Bestimmte Bakterien der Darmflora sind offenbar von entscheidender Bedeutung bei schweren Lebererkrankungen in Form einer primär sklerosierenden Cholangitis. So können Darmbakterien, die den Metaboliten Imidazol-Propionat (ImP) produzieren, das Erkrankungsrisiko erhöhen und den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.
Welche Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung der Darmflora und der primär sklerosierenden Cholangitis bestehen und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen, hat ein internationales Forschungsteam in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Nature Metabolism“ veröffentlicht.
Darmflora beeinflusst Lebergesundheit
Dass die Zusammensetzung der Darmflora über die Darm-Leber-Achse auch die Lebergesundheit beeinflussen kann, ist durch frühere Studien bereits hinlänglich belegt. Auch gab es bereits Hinweise darauf, dass die Darmmikrobiota bei der primär sklerosierenden Cholangitis eine Rolle spielen.
Diese seltene chronische Lebererkrankung betrifft vorwiegend junge Erwachsene und führt zu Entzündungen und Vernarbungen der Gallenwege in der Leber. Die Folge sind schwere Leberschäden sowie ein erhöhtes Risiko für Gallenwegs- und Leberkrebs, erläutern die Forschenden. Auch könne eine Lebertransplantation erforderlich werden.
Bekannt sei allerdings, dass ein Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und einer veränderten Zusammensetzung der Darmflora besteht, und bislang gibt es keine wirksamen Medikamente, die den Krankheitsverlauf stoppen oder eine Heilung bewirken können, so die Fachleute weiter.
Suche nach relevanten Metaboliten
Um zu ermitteln, welche Rolle die Darmbakterien spielen, untersuchten die Forschenden zunächst Blutproben auf die enthaltenen Metaboliten. So konnten sie nachweisen, dass Imidazol-Propionat mit dem Auftreten der Erkrankung und mit deren Progression assoziiert ist.
In Laboruntersuchungen habe sich zudem gezeigt, dass ImP den mTORC1-Signalweg in Cholangiozyten aktiviert und bei Mäusen verursachte ImP eine portale Entzündung, eine biliäre Fibrose und duktuläre Reaktionen in der Leber, berichtet das Team.
Imidazol-Propionat al Auslöser
Darmbakterien, die den Metaboliten ImP produzieren, haben demnach offenbar einen maßgeblichen Einfluss auf die schwere Lebererkrankung und wenn ImP auf die schützenden Zellen trifft, die die Gallengänge auskleiden, aktivieren diese Zellen Signalwege, die Entzündungen und eine Fibrose fördern.
Diese Fibrose führt zur Bildung von überschüssigem, hartem Narbengewebe, wodurch das Organ versteift und seine Funktion beeinträchtigt wird, erklären die Forschenden. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse damit den lange vermuteten Zusammenhang zwischen Darmbakterien und der primär sklerosierenden Cholangitis.
„Die Studie legt nahe, dass die primär sklerosierende Cholangitis entstehen kann, wenn Stoffwechselprodukte einer veränderten Darmflora kontinuierlich die Gallengänge erreichen und schädigen“, fasst der Studienautor Dr. Antonio Molinaro von der Universität Göteborg zusammen.
Hoffnung auf neue Therapien
Dies eröffne mehrere neue Behandlungsansätze wie eine Reduzierung der bakteriellen ImP-Produktion, die Hemmung der für die Produktion verantwortlichen bakteriellen Enzyme oder die Blockierung des Signalwegs, über den ImP offenbar Schäden verursacht.
Allerdings lasse die Studie nicht darauf schließen, dass ImP die alleinige Ursache der primär sklerosierenden Cholangitis ist. Die Erkrankung werde wahrscheinlich durch eine komplexe Kombination genetischer, immunologischer und Umweltfaktoren sowie durch Veränderungen der Darmflora verursacht.
Offenbar kann Imidazol-Propionat jedoch zum Ausbruch und Fortschreiten der primär sklerosierenden Cholangitis beitragen und einen wesentlichen Teil des klinischen Bildes der Erkrankung erklären, resümieren die Forschenden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Antonio Molinaro, Peder Rustøen Braadland, Guido Carpino, Alba Carreras, Marios Nikolaidis, Petra Hanzely, Katharina R. Beck, Ahmad H. Ali, Lars Bossen, Anna Frank, Annika Lundqvist, Brian D. Juran, Diletta Overi, Lei Geng, Enya Amundse-Isaksen, Henrik Mikael Reims, Ida Björk, Krzysztof Grzyb, Andreas Abildgaard, Trine Folseraas, Martin Cornillet, Hólmfríður Helgadóttir, Bryan M. McCauley, Laura Cristoferi, Marco Carbone, Vincenzo Cardinale, Marte L. Høivik, Lise Katrine Engesæter, Sara K. V. Tjønnfjord, Adrian McCann, Per M. Ueland, Mette Vesterhus, Tom H. Karlsen, Henning Grønbæk, Eugenio Gaudio, Konstantinos N. Lazaridis, Annika Bergquist, Espen Melum, Fredrik Bäckhed & Johannes Roksund Hov: Gut microbiota-derived imidazole propionate promotes primary sclerosing cholangitis via p38 signaling; in: Nature Metabolism (veröffentlicht 04.09.2026), nature.com
- University of Gothenburg: Discovered link between gut bacteria and severe liver disease (veröffentlicht 04.09.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.







