Saliromanie (Salirophilie) – Die Lust am Schmutz

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Saliromanie oder besser Salirophilie leitet sich vom französischen Wort für “beschmutzen” ab. Salirophiler bezeichnet einen Menschen, der sexuelle Erregung beim Beschmutzen von anderen Menschen, sich selbst oder Objekten verspürt. Zu den Substanzen, mit denen sich solche Menschen beschmieren, gehören Schlamm, Lebensmittel, Sperma, Blut, Urin oder Kot.

Exkrementophilie

Bei dieser Form der Salirophilie handelt es sich um eine Vorliebe für Exkremente, Urin oder Kot, welches im Szenejargon als Natursekt oder Kaviar bezeichnet werden. Urophile werden sexuell erregt, wenn sie auf andere urinieren, auf sich urinieren lassen oder anderen beim Urinieren zusehen. Koprophile beschmieren sich mit Kot, lassen sich mit Kot beschmieren oder beschmutzen bei Sexualpraktiken benutzte Gegenstände mit dem Stuhl. Auch das Trinken des Urins zur sexuellen Erregung (Uropotie) sowie das Essen des Kotes (Koprophagie) gehören zur Exkrementophilie.

Medizinisch handelt es sich um eine selten anzutreffende Paraphilie, eine sexuelle Störung, die sich oft mit anderen Paraphilien, wie zum Beispiel sexuellem Fetischismus, überschneidet. Da die Grenzen zwischen einer sexuellen Störung und dem weiten Spektrum sexueller Varianten fließend sind, sind Ärzte und Ärztinnen inzwischen sehr vorsichtig, bei derartigen Praktiken automatisch eine Störung zu diagnostizieren.

Die Saliromanie leitet sich gewissermaßen vom Sadomasochismus ab, da es bei dieser Praktik oftmals um Demütigung und Bestrafung geht. (Bild: adragan/fotolia.com)

Sadismus und Masochismus

Marquis de Sade, von dem sich der Begriff Sadismus ableitet (obwohl er kein Sadist war), beschrieb in „Die 120 Tage von Sodom“ ausführlich das Essen von Kot und das Ablassen von Kot zur sexuellen Erregung.

Andere Menschen zum Kot essen zu zwingen ist eine Form der Demütigung und bei Folter in Gefängnissen oder beim Militär verbreitet. Unter Häftlingen und Soldaten dient dies (wie andere Formen der Demütigung) dazu, Hierarchien zu markieren.

In der SM-Szene erfolgen solche Handlungen hingegen in beiderseitigem Einverständnis. Psychologisch handelt es sich dann um eine Form des Fetischismus, in dem Fäkalien für einen Teil des Partners stehen.

Bei sadomasochistischen Praktiken, die mit Urin oder Kot verbunden sind, geht es nicht um die sexuelle Erregung durch die Substanzen, sondern um

  • Demütigung, Unterlegenheit und Hilflosigkeit in Verbindung mit Exkrementen,
  • Bestrafung,
  • den Partner zum Objekt zu reduzieren (zur Toilette),
  • Belohnung, indem der Unterlegene vom kontrollierenden Partner etwas aus dessen Körper als Geschenk erhält.

Formen der Koprophilie

Koprophile fühlen sich zum Beispiel erregt, wenn sie andere beim Stuhlgang beobachten (koprophiler Voyeurismus), wenn sie Kot sehen, ihn anfassen oder sich damit beschmieren. Eine Variante besteht darin, den Stuhlgang zu unterdrücken und am Ende den Kontrollverlust zu genießen, entweder allein oder mit Partnern.

Risiken koprophiler Praktiken

Ein Risiko besteht vor allem bei der Koprophagie. In Exkrementen befinden sich hohe Konzentrationen von Bakterien und Pilzen. Menschen, die sowieso ein schwaches Immunsystem haben, können sich leicht mit Krankheiten infizieren.

Risiken urophiler Praktiken

Frischer Urin von gesunden Menschen birgt kaum ein Risiko für die Gesundheit. Die in solchem Urin enthaltenen Bakterien lösen in der Regel keine Krankheiten aus. Eine Gefahr besteht jedoch bei gelagertem Urin, der der Luft ausgesetzt war. Dieser wird sehr schnell und massiv von Keimen besiedelt. Wer den Urin von kranken Menschen trinkt, setzt sich einem hohen Risiko aus, selbst zu erkranken.

