Bei dem Reizdarmsyndrom können verschiedene natürliche Behandlungsansätze einen Beitrag zur Linderung leisten. Nachweisbare Wirkung zeigen vor allem Pfefferminzöl und Präparate aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Welche Wirkung Behandlungen auf pflanzlicher Basis bei dem Reizdarmsyndrom entfalten können, haben Forschenden aus Deutschland und der Schweiz in einer aktuellen Übersichtsarbeit analysiert. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Phytotherapy Research“ veröffentlicht.
Hilfe gegen Reizdarmsyndrom gesucht
Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist gekennzeichnet durch Symptome wie Bauchschmerzen und Blähungen in Verbindung mit wechselnder Stuhlkonsistenz beziehungsweise Verstopfung und Durchfall. Zwar haben die Beschwerden keine schwerwiegenden organischen Ursachen, für die Betroffenen kann die Erkrankung dennoch sehr belastend sein.
Wirksame Behandlungsansätze sind daher dringend gesucht und viele Patientinnen und Patienten bevorzugen hierbei pflanzliche Präparate gegenüber einer pharmakologischen Therapie, erläutern die Forschenden.
Wir wirksam sind pflanzliche Behandlungsansätze?
Wie wirksam die verschiedenen pflanzlichen Behandlungsansätze gegen das Reizdarmsyndrom tatsächlich sind, haben die Fachleute nun auf Basis der bislang veröffentlichen Studien untersucht. Insgesamt 60 frühere Forschungsarbeiten mit 6.329 Teilnehmenden fanden dabei Berücksichtigung.
Für die Durchführung einer Metaanalyse zur Wirkung der Behandlungsansätze waren laut den Forschenden allerdings nur für Aloe vera, Ballaststoffe, Pfefferminzöl und Kräutermischungen aus der TCM ausreichend Daten verfügbar.
Für andere pflanzliche Substanzen, die in mindestens einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht wurden, wie zum Beispiel Johanniskraut oder Anisöl lagen hingegen nicht genug Daten vor, so das Forschungsteam. Zudem sei die Qualität vieler Studien eher begrenzt ausgefallen.
Pfefferminzöl & TCM-Präparate helfen
Die Ergebnisse zeigen lediglich für Pfefferminzöl und TCM-Präparate eindeutig, dass sie bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Reizdarmsyndrom wirksamer sind als ein Placebo und dass sie gleichzeitig ein gutes Sicherheitsprofil aufweisen, berichten die Forschenden.
Bei den TCM-Präparaten waren die untersuchten Präparate zwar nicht alle identisch, die meisten davon enthielten laut den Fachleuten jedoch folgende vier pflanzlichen Bestandteile:
- Paeoniae Radix Alba (Weiße Pfingstrose),
- Saposhnikoviae Radix (Saposhnikovia-Wurzel),
- Citri Reticulatae Pericarpium (Mandarinenschale)
- und Atractylodis Macrocephalae („Cang Zhú“).
Drei in die Metaanalyse einbezogene Studien verwendeten diese Substanzen in einer standardisierten Mischung und in vielen der anderen getesteten Präparate waren sie in Kombination mit weiteren pflanzlichen Bestandteilen enthalten, erklären die Forschenden.
Insgesamt seien die TCM-Präparate ebenso wie die Einnahme von Pfefferminzöl ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung des Reizdarmsyndroms, wobei jedoch unklar bleibe, welche genauen Mischungen am wirksamsten sind.
Die Metaanalyse deutete auch darauf hin, dass Ballaststoffe die Symptome des Reizdarmsyndroms lindern können, allerdings war die Wirkung laut den Fachleuten statistisch nicht signifikant. Zudem seien bei Ballaststoffen häufig unerwünschte Nebenwirkungen wie beispielsweise Blähungen aufgetreten.
Aloe vera war hingegen in keiner der ausgewerteten Studien wirksamer als ein Placebo und die Daten lieferten keine Belege dafür, dass Aloe vera die Symptome von Patientinnen und Patienten mit Reizdarmsyndrom lindern kann, erläutert das Forschungsteam.
So lässt sich festhalten, dass unter den pflanzlichen Behandlungsansätzen gegen das Reizdarmsyndrom die deutlichsten Belege für eine positive Wirkung bei Pfefferminzöl und TCM-Präparaten vorliegen.
Vielversprechender therapeutischer Nutzen
„Die systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse Plant-based therapy for irritable bowel syndrome von 60 Studien mit insgesamt 6.329 Patientinnen und Patienten weist für Pfefferminzöl und chinesische Kräutermischungen einen signifikanten symptomatischen Nutzen bei dem Reizdarmsyndrom nach“, fasst Studienautor Dr. Mark Fox von der Klinik Arlesheim zusammen.
Darüber hinaus habe sich die Einnahme von Ballaststoffen, insbesondere löslichen Ballaststoffen (z. B. gemahlene Floh- und Leinsamen), die die Stuhlregulation verbessern, ebenfalls als hilfreich erwiesen.
„Allerdings liegt für zahlreiche andere pflanzliche Präparate aufgrund der begrenzten Anzahl von Studien, von denen viele methodische Mängel aufwiesen, nach wie vor keine ausreichende Evidenzbasis vor“, ergänzt der Studienautor Anselm Meyer von der Klinik Arlesheim.
In Zukunft sind daher weitere gut konzipierte, große, randomisierte Studien erforderlich, um den patientenrelevanten Nutzen, die Sicherheit und die Kosteneffektivität verlässlich zu bestimmen, resümieren die Meyer und Fox. Eine solide Evidenzbasis sei außerdem erforderlich, damit diese Präparate von den Krankenkassen erstattet werden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Anselm Meyer, Jonas Auer, Lorena Cascant-Ortolano, Niclas Schreiber, Amy Zimmermann-Klemd, Carsten Gründemann, Philipp Busche, Jörg Schirra, Mark R. Fox: Systematic Review and Meta-Analysis: Plant-Based Therapy for Irritable Bowel Syndrome; in: Phytotherapy Research (veröffentlicht 09.08.2026), onlinelibrary.wiley.com
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









