Ist ein bestimmtes Bakterium der Darmflora nur selten vorhanden, steigt das Risiko für eine Erkrankung an MS (Multiple Sklerose) signifikant. Im Umkehrschluss könnte ein erhöhtes Vorkommen des Bakteriums vor MS schützen.
Forschende der Cittadella Universitaria di Monserrato (Italien) haben mögliche Zusammenhängen zwischen dem Auftreten von MS und den Darmmikrobiota untersucht und dabei eine Assoziation mit dem Bakterium Akkermansia massiliensis identifiziert. Die entsprechenden Studienergebnisse sind in dem Fachmagazin „Genes & Immunity“ veröffentlicht.
Darmflora & MS verbunden
Frühere Forschungsarbeiten hatten bereits auf mögliche Verbindungen zwischen der Darmflora und Multiple-Sklerose-Erkrankungen hingedeutet und beispielsweise kam eine Studie aus dem vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass bestimmte Bakterien der Darmflora MS auslösen könnten.
Inwiefern sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Darmmikrobiotia und MS herstellen lässt, überprüften die Fachleute nun auf Basis der verfügbaren genomweiten Assoziationsstudien (GWAS).
Neuer Zusammenhang identifiziert
Dabei identifizierten wir eine Assoziation der Krankheit mit dem kommensalen Bakterium Akkermansia massiliensis und ein geringes Vorkommen des Bakteriums schien zur Prädisposition für MS beizutragen, berichtet das Team.
Die Verbindung liegt dabei offenbar im Bereich des Gens für den selektiven Fc-Rezeptor von sekretorischem IgA (FcRL3), erläutern die Forschenden weiter. Insbesondere der Einfluss auf die FcRL3-Proteinproduktion und die dynamische Intron-Nutzung zwischen naiven und reifen B-Zellen stehe in Zusammenhang mit dem MS-Risiko.
Die Forschenden vermuten, dass ein geringes Vorkommen von Akkermansia massiliensis und niedrige Spiegel von FcRL3 eine Prädisposition für MS schaffen könnten, insbesondere indem sie eine beeinträchtigte Selbsttoleranz gegenüber den kommensalen Mikrobiota sowie eine Dysregulation der B-Zell-Funktion hervorruft.
Die Erkenntnisse eröffnen laut den Fachleuten auch neue Ansätze für die MS-Forschung. So könnte eine Erhöhung des Vorkommen von Akkermansia massiliensis und/oder der FcRL3-Spiegel in Zukunft möglicherweise einen wichtigen Beitrag zur Prävention und Therapie von MS leisten. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Valeria Orrù, Michele Marongiu, Eleonora Cocco, Magdalena Zoledziewska: Potential role of Akkermansia massiliensis in multiple sclerosis protection by the FcRL3 gene; in: Genes & Immunity (veröffentlicht 11.07.2026), nature.com
- Florian Beigel, Yihui Sun, Janine Kövilein, Jiancheng Wang, Tanja Kuhlmann, et al.: Multiple sclerosis and gut microbiota: Lachnospiraceae from the ileum of MS twins trigger MS-like disease in germfree transgenic mice—An unbiased functional study; in: Proceedings of the National Academy of Sciences (veröffentlicht 21.04.2025), pnas.org
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