Divertikel der Speiseröhre (Ösophagusdivertikel)

Als Ösophagusdivertikel bezeichnet man sackartige Ausstülpungen in eingegrenzten Bereichen der Speiseröhrenwand. Speiseröhrendivertikel können angeboren oder erworben sein, man unterscheidet außerdem echte Divertikel von Pseudodivertikeln. Es gibt typische Symptome, die aber nicht zwingend vorkommen müssen. Männer im höheren Alter sind häufiger betroffen und bei Menschen unter vierzig Jahren sind Divertikel in der Speisenröhre eher eine Seltenheit. Divertikel kommen neben der Speiseröhre häufig im Kolon vor, sogenannte Dickdarmdivertikel oder auch Divertikulose. Grundsätzlich kann jedoch der gesamte Verdauungstrakt betroffen sein.


Die Speiseröhre

Die Speiseröhre ist die daumendicke, ca. 25 cm lange schlauchartige Verbindung zwischen Rachen und Magen. Der Muskelschlauch befindet sich zwischen Wirbelsäule und Luftröhre und führt durch die sogenannte Larray-Spalte nach unten durch das Zwerchfell, wo er in den Magen übergeht. Die Speiseröhre besteht aus drei Wandschichten:

  • der äußeren Muskelschicht,
  • einer bindegewebigen Verschiebeschicht und
  • der Schleimhaut im Inneren des Organs.

In diesen Schichten kommt es von innen nach außen zu den Aussackungen, die man sich auch als „Einbuchtungen“ in der Schleimhaut vorstellen kann.

Das Zenker-Divertikel ist die häufigste Divertikelerkrankung in der Speiseröhre (Bild: ellepigrafica/fotolia.com; eigene Bearbeitung)

„Echte“ und „falsche“ Divertikel

Bei Speisenröhrendivertikeln wird zwischen zwei verschiedenen Formen der Ausstülpung in der Speiseröhre unterschieden. Beim Pulsiondivertikel entsteht die Ausstülpung durch ein Missverhältnis von Innendruck und Wandstabilität. Bildet sich das Divertikel durch eine Spannung von außen, zum Beispiel durch eine Narbe nach einer Entzündung, handelt es ich um ein Traktionsdivertikel.

Unterschieden wird darüber hinaus zwischen echten Divertikeln, bei denen sämtliche Wandschichten von den Ausstülpungen betroffen sind und Pseudodivertikeln, die lediglich Schleimhautausstülpungen durch Muskellücken darstellen.

Symptomatik und Komplikationen der Zenker-Divertikel

Am häufigsten (bei circa 70 Prozent der Betroffenen) kommen sogenannte Zenker-Pulsionsdivertikel vor, das heißt, es haben sich im oberen Bereich der Speiseröhre Pseudodivertikel gebildet. Typische Symptome für Zenker-Pulsiondivertikel sind unter anderem:

  • Schluckbeschwerden mit Druckgefühl hinter dem Brustbein und
  • dadurch ausgelöst ein Fremdkörpergefühl im Hals,
  • auftretender Mundgeruch (foetor ex ore) sowie
  • Hustenreiz, der direkt nach der Nahrungsaufnahme vorkommt.

Bei einem Oesophagusdivertikel sind typische Kardinalsymptome jedoch ein gurgelndes Geräusch beim Trinken und Speisereste auf dem Kopfkissen, die gelegentlich am Morgen auffallen.

Komplikationen können entstehen, wenn zurückströmende Speisereste in die Atemwege gelangen. Dann kann es zu einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) kommen. Darüber hinaus können durch Entzündungen (Divertikulitis) entstehen, die zur Perforation, d.h. zum Durchbruch der Speiseröhrenwand führen.

Diagnose

Es gibt drei verschiedene Methoden um ein Divertikel in der Speiseröhre zu diagnostizieren und um die Art und Ausprägung des Ausstülpung abzuklären und damit auch die Behandlungsmethode festzulegen:

  • Ösophagusbreischluck, ein konstrastmittelgestütztes Bildgebungsverfahren,
  • Manometrie, um eine Druckmessung innerhalb der Speiseröhre durchzuführen oder
  • eine endoskopische Untersuchung (wird aber wegen möglicher Verletzungen selten angewandt).
Eine Speiseröhrenendoskopie wird bei der Diagnose selten eingesetzt, oft aber bei der chirurgischen Entfernung des Divertikels (Bild: romaset/fotolia.com)

Symptomlinderung und Therapie

Bisher besteht die konventionelle Therapie in einer operativen Entfernung der Speiseröhrendivertikel. Je nach Schwere der Erkrankung und Lage der Divertikel ist ein offener chirurgischer Eingriff notwendig oder er erfolgt endoskopisch.

Um die Symptome bis zum Eingriff zu lindern, ist es ratsam, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen und Nahrungsmittel zu vermeiden, die zu einem Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre führen können, wie:

  • Alkohol,
  • saure Speisen,
  • fettiges Essen und
  • Süßigkeiten.

(fp, ok; aktualisiert am 26.04.2018)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)