Hohe berufliche Stressbelastungen können zu Erektionsstörungen führen. Der Stress verursacht einen Anstieg des Cortisolspiegels, wodurch mit zeitlichem Versatz der Testosteronspiegel sinkt. Dies ist wiederum mit einem deutlich erhöhten Risiko für erektile Dysfunktion verbunden.
Welche Zusammenhänge zwischen psychischem Stress am Arbeitsplatz und der Erektionsfähigkeit bei jungen Männern bestehen und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen, hat einen chinesisches Forschungsteam in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse sind in dem „International Journal of Clinical Practice“ veröffentlicht.
Stress beeinflusst die Hormone
In den letzten Jahren war ein deutlicher Anstieg der Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) bei jungen Männern feststellbar und psychologische Faktoren wie insbesondere psychischer Stress am Arbeitsplatz sind als potenzielle Auslöser zunehmend in den Fokus gerückt, erläutern die Forschenden.
Auch sei bereits bekannt, dass chronischer psychischer Stress die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse aktiviere und so einen anhaltenden Anstieg des Cortisolspiegels verursache, der wiederum die Testosteronsekretion und die Funktion des Gefäßendothels beeinflusse.
Dies kann zu dem Auftreten von Erektionsstörungen beitragen, doch fehlten bisher systematische Untersuchungen der Zusammenhänge unter Berücksichtigung der Dosis-Wirkungs-Beziehungen, erklärt das Forschungsteam.
Welche Zusammenhänge bestehen?
An 826 vollzeitbeschäftigten Männern im Alter von 22 bis 40 Jahren untersuchten die Fachleute daher fünf Faktoren, die den psychischen Stress am Arbeitsplatz beeinflussen können, sowie die Serumspiegel von Cortisol, Testosteron und anderen Hormonen, um die Zusammenhänge mit den Auftreten von Erektionsstörungen zu überprüfen.
Die fünf berücksichtigen beruflichen Faktoren waren die Arbeitszeiten, die Entscheidungsautonomie, die Unterstützung durch Vorgesetzte, die Beziehungen zu Kollegen und der Beförderungsdruck.
Erhöhtes Risiko für Erektionsstörungen
Die Forschenden beobachteten eine nichtlinearer Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Arbeitsplatzstress und dem Auftreten von Erektionsstörungen, wobei unter den Teilnehmenden mit dem höchsten Stressniveau fast 55 Prozent betroffen waren.
Damit war das Risiko für Erektionsstörungen in dieser Gruppe zehnmal höher als in der Gruppe mit niedrigem Stressniveau, betonen die Forschenden. Auch sei deutlich geworden, welche hormonellen Veränderungen hierbei eine Rolle spielen.
Stress beeinflusst den Testosteronspiegel
So verursache der Stress einen Anstieg des Cortisolspiegels, dem nach zwei bis vier Wochen ein Absinken der Testosteronwerte folge. Der veränderte Testosteronspiegel sei wiederum den Beeinträchtigungen der Erektionsfähigkeit um um vier bis sechs Wochen vorausgegangen.
Dies deutet laut den Forschenden auf ein Interventionsfenster von sechs bis zehn Wochen hin, in dem die Möglichkeit für Gegenmaßnahmen besteht.
Bei Betrachtung der beruflichen Faktoren habe sich gezeigt, dass insbesondere lange Arbeitszeiten mit einem erhöhten Cortisolspiegel und entsprechenden Erektionsstörungen verbunden sind, während die Unterstützung durch Vorgesetzte einen protektive Wirkung entfalte.
Risiko frühzeitig erkennen & gegensteuern
Die Fachleute kommen zu dem Schluss, dass die psychologische Stressbeurteilung und Hormontests eine effektive Identifizierung von Männern mit hohem Risiko für psychogene Erektionsstörungen ermöglichen.
Zudem sprechen die Ergebnisse dafür, dass Maßnahmen zum Stressabbau eine gewisse Schutzwirkung gegenüber Potenzproblemen entfalten und dass sie möglicherweise auch einen Beitrag zur Therapie leisten können. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Wenjie Huang, Yiyu Qin, Yuping Chen, Guozhe Zhang, Bodong Lv, Zhiyue Wu, Yang Zhou: Dose–Response Relationship Between Workplace Psychological Stress Accumulation Index and Erectile Function in Young Men; in: International Journal of Clinical Practice (veröffentlicht 09.09.2026), onlinelibrary.wiley.com
- Wiley: Can work-related stress cause erectile dysfunction in young men? (veröffentlicht 09.09.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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