Wie Persönlichkeitsmerkmale den Umgang mit Lebensmittelallergien bestimmen

Alfred Domke

Persönlichkeitsmerkmale haben Einfluss auf den Umgang mit Lebensmittelallergien

Lebensmittelallergien nehmen seit vielen Jahren zu. Allein in Deutschland sind rund sechs Millionen betroffen. Forscher aus Neuseeland haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, die Betroffenen helfen können, ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. Sie konnten belegen, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale den Umgang mit den alltäglichen Problemen einer Lebensmittelallergie beeinflussen.


Lebensmittelallergien nehmen zu

Die Zahl der Menschen mit Lebensmittelallergien (Nahrungsmittelallergien) hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Nach Schätzungen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) sind allein in Deutschland rund sechs Millionen Menschen betroffen. Wissenschaftler der University of Otago in Neuseeland haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, die Betroffenen helfen können, ihre Lebensqualität signifikant zu verbessern. Die Forscher konnten belegen, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale den Umgang mit den alltäglichen Problemen einer Lebensmittelallergie beeinflussen.

Eine Lebensmittelallergie kann Betroffenen das Leben schwer machen. Forscher haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, die Allergikern helfen können, ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. (Bild: airborne77/fotolia.com)

Allergische Reaktionen machen Betroffenen das Leben schwer

Bei einer Allergie reagiert der Körper auf normalerweise harmlose Stoffe aus der Umwelt, indem er vermehrt Antikörper gegen die vermeintliche Gefahrenquelle bildet.

Bei einer Nahrungsmittelallergie ist nicht das ganze Lebensmittel der Auslöser der Reaktion, sondern nur ein sehr kleiner Teil davon.

Allergische Reaktionen auf Lebensmittel sind grundsätzlich nicht auf bestimmte Organe begrenzt. Die häufigsten Symptome sind Reaktionen an Haut und Schleimhaut, im Hals-Nasen-Ohrenbereich, an den Bronchien sowie im Magen-Darmbereich.

Es kann unter anderem zu juckendem Hautausschlag, Niesattacken, Atemnot, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen kommen.

Zudem stellt eine Lebensmittelallergie auch eine große psychische Belastung dar.

Wie Betroffene Herausforderungen im Alltag bewältigen

Ein interdisziplinäres Wissenschaftsteam des Department of Psychology (Dr. Tamlin Conner) und des Department of Food Science (Dr. Rana Peniamina, Dr. Miranda Mirosa und Professor Phil Bremer) der University of Otago in Neuseeland wollte nun herausfinden, wie Erwachsene mit Lebensmittelallergien die damit verbundenen Herausforderungen im Alltag bewältigen und ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale diese Herausforderungen verstärken.

„Diese Studie untersucht, ob individuelle Unterschiede in der Ausprägung der Top 5 Persönlichkeitsmerkmale (Neurotizismus, Extravertiertheit, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) einen Einfluss auf den Umgang mit in Lebensmittelallergien begründeten Alltagsproblemen hat“, so die leitende Autorin Dr. Tamlin Conner laut einer Mitteilung des Studien- und Förderzentrums Ranke-Heinemann.

An der 14-tägigen Studie, die in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht wurde, nahmen insgesamt 108 Erwachsene teil, die an einer diagnostizierten Lebensmittelallergie leiden.

Die Probanden füllten täglich eine Online Befragung aus, die 25 tägliche Lebensmittelproblematiken, das Stresslevel und die Stimmung abfragte. Laut Dr. Conner konnten die Ergebnisse die Hypothesen des Wissenschaftsteams nicht bestätigen.

Offenheit führte zu vermehrten Problemen

„Wir waren überrascht, dass Neurotizismus nicht zu steigenden Problemen mit der Allergie führte oder zu schlechterer Stimmung an Tagen mit mehr Allergieproblemen“, so die Expertin.

„Im Gegenteil: das Persönlichkeitsmerkmal Offenheit führte zu vermehrten Problemen – beispielsweise zu Hungergefühl, da möglicherweise nicht genug „sicheres“ Essen zur Verfügung steht oder dass nicht ausreichend angemessene Lebensmittel beim Einkauf gefunden werden können“, erläuterte Dr. Conner.

„Desweiteren entstanden Ängste bei gemeinschaftlichen Ereignissen, die Nahrungsmittel beinhalten oder weil man sich ausgeschlossen und fehlverstanden fühlt.“

Verhalten von Kindern mit einer Lebensmittelallergie besser verstehen

„Es scheint, dass die Anforderungen an den Umgang mit Lebensmittelallergien (Routine, Vorsicht und Konsum der bekannten Lebensmittel) in direktem Konflikt mit einer offenen Persönlichkeit stehen. Dem liegt zugrunde, dass offene Persönlichkeiten nach Erkundung, Vielfalt und neuen Erfahrungen streben“, so Dr. Conner.

Sie hofft, dass die Erkenntnisse Menschen helfen werden zu verstehen, wie sich die Persönlichkeit auf den Umgang mit den Lebensmittelallergien auswirkt.

„“Offene“ Menschen könnten beispielsweise ihr Verlangen nach Vielfalt im Bereich von Musik oder Film ausleben, anstatt bei Lebensmitteln. Sie könnten ausserdem Reserve-Lebensmittel parat haben für den Fall, dass sie spontan das Verlangen danach haben“, sagte die Wissenschaftlerin.

„Unsere Erkenntnisse können ausserdem auch Eltern dabei helfen, das Verhalten ihrer Kinder, die unter Lebensmittelallergien leiden, zu verstehen. „Offene“ Kinder könnten beispielsweise das erhöhte Verlangen nach neuen Lebensmitteln haben, die für sie aber riskant sein könnten“, so Dr. Conner.

„Mit diesem Wissen können die Eltern versuchen, diese Herausforderungen zu mildern und die Häufigkeit zu reduzieren.“

Lebensqualität der Betroffenen verbessern

Die Organisation Allergy New Zealand sagt, dass Lebensmittelallergien eine signifikante Last für viele Menschen darstellt und begrüßt die Studie der Wissenschaftler rund um Dr. Conner.

„Die Studie rückt die Komplexität, mit denen sich Erwachsene mit Lebensmittelallergien konfrontiert sehen, nicht nur in den neuseeländischen sondern auch in den individuellen Fokus“, so Mark Dixon, der Geschäftsführer von Allergy New Zealand.

„Es geht darum, Menschen dabei zu unterstützen ihre Persönlichkeitsmerkmale und deren Auswirkungen besser zu verstehen und den Umgang mit den Lebensmittelallergien zu optimieren. Langfristig kann somit die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.“ (ad)