Der Vollmilchkonsum in der frühen Kindheit kann das spätere Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit deutlich reduzieren. Entgegen bisheriger Annahmen ist Vollmilch hier offenbar vorteilhafter als die fettreduzierten Milchvarianten.
Forschende der Universität Toronto haben bei Kindern mögliche Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Kuhmilch mit unterschiedlichem Fettgehalt und dem späteren Risiko für Übergewicht und Adipositas untersucht. Die durchaus überraschenden Ergebnisse sind in dem „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht.
Bisherige Empfehlungen ein Fehler?
Die Ernährungsrichtlinien verschiedener Gesundheitsbehörden wie beispielsweise von Health Canada empfehlen, dass Kinder ab dem zweiten Lebensjahr statt Vollmilch fettarme Milch bekommen sollten, um die Aufnahme gesättigter Fettsäuren zu begrenzen und Übergewicht vorzubeugen, erläutert das Forschungsteam.
Grundlage dieser Empfehlungen waren jedoch hauptsächlich Studien mit Erwachsenen und neuere Erkenntnisse aus der Pädiatrie stellen diesen Ansatz infrage, so die Fachleute weiter.
Welchen Einfluss hat der Milchkonsum?
An mehr als 2.000 Kindern untersuchte sie daher nun den Einfluss von Magermilch, fettarmer Milch mit einem Prozent Fettgehalt, fettarmer Milch mit zwei Prozent Fettgehalt und Vollmilch (mindesten 3,25 Prozent Fettgehalt) auf das Adipositas-Risiko.
Hierfür wurde der Milchkonsum im frühen Kindesalter ermittelt und im Alter von fünf und acht Jahren eine körperliche Untersuchung durchgeführt, um Parameter wie den Body-Mass-Index (BMI), das Taille-zu-Körpergröße-Verhältnis, die Fettmasse und den daraus abgeleiteten Adipositas-Status zu bestimmen, erläutert das Team.
Verringertes Adipositas-Risiko
Bei der Datenauswertung zeigte sich, dass über 90 Prozent der Kinder vor dem fünften Lebensjahr Milch tranken, wobei allerdings nur 24 Prozent dieser Kinder Vollmilch zu sich nahmen, während 76 Prozent von ihnen fettarme Milch (1 oder 2 % Fettgehalt) und rund 4 Prozent Magermilch konsumierten.
Und Kinder, die im Alter von fünf Jahren Vollmilch tranken hatten im Vergleich zu denen, die Magermilch tranken, bei der Untersuchung im achten Lebensjahr einen signifikant niedrigeren BMI und ein um 69 Prozent geringeres Adipositas-Risiko, berichten die Forschenden. Bei den anderen Milchvarianten seien keine entsprechenden Vorteile feststellbar gewesen.
„Die wichtigste Erkenntnis dieser Studie ist, dass Vollmilch nicht mit einem höheren Körperfettanteil oder einem erhöhten Risiko für Übergewicht bei Kindern in Verbindung gebracht wurde und möglicherweise sogar mit einem gesünderen Wachstum zusammenhängt“, betont die Studienautorin Prof. Kozeta Miliku,
Wieso bietet Vollmilch Vorteile?
Eine mögliche Erklärung für die beobachteten Vorteile sei, dass das Milchfett das Sättigungsgefühl verbessere und dadurch die Kalorienaufnahme aus nährstoffarmen Lebensmitteln reduzieren könnte. Auch Einflüsse auf den Energiehaushalt und Stoffwechselprozesse, die mit dem Wachstum und der Ernährung zusammenhängen könnten eine Rolle spielen.
Nun bedürfe es weiterer Studien, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen und herauszufinden, ob die Vorteile des Vollmilchkonsums in der frühen Kindheit auch bis ins Erwachsenenalter anhalten können. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Tara Zeitoun, Zheng Hao Chen, David Burgner, Gabbi MacKechnie, Prue Huntington, Toby Mansell, Danielle Longmore, Piushkumar J. Mandhane, Elinor Simons, Stuart E. Turvey, Padmaja Subbarao, Theo J. Moraes, Daniel W. Sellen, Kozeta Miliku: Milk fat intake, adiposity, and obesity in Canadian children: findings from the prospective Canadian CHILD Cohort Study; in: The American Journal of Clinical Nutrition (veröffentlicht 07.04.2026), ajcn.nutrition.org
- University of Toronto: U of T study finds that whole-fat milk lowers risk of child obesity (veröffentlicht 10.04.2026), childnutrition.utoronto.ca
Wichtiger Hinweis:
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