Zucker ist giftig und macht dick

Heilpraxisnet

US-Mediziner: Hoher Zuckerkonsum ist für Fettleibigkeit und viele Erkrankungen verantwortlich

19.12.2014

„Zucker ist Gift“, sagt der US-amerikanische Pädiatrie-Professor Robert Lustig von der University of California in San Francisco (UCSF). Lustig warnt seit Jahren vor den Folgen des hohen Zuckerkonsums in den USA. So sei Zucker nicht nur für Fettleibigkeit (Adipositas) sondern auch für viele andere Erkrankungen verantwortlich, erläutert Lustig im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“.

Versteckter Zucker ist besonders gefährlich
Während jahrzehntelang Fett als der Dickmacher schlechthin galt, warnt der Kinderarzt vielmehr vor den Folgen eines hohen Zuckerkonsums. Vor allem zur Weihnachtszeit lassen sich viele Menschen von zucker- und kalorienreichen Leckereien verführen. Ob Lebkuchen, Marzipan, Zuckerstange oder Schokoladenkugeln – die Auswahl ist immens.

„Heute sage ich mit noch mehr Nachdruck: Zucker ist Gift", so der 57-Jährige. Für reichlich Furore sorgte Lustig bereits 2009, als sein Vortag „Zucker: die bittere Wahrheit" über fünf Millionen Mal im Internet angesehen wurde. In dem Beitrag informiert der Mediziner über den Zuckerstoffwechsel und die Gefahren eines hohen Zuckerkonsums. „Jetzt haben wir alle Fakten dazu zusammen, dass zu viel Zucker zu Fettsucht, Herzkrankheiten, Leber- und Stoffwechselproblemen führt. Zucker macht nicht nur dick, sondern auch krank", erläutert Lustig.

Während früher lediglich drei bis vier Prozent der täglichen Kalorienzufuhr in den USA auf Zucker entfielen, seien es heute etwa 15 bis 18 Prozent. Als besonders gefährlich nennt der Mediziner in diesem Zusammenhang die versteckten Kalorienbomben, wie gezuckertes Frühstücksmüsli, Salatsauce und Fertigprodukte. Besonders problematisch seien zudem gezuckerte Getränke wie Cola oder Limonade.

Für den Kinderarzt ist Zucker ein Suchtmittel, das ähnlich wie Tabak oder Alkohol abhängig machen kann. Lustig sieht den Staat in der Pflicht, regulierend durch Verbote und Steuern einzugreifen. „Zu viel Fruktose, eine gebräuchliche Form von Zucker, kann die Leber schädigen, so wie zu viel Alkohol", heißt es auf der neuen Webseite Sugarscience.org, die den Beinamen „die ungesüßte Wahrheit" trägt. Dort informieren Mediziner unter anderem darüber, dass ein US-Bürger pro Jahr rund 30 Kilogramm Zucker konsumiert, wobei in der Berechnung lediglich zugesetzter Zucker enthalten ist. Natürlicher Zucker, wie etwa in Obst oder Milch, kommt noch hinzu.

Softdinksteuer für zuckerhaltige Getränke in Berkley
In den USA finden die Warnungen vor den gesundheitlichen Gefahren von Zucker immer mehr Beachtung. So erreichten die Wähler durch ein Referendum in der Stadt Berkley, dass ihre Kommune die erste mit einer Softdrinksteuer wird. Ab Januar werden zuckerhaltige Getränke mit der Steuer belegt. „Wir rechnen mit 1,5 Millionen Dollar Einnahmen pro Jahr", erklärt die Wahlkampfleiterin Sara Soka gegenüber der Nachrichtenagentur. Das Geld solle für Gesundheitsprogramme von Kindern verwendet werden. „Wir haben gewonnen, weil die ganze Gemeinde, Ärzte, Lehrer und Minderheitenverbände dahinterstanden", so Soka. „Berkeley ist ein Trendsetter. Nun hoffen wir, dass weitere Kommunen folgen."

New York wollte 2012 ein Verbot für den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken im Jumbocenter, Big Gulp, erlassen. Das Gesetz wurde jedoch gekippt, nachdem ein Zusammenschluss von Händlerverbänden und Getränkeherstellern juristisch dagegen vorging.

Auch die First Lady Michelle Obama setzt sich für eine gesunde Ernährung ein. Ihre Initiative „Let’s Move“ soll übergewichtigen Kinder zu mehr Bewegung animieren. Zuckerhaltige Getränke werden mittlerweile an vielen Schulen nicht mehr angeboten. Coca-Cola, Pepsi und Dr. Pepper Snapple haben zudem versprochen, bei der Aktion zur Bekämpfung von Fettleibigkeit mitzuwirken. Dafür sollen kleinere Flaschengrößen und mehr kalorienreduzierte Produkte angeboten werden. Auf diese Weise wollen die Hersteller die Kalorienzufuhr durch den Konsum ihrer Getränke bis Ende 2025 um 20 Prozent reduzieren. Die Initiative, die im September vorgestellt wurde, wird jedoch von Kritiker vielmehr als PR-Trick angesehen. Denn die Hersteller kämpfen weiterhin gegen Warnhinweise auf den Flaschen, die auf einen hohen Zuckergehalt aufmerksam machen, und gegen die Sodasteuer. Stattdessen versuchen einige Unternehmen ihre Produkte als „gesünder“ zu vermarkten. So werden kalorienarme Softdrinks mit dem natürlichen Pflanzensüßstoff Stevia angeboten.

Mehr als ein Drittel der erwachsenen US-Bürger sind fettleibig
In den USA leiden mittlerweile mehr als ein Drittel der Erwachsenen und etwa 13 Millionen Kinder und Teenager (circa 17 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe) an Fettleibigkeit, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC informiert. Folglich nehmen auch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu, deren Hauptrisikofaktor Adipositas ist. Darüber hinaus begünstigt Übergewicht einen frühzeitigen Verschleiß der Wirbelsäule, Gelenkschäden, hormonelle Störungen, Tumorerkrankungen und viele weitere Krankheiten.

Lustig spricht in diesem Zusammenhang von einer Gesundheitskrise, die Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Er sieht in der Low-Fat-Kampagne in den 70er Jahren den Beginn der Misere. Damals wurde Fett als ungesunder Dickmacher an den Pranger gestellt. Statt Fett wurde den Lebensmitteln Zucker zugesetzt. „Wir essen im Schnitt 19,5 Teelöffel zugesetzten Zucker am Tag", rechnet der Kinderarzt vor. Empfehlungen der American Heart Association (AHA) zufolge sollten Frauen aber höchstens sechs und Männer maximal neun Teelöffel zu sich nehmen. Allein in einem Esslöffel Ketchup verbirgt sich bereits ein Teelöffel Zucker und in einer Dose Limonade bis zu zehn Löffel. (ag)

Bild: Jörg Brinckheger / pixelio.de