Zusatzstoffe in Tabak giftiger als angenommen

Astrid Goldmayer

Verbraucher getäuscht: Zusatzstoffe in Tabak giftiger als angenommen

22.12.2011

Zigaretten enthalten mehr als nur reinen Tabak. Viele Stoffe werden zugesetzt, um die Aufnahme des Nikotins im Körper zu verstärken und seine Wirkung zu intensivieren. Zusammengefasst: Zusatzstoffe können nicht nur den Geschmack der Zigaretten verändern, sie erhöhen auch das Suchtpotential. Dem Tabakkonzern Konzern Philip Morris wird nun vorgeworfen, negative Forschungsergebnisse von Zigarettenzusatzstoffen heruntergespielt zu haben.

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Zigaretten enthalten neben Tabak auch Zusatzstoffe, wie zum Beispiel Konservierungsstoffe, Menthol und Feuchthaltemittel. Wie groß der gesundheitliche Schaden dieser Zusatzstoffe ist, scheint umstritten zu sein.

Wissenschaftler veröffentlichten kürzlich eine Studie in der Fachzeitschrift „ PLoS Medicine“, in der geheime Dokumente der Tabakindustrie untersucht wurden. Die Dokumente mussten im Zuge von Haftungsklagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein internationales Wissenschaftlerteam untersuchte die Forschungsergebnisse von Philip Morris. Sie nahmen die Wirkung von 333 Zusatzstoffen genau unter die Lupe und kamen zu dem Schluss, dass die Behauptung des Konzerns, dass die Zigarettenzusatzstoffe „nicht wesentlich zur Toxizität“ der Glimmstängel beitrügen, nicht haltbar sei. Ihr Ergebnis zeige „zahlreiche negative biologische Konsequenzen“ der Zusatzstoffe auf.

Philip Morris spielt giftige Wirkung von Zusatzstoffen herunter
Die Forscher deckten auf, dass wissenschaftliche Standards umgangen worden seien. Beispielsweise sei die Zahl der Versuchstiere zu gering und die statistische Aufbereitung ungenügend. Es seien sogar im Nachhinein durchgeführte Änderungen an den Analyseprotokollen aufgedeckt worden, berichtet Thomas Kyriss, einer der Autoren der Überprüfungsarbeit. Der Lungenchirurg geht noch weiter. Er wirft dem Konzern Philip Morris in diesem Zusammenhang bewusste Manipulation und Täuschung vor. Die Ergebnisse der Untersuchungen seien absichtlich heruntergespielt worden, um besonders in den USA Politik und Öffentlichkeit zugunsten des Konzerns zu beeinflussen.

Das Ergebnis der Untersuchung von Kryriss und seinen Kollegen ist eindeutig: Die Zusatzstoffe seien sehr giftig und demzufolge gesundheitsschädlich. Die Zusätze erhöhten den Gehalt an krebserregenden Stoffen wie Arsen, Formaldehyd und Blei im Zigarettenrauch um ein Fünftel und weit mehr.

Philip Morris weist vorwürfe zurück
Der Konzern entgegnet den Vorwürfen, in dem er die Methoden der Wissenschaftler anzweifelt. Es sei nicht widerlegt worden, dass Zusatzstoffe die Zigaretten nicht gesundheitsschädlicher machen. Die Wissenschaftler hätten laut Konzern nur unvollständige Unterlagen aus dem Internet untersucht. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erklärt: „Schon die Logik sagt, dass die Zusatzstoffe gesundheitsschädlich sind, wenn man sie verbrennt. Die Tabakverordnung muss deshalb grundsätzlich verändert werden."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) errichtet seit einiger Zeit weltweit Kollaborationszentren zur Tabakkontrolle. Denn nach ihren Schätzungen sterben jährlich weltweit vier Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen des Tabakkonsums. In Heidelberg ist das WHO-Kollaborationszentrum im DKFZ angesiedelt und eng mit Stabsstelle für Krebsprävention verbunden. (ag)