Regelmäßiger Cannabis-Konsum ist mit einem reduzierten Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes verbunden. Dabei scheinen neben dem enthaltenen Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) auch verschiedenen weitere Cannabis-Inhaltsstoffe für die Wirkung entscheidend.
Forschende der University of California, Riverside haben die Auswirkungen von THC und Cannabis-Extrakten auf ernährungsbedingte Adipositas und die Blutzuckerregulation untersucht und die Ergebnisse in dem „Journal of Physiology“ veröffentlicht.
Cannabis-Paradoxon
Zwar wirkt Cannabis appetitanregend, doch haben Beobachtungsstudien bei Personen, die regelmäßig Cannabis konsumieren, ein reduziertes Risiko für Adipositas und Typ-2-Diabetes nachgewiesen, erläutern die Forschenden.
Über welche Mechanismen Cannabis die Stoffwechselgesundheit beeinflusst und welche Inhaltsstoffe für die beobachteten positiven Effekte verantwortlich sind, blieb bisher allerdings unklar.
Welche Wirkung haben THC & Cannabis-Extrakt?
In einer präklinischen Studie an adipösen Mäusen untersuchten die Fachleute daher nun, wie die regelmäßige Einnahme von reinem THC und die Einnahme eines Extrakts aus der ganzen Cannabispflanze die Stoffwechselgesundheit, das Körpergewicht, den Körperfettanteil und weitere Parameter beeinflusst.
Das Cannabis-Extrakt enthielt dabei dieselbe Menge an THC, jedoch in Kombination mit weiteren natürlich vorkommenden Pflanzenstoffen, erklärt das Forschungsteam.
Cannabis-Extrakt wirksamer als reines THC
Laut den Fachleuten führten beide Behandlungsansätze bei übergewichtigen Mäusen zu einer signifikanten Gewichtsabnahme, allerdings seien bei den Auswirkungen auf den Stoffwechsel deutliche Unterschiede aufgetreten.
So waren bei Mäusen, die ausschließlich mit THC behandelt wurden, keinerlei Verbesserung ihrer Blutzuckerregulation feststellbar, die als wichtiger Faktor für das Typ-2-Diabetes-Risiko gilt, berichten die Forschenden. Trotz des Gewichtsverlusts sei bei den Tieren weiterhin eine gestörte Blutzuckerregulation aufgetreten.
Im Gegensatz dazu habe sich bei den Mäusen, die mit dem Cannabis-Ganzpflanzenextrakt behandelt wurden, nicht nur das Gewicht, sondern auch die Blutzuckerregulation verbessert.
„Dies legt nahe, dass THC allein nicht für die positiven Stoffwechseleffekte verantwortlich ist, die mit dem Cannabis-Konsum in Verbindung gebracht werden“, so Professor Nicholas V. DiPatrizio von der University of California, Riverside. Offenbar seien andere Inhaltsstoffe entscheidend.
Worauf beruht die Wirkung?
Als potenziellen Mechanismus, über den das Cannabis-Extrakt seine Wirkung entfaltet, identifizierten die Forschenden die Kommunikation zwischen dem Fettgewebe und der Bauchspeicheldrüse.
In einem gesunden Organismus setzen Fettzellen Signalmoleküle frei, die dabei helfen, die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse zu regulieren, und bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes ist dieser Signalmechanismus gestört, erklären die Fachleute.
Die Behandlung mit dem Cannabis-Extrakt habe diesen Kommunikationsweg effektiver wiederhergestellt als reines THC, so dass das Fettgewebe besser Signale an die Bauchspeicheldrüse senden konnte, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren.
Keine Empfehlung zum Cannabis-Konsum
„Wir wollen damit nicht nahelegen, dass Menschen Cannabis zur Gewichtsregulierung oder zur Behandlung von Diabetes verwenden sollten“, betont Prof. DiPatrizio. Doch könnten die Cannabis-Inhaltsstoffe möglicherweise neue Ansätze zur Prävention und Behandlung von Diabetes und Adipositas eröffnen, so die Hoffnung des Forschungsteams. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- University of California - Riverside: Cannabis compounds may boost metabolic health while supporting weight loss (veröffentlicht 11.05.2026), eurekalert.org
- Bryant Avalos, Martin Olmos, Courtney P. Wood, Camila Alvarez, Haley M. Read, Parima Udompholkul, Theodore Garland Jr, Nicholas V. DiPatrizio: Δ9 Tetrahydrocannabinol and cannabis extracts differentially improve adipoinsular dysfunction in diet-induced obesity; in: The Journal of Physiology (veröffentlicht 11.05.2026), onlinelibrary.wiley.com
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.







