird, die Welt auf eine post-antibiotische Ära zusteuert.

Die Antibiotikakrise betrifft jeden Menschen

Ein Mangel an neuen wirksamen Medikamenten in Verbindung mit einer Überdosierung bzw. unsachgemäßen Verwendung hat die Antibiotikakrise ausgelöst, die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation potenziell jeden Menschen, egal in welchem Alter und in welchem Land, betreffen kann. Häufige Infektionen wie beispielsweise Chlamydien könnten dann zu tödlichen Erkrankungen werden. Es würde zur Zeit keine sofortige Lösung für eine solche Krise geben, sagen die Forscher.

In Zukunft zehn Millionen Tote pro Jahr durch Supererreger?

Bakterien können medikamentenresistent werden, wenn Menschen inkorrekte Dosierungen von Antibiotika einnehmen oder wenn Antibiotika unnötigerweise eingenommen werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass so entstehende Supererreger bis zum Jahr 2050 jedes Jahr zehn Millionen Menschen töten werden, wobei die Betroffenen an einst harmlosen Infektionskrankheiten versterben werden.

Wir brauchen neue wirksame Antibiotika

Rund 700.000 Menschen weltweit sterben bereits jährlich an arzneimittelresistenten Infektionen wie Tuberkulose (TB). Immer wieder wurden Bedenken geäußert, dass die Medizin in ein dunkles Zeitalter zurückversetzt werde, wenn Antibiotika wirkungslos werden. Zusätzlich zu den immer weniger wirksamen Medikamenten wurden in den letzten 30 Jahren nur ein oder zwei neue Antibiotika entwickelt. Ohne wirksame Antibiotika werden beispielsweise auch Krebsbehandlungen und Hüftprothesen unglaublich riskant, stellten Experten in einer vorherigen Untersuchung fest.

Kombinationen erhöhten die Wirksamkeit von Antibiotika

Forscher des European Molecular Biology Laboratory un Heidelberg haben jetzt drei verschiedene krankheitserregende Bakterienarten fast 3.000 Arzneimittel- und Lebensmittelzusatzstoffkombinationen ausgesetzt. Mehr als 500 der Kombinationen erhöhten die Wirksamkeit von Antibiotika, erläutern die Mediziner.

Kombination von Spectinomycin und Vanillin war besonders effektiv

Eine Auswahl dieser Kombinationen wurde dann an multiresistenten Bakterien getestet, die von infizierten Krankenhauspatienten stammten. Über die Kombination von Spectinomycin und Vanillin sagt die Studienautorin Dr. Ana Rita Brochado vom European Molecular Biology Laboratory: Diese Kombination war eine der effektivsten und vielversprechendsten Synergien, die identifiziert wurden.

Antibiotika können starke Nebenwirkungen hervorrufen

Vanillin verringert auch die Wirksamkeit anderer Antibiotika, was der menschlichen Gesundheit tatsächlich zugute kommen könnten. Antibiotika können zu Kollateralschäden und Nebenwirkungen führen, weil sie auch auf gesunde Bakterien abzielen. Die Wirkungen dieser Arzneimittelkombinationen sind jedoch sehr selektiv, erläutert der Studienautor Athanasios Typas vom European Molecular Biology Laboratory. In Zukunft könnten mit Medikamentenkombinationen gezielt die schädlichen Auswirkungen von Antibiotika auf gesunde Bakterien verhindert werden. Dies würde auch die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen verringern, da gesunde Bakterien nicht unter Druck gesetzt werden, um Antibiotikaresistenzen zu entwickeln, die später auf gefährliche Bakterien übertragen werden können, fügt der Forscher hinzu.

Wie ernst ist die Antibiotikaresistenzkrise?

Trotz der breiten Verfügbarkeit von Antibiotika bleiben Infektionskrankheiten weltweit eine der häufigsten Todesursachen, sagen die Experten. In Ermangelung neuer Therapien wird sich die Sterblichkeitsrate aufgrund nicht behandelbarer Infektionen bis zum Jahr 2050 voraussichtlich mehr als verzehnfachen. Die WHO hat Antibiotikaresistenzen bereits als ernsthafte Bedrohung für jede Region der Welt eingestuft. (as)