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Gängiges Nahrungsergänzungsmittel mit Alzheimer verbunden

Fabian Peters
Verfasst von Fabian Peters
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17. Juni 2026
in News
Das Wort Alzheimer als Schriftzug aus Holzblöcken mit Buchstaben gelegt.
Ein beliebtest Nahrungsergänzungsmittel gegen Gelenkschmerzen scheint auch die Entwicklung von Alzheimer zu fördern. (Bild: LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobe.com)
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Nahrungsergänzungsmittel mit Glucosamin werden häufig zur begleitenden Behandlung von Gelenkschmerzen eingenommen, doch sind hiermit möglicherweise äußerst nachteilige Effekte auf das Gehirn verbunden. So erscheinen die Nahrungsergänzungsmittel als treibender Faktor bei Alzheimer.

Welche Rolle die Einnahme von Glucosamin-Nahrungsergänzungsmitteln bei Alzheimer-Erkrankungen spielen kann, hat ein US-Forschungsteam um Dr. Ramon Sun von der University of Florida in einer aktuellen Studie untersucht. Die in dem Fachmagazin „Nature Metabolism“ veröffentlichten Ergebnisse geben Anlass zur Sorge.

Beliebtes Nahrungsergänzungsmittel bei Gelenkschmerzen

Weltweit wird Glucosamin häufig als Nahrungsergänzungsmittel bei Gelenkschmerzen bzw. Arthrose eingenommen, auch wenn die Belege für eine positive Wirkung begrenzt bleiben.

Angesichts der verbreiteten Einnahme bei älteren Erwachsenen stellten sich die Forschenden nun die Frage, ob Glucosamin auch Auswirkungen auf Alzheimer und verwandte Demenzformen haben könnte.

Besteht ein Zusammenhang mit Alzheimer?

Mit Hilfe künstlicher Intelligenz analysierte das Team Patientendaten aus den Jahren 2012 bis 2024, um diejenigen mit leichte kognitiven Beeinträchtigung oder Alzheimer und verwandten Demenzformen zu identifizieren.

Bei dem Abgleich mit der Einnahme von Glucosamin-Präparaten zeigte sich, dass ein signifikanter Anteil der Patientinnen und Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen, Alzheimer und verwandten Demenzformen angab, Glucosamin einzunehmen.

Erhöhtes Risiko für Demenz

Nach Bereinigung um andere potenzielle Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und demografische Daten war die Einnahme von Glucosamin mit einer um 25 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für den Übergang von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung zu eine Demenzerkrankung verbunden, berichtet das Team.

Bei den Personen, die bereits an Alzheimer oder verwandten Demenzformen litten, habe die Einnahme von Glucosamin zudem das Sterberisiko innerhalb des Beobachtungszeitraums signifikant erhöht. Ein vergleichbarer Effekt sei bei Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen nicht aufgetreten.

„In den USA leben etwa 7 Millionen Menschen mit Alzheimer und Millionen weitere mit verwandten Demenzformen wie der Lewy-Körperchen-Demenz oder der frontotemporalen Demenz. Viele dieser Menschen nehmen aktiv ein rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel ein, das den Verlauf ihrer Krankheit möglicherweise verschlimmern könnte“, betont Dr. Ramon Sun.

Wichtiger Stoffwechselprozess identifiziert

Die Forschenden konnten zudem einen Stoffwechselprozess identifizieren, der im Zusammenhang mit Glucosamin steht und die Anheftung von Zuckermolekülen an Proteine beeinflusst. Dieser Signalweg sei bei Alzheimer überaktiv.

In Untersuchungen an Mäusen habe sich zudem gezeigt, dass Glucosamin die Anheftung von Zuckerresten an Proteine in den Zellen signifikant verstärkte und bei den mit Glucosamin behandelten Mäusen verschlechterte sich das „sozialen Gedächtnis“, berichten die Forschenden.

Außerdem konnten die Fachleute in Gehirnproben von Patientinnen und Patienten mit Alzheimer im Vergleich zu Proben von gesunden Kontrollpersonen eine deutlich vermehrte Anheftung von Zuckermoleküle an Proteine nachweisen.

Stoffwechselstörung mit Alzheimer verbunden

Dies lasse vermuten, dass eine solche Stoffwechselstörung nicht bloß ein sekundärer Aspekt der Alzheimer-Pathologie sei, sondern einen treibenden Faktor der Erkrankung bilde.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ein veränderter Stoffwechsel maßgeblich zum Fortschreiten von Alzheimer beiträgt. Zudem könnte die gezielte Behandlung dieses Stoffwechseldefekts eine wichtige Ergänzung zu Ansätzen sein, die sich auf Alzheimer-Plaques und -Tangles konzentrieren“, so Dr. Sun.

„Proteine sind die molekularen Maschinen der Zelle, und viele von ihnen benötigen Zuckermarkierungen, die auf genau die richtige Weise angebracht werden, damit sie sich korrekt falten, an den richtigen Ort gelangen und ihre Aufgaben erfüllen können“, ergänzt der Studienautor Dr. Matt Gentry.

Bei Alzheimer sei dieses System der Zuckermarkierung offenbar überaktiv und das Alzheimer-Gehirn füge zu viele Markierungen hinzu. Die Einnahme von Nahrungsergänzungen mit Glucosamin könnte diesen Prozess zudem zusätzlich verstärken.

Auch wenn die Studie bisher lediglich einen statistischen Zusammenhang und nicht die Kausalität belegt, werfen die Ergebnisse einig klinische Frage auf, die nun deutlich mehr Aufmerksamkeit verdienen, resümieren die Forschenden. (fp)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Fabian Peters
Quellen:
  • Tara R. Hawkinson, Zizhen Liu, Roberto A. Ribas, Terrymar Medina, Rikke S. Nielsen, Harrison A. Clarke, Xin Ma, Angela C. Mueller, Adrielle F. Plasencia, Alexander L. Sheer, Samantha T. Simpson, Charles M. Soto, Jessica Sudderth, Feng Cai, Alex R. Cantrell, Matthieu G. Colpaert, Cameron J. Shedlock, Lei Wu, Lyndsay E. A. Young, Damon D. Kooser, Li Chen, Alison M. Ryan, Sadi Quinones, Jihye Son, Parastoo Azadi, Ralph J. Deberardinis, Stefan Prokop, Derek Allison, Shuang Yang, Hongyu Chen, Yu Huang, Xing He, Kimberly M. Alonge, Jingchuan Guo, Yi Guo, Jiang Bian, Craig W. Vander Kooi, Matthew S. Gentry, Ramon C. Sun: Hyperglycosylation is a metabolic driver of Alzheimer’s disease; in: Nature Metabolism (veröffentlicht 09.06.2026), nature.com
  • University of Florida: Study links joint pain supplement to accelerating dementia (veröffentlicht 09.06.2026), ufhealth.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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