Cannabis kann das Erinnerungsvermögen auf verschiedenen Ebenen beeinträchtigen. Unter dem akuten Einfluss von Cannabis mit THC (Tetrahydrocannabinol) fällt es nicht nur schwer, sich zu erinnern, sondern offenbar werden die Erinnerungen auch häufiger verfälscht.
Forschende der Washington State University haben in einer klinischen Studie die Auswirkungen von THC-haltigem Cannabis aus die unterschiedlichen Formen des Erinnerungsvermögens untersucht und dabei durchaus bedenkliche Effekte nachgewiesen. Die Studienergebnisse sind in dem „Journal of Psychopharmacology“ veröffentlicht.
Kurzübersicht der wichtigsten Inhalte
- Cannabis mit dem Wirkstoff THC kann das Gedächtnis auf mehreren Ebenen beeinträchtigen.
- Besonders betroffen sind unter anderem das verbale, das visuell-räumliche und das prospektive Gedächtnis sowie das sogenannte Quellengedächtnis (Erinnerung an Informationsquellen).
- Gleichzeitig steigt die Anfälligkeit für falsche Erinnerungen.
- Im Alltag können diese Beeinträchtigungen des Gedächtnisses zu weiterreichenden Problemen führen
THC-Rausch kann Gedächtnis beeinträchtigen
Verschiedene frühere Forschungsarbeiten deuteten bereits darauf hin, dass die Rauschwirkung durch das THC in Cannabis das Gedächtnis beeinträchtigen kann. Der Fokus lag dabei jedoch vor allem auf dem verbalen Erinnerungsvermögen, erläutern die Forschenden.
Die Auswirkungen auf andere Gedächtnisbereiche wie das prospektive und das zeitliche Gedächtnis, die im Alltag ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, seien jedoch weitgehend unklar.
Untersuchung verschiedener Gedächtnisbereiche
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierte Studie mit 120 Cannabis-konsumierden Teilnehmenden analysierten die Forschenden jetzt, welche Auswirkungen auf die verschiedenen Bereiche des Erinnerungsvermögens zu erwarten sind.
Hierfür wurden die Teilnehmenden zufällig einer von drei Gruppen zugeteilt. Die erste Gruppe verdampften Cannabisblüten ohne THC-Gehalt (Placebo), die zweite Gruppe erhielt Blüten mit 20 Milligram THC (mittlere Dosis) und die dritte Gruppe erhielt 40 Milligramm THC (hohe Dosis), berichtet das Team.
Anschließend führten die Fachleute eine Reihe von Gedächtnistests durch, darunter unter anderem Tests zum verbalen Gedächtnis, zum visuell-räumlichen Gedächtnis, zum prospektiven Gedächtnis , und zu falschen Erinnerungen.
„Die meisten bisherigen Studien haben sich nur mit ein oder zwei Gedächtnisarten befasst, beispielsweise mit dem Abrufen von Wortlisten. Dies ist die erste Studie, die viele verschiedene Gedächtnissysteme gleichzeitig umfassend untersucht“, erläutert die Studienautorin Prof. Carrie Cuttler in einer Pressemitteilung.
Deutliche Beeinträchtigungen nachweisbar
Im Vergleich zu der Placebo-Gruppe waren die Testergebnisse der beiden anderen Gruppe deutlich schlechter und in 15 von 21 Tests zeigten sich signifikante Beeinträchtigungen infolge des THC-Konsums. Dabei wirkten die mittlere und die hohen THC-Dosierung laut den Fachleuten gleichermaßen nachteilig.
So stieg unter dem Einfluss von THC die Anfälligkeit für falsche Erinnerungen und das verbale Gedächtnis, das visuell-räumliche Gedächtnis (sofortiges und verzögertes Gedächtnis), das ereignisbezogene prospektive Gedächtnis, das Quellengedächtnis und das Gedächtnis für die zeitliche Abfolge wurden beeinträchtigt.
Teilnehmende, die THC konsumierten, erinnerten sich eher an Wörter, die ihnen nie präsentiert wurden, und hatten häufiger Schwierigkeiten mit alltäglichen Aufgaben, wie sich an etwas zu erinnern, das sie später erledigen wollten, berichtet das Team.
Erinnerung an Alltagsaufgaben leidet
Das prospektive Gedächtnis, das die Fähigkeit beschreibt, sich an zukünftige Aufgaben wie beispielsweise die Einnahme von Medikamenten, die Teilnahme an einem Meeting oder den Einkauf auf dem Heimweg zu erinnern, wurde den Forschenden zufolge besonders stark beeinträchtigt.
Stark ausgeprägt seien zudem die Beeinträchtigungen des Quellengedächtnisses ausgefallen, die es den Betroffenen erschweren können, zu unterscheiden, ob Informationen aus einer zuverlässigen oder einer weniger verlässlichen Quelle stammen.
Keine signifikanten Auswirkungen hatte der THC-Konsum hingegen auf das episodische Inhaltsgedächtnis oder die Fähigkeit, sich an persönlich erlebte Ereignisse zu erinnern, erläutert das Team.
Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass das Erinnerungsvermögen unter dem akuten Einfluss von THC auf vielfältigen Ebenen eingeschränkt wird. Dies kann auch Auswirkungen auf die Aufgabenerledigung im Alltag haben und könnte zudem eine Neigung zu Fehlannahmen begünstigen, da einerseits das Quellgedächtnis beeinträchtigt wird und gleichzeitig häufiger falsche Erinnerungen auftreten. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Washington State University: Cannabis intoxication disrupts many types of memory (veröffentlicht 10.03.2026), news.wsu.edu
- Carrie Cuttler, Ryan J. McLaughlin: Mapping the acute effects of cannabis on multiple memory domains: A randomized, double-blind, placebo-controlled study; in: Journal of Psychopharmacology (veröffentlicht 24.02.2026), journals.sagepub.com
Wichtiger Hinweis:
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