Zwar wird bei antiresorptiven Osteoporose-Therapien häufig eine ergänzende Calcium-Einnahme empfohlen, doch eine ausreichende Proteinaufnahme hat für die Knochengesundheit im Alter offenbar höhere Relevanz als die Versorgung mit Calcium.
Inwiefern die Calcium- und Proteinzufuhr die Wirkung von Osteoporose-Medikamenten auf die Knochenmineraldichte und -festigkeit bei älteren Frauen beeinflussen, hat ein Forschungsteam von der Universität Genf untersucht. Die durchaus überraschenden Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Osteoporosis International“ veröffentlicht.
Calcium zur Osteoporose-Therapie?
Mit dem Alter steigt das Risiko für Osteoporose und Frauen nach der Menopause sind dabei besonders gefährdet. Frühere Studien haben zudem gezeigt, dass Calcium- und Vitamin-D-Mangel das Osteoporose-Risiko erhöhen und im Zuge der Therapie wird häufig eine ergänzende Einnahme empfohlen.
Ob die begleitende Calcium-Einnahme tatsächlich Auswirkungen auf die Behandlung mit antiresorptiven Osteoporose-Medikamenten hat, überprüfte das Forschungsteam um Maria Papageorgiou von der Universität Genf jetzt anhand der Daten von 586 Frauen im mittleren Alter von 67 Jahre.
Von den Teilnehmerinnen erhielten 101 Frauen eine Hormonersatztherapie, 67 eine antiresorptive Medikation (Bisphosphonate, Denosumab oder Raloxifen) und 418 keine Osteoporose-Medikamente.
Mittels Fragebögen wurde die Calcium- und Proteinaufnahme über die Ernährung erfasst und auch die zusätzliche Einnahme von Calcium-Präparaten wurde dokumentiert, berichtet das Team.
Die Veränderungen der Knochendichte und -festigkeit an der Hüfte ermittelten die Fachleute auf Basis sogenannter 2D/3D-DXA und Finite-Elemente-Analysen. Der Beobachtungszeitraum betrug dabei durchschnittlich 3,5 Jahren.
Calcium-Aufnahme meist ausreichend
Insgesamt erreichten 71 Prozent der Teilnehmerinnen die empfohlene Calcium-Aufnahme von mindestens 1.200 Milligramm pro Tag und die durchschnittliche Gesamtzufuhr (Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel) lag bei 1.503 Milligram täglich.
Dabei nahmen etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen (51 Prozent) Calcium- und 70 Prozent Vitamin-D-Präparate ein, so das Forschungsteam.
Im Vergleich zu Frauen, die keinen Osteoporosemedikamente erhielten, war sowohl die Hormonersatztherapie als auch die antiresorptiven Medikation mit einer höheren Knochendichte und -festigkeit der Hüfte verbunden, berichten die Forschenden.
Protein wichtiger als Cacium
Allerdings habe die Calcium-Aufnahme keinen signifikanten Einfluss auf die Knochengesundheit gezeigt, unabhängig davon ob über oder unter 1.200 Milligramm pro Tag aufgenommen wurden.
Lediglich bei Frauen mit niedriger Calcium-Aufnahme (unter 800 Milligramm pro Tag) waren die positiven Auswirkungen der Hormonersatztherapie und der antiresorptiven Medikation laut den Fachleuten geschmälert.
Hingegen beobachteten die Forschenden bei Frauen mit einer zu geringen Proteinzufuhr (unter 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich) signifikant geringere Verbesserungen der trabekulären Knochendichte und der gesamten Hüftfestigkeit im Zuge der Osteoporose-Therapie.
Die Einnahme von Calcium-Präparaten hatte bei älteren Frauen mit ausreichendem Calcium-Spiegel kaum Einfluss auf die Wirkung der antiresorptiven Osteoporose-Therapien, wohingegen eine geringe Proteinzufuhr deren Nutzen abschwächte, erläutert das Team.
Calcium-Präparate möglicherweise überflüssig
So ist die Calcium-Supplementierung bei ausreichender Aufnahme über die Ernährung möglicher unnötig, während die Proteinaufnahme im Zuge der Osteoporose-Therapie jedoch mehr Berücksichtigung finden sollte, resümieren die Forschenden
Dies ist auch vor dem Hintergrund, dass Calcium-Präparate das Sterberisiko bei bestimmten Personengruppen erhöhen können, eine durchaus wichtige Erkenntnis und sollte in den Behandlungsempfehlungen entsprechende Berücksichtigung finden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Maria Papageorgiou, Yvan Gugler, Serge Ferrari, René Rizzoli, Philippe Zysset, Emmanuel Biver: Dietary and supplemental calcium intake and bone changes during antiresorptive osteoporosis treatment in older women: a longitudinal observational study; in: Osteoporosis International (veröffentlicht 17.07.2026), springer.com
- Keri Marshall, Lynn Teo, Christopher Shanahan, LeeCole Legette, Susan Hazels Mitmesser: Inadequate calcium and vitamin D intake and osteoporosis risk in older Americans living in poverty with food insecurities, in: PLOS ONE (veröffentlicht 08.07.2020), journals.plos.org
- Nicholas Kassis, Essa H Hariri, Antonette K Karrthik, et al.: Supplemental calcium and vitamin D and long-term mortality in aortic stenosis; in: Heart (veröffentlicht 25.04.2022), heart.bmj.com
Wichtiger Hinweis:
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