Die Gefahr sich mit HIV zu infizieren, ist nur gegeben, wenn auch Blut bei den sexuellen Handlungen eine Rolle spielt. Zwar befindet sich das Virus auch im Blut, Speichel, Tränen und Schweiß, die Menge ist jedoch so gering, dass sie für eine Ansteckung nicht ausreicht.

Anders sieht es bei der Infektion mit Hepatitis A aus. Hier besteht eine besondere Gefahr sich durch die Aufnahme des Urins eines Fremden zu infizieren. Liegt ein Blaseninfekt vor, ist es beim Trinken von Urin wahrscheinlich, selbst zu erkranken.

Kurz gesagt: Den Urin eines kranken Menschen und den eines Menschen, der regelmäßig Medikamente einnimmt, sollten Sie nicht konsumieren. Im Zweifelsfall sprechen Sie mit ihrem Hausarzt/ihrer Hausärztin oder einem Urologen/einer Urologin.

Wie häufig ist Saliromanie?

In der Medizin gilt diese Neigung als selten. Es fehlen jedoch genaue Zahlen und Schätzungen lassen sich kaum treffen, da Sex in Verbindung mit Substanzen, die gemeinhin als „eklig“ empfunden werden, nach wir vor kaum offen diskutiert wird.

Pornographie mit Urinieren oder Kot-Spielen hat einen speziellen Markt, wobei es kaum valide Zahlen darüber gibt, wie viele Menschen solche Filme konsumieren.

Koprophilie und andere Sexualpraktiken

Exkrementophilie kann mit anderen Sexualpraktiken einhergehen und manche Menschen können es beispielsweise durchaus genießen, wenn der Partner ihnen beim Kotlassen zuschaut, aber möchten dies keinesfalls umgekehrt erleben.

Leidensdruck?

Bei fortschrittlichen Diagnosen sexueller Störungen steht der Leidensdruck der Betroffenen (und eine Gefahr für andere Menschen) im Mittelpunkt, nicht aber, ob Praktiken, die im gegenseitigen Einverständnis ablaufen, in der Gesellschaft als anstößig gelten. Exkrementophilie kann für die Betroffenen durchaus mit Leidensdruck verbunden sein. Viele möchten nicht durch deratiges Dinge erregt werden, weil sie dies vom Verstand her ablehnen, können jedoch ihre Erregung nicht unterdrücken und leiden verstärkt darunter.

Nicht selten wird der Grundstein für die Saliromanie in der Kindheit gelegt, weil Sie für das Spielen mit Schleim, Brei und Kot bestraft wurden. (Bild: nataliaderiabina/fotolia.com)

Mögliche Ursachen für Koprophilie

Eine Erklärung für die sexuelle Fixierung auf Kot ist eine zwanghafte Erziehung zur „Sauberkeit“ des Säuglings durch die wichtigsten Bezugspersonen, also vor allem die Mütter. Das Kind lehnt nicht nur dieses Verbot ab, sondern das Verbotene verankert sich im Unbewussten als Faszinosum. Betroffen sind hier vor allem Kinder, bei denen nicht nur Kot tabu war, sondern auch alle anderen Formen von „Dreck“ wie zum Beispiel Schlamm, und die bestraft wurden, wenn sie sich als Säugling mit ihrem Kot und später beim Spielen in Pfützen „dreckig“ gemacht haben.

So erkannte der Kulturtheoretiker, Schriftsteller und Doktor der Philosophie, Klaus Theweleit, in den Männerfantasien bei faschistischen Männern, die in ihrer Kindheit hart bestraft wurden, wenn sie sich mit ihrem Körper beschäftigten, eine negativ maskierte Besessenheit von allem, was mit Schleim, Brei und Kot zu tun hatte.

Wann gilt Salirophilie als pathologisch?

Das Bürgertum zu Zeiten Sigmund Freuds betrachtete alle Formen der Sexualität, die nicht dem ehelichen Beischlaf entsprachen, als „abnorm“, „krank“ oder „pervers“. Diese Prüderie und Doppelmoral (die Bürgerlichen waren die Hauptkunden in den Bordellen) unterschied dabei nicht zwischen dem „gesunden“ Spektrum sexueller Verschiedenheit (also einem Ausleben der eigenen Sexualität, was für die Entwicklung des jeweiligen Menschen richtig und wichtig ist) und sexuellen Prägungen, die für die Betroffenen mit starkem Leidensdruck verbunden sind und/oder deren Ausleben für andere Menschen eine Bedrohung darstellt.

So wurden sexuelle Präferenzen und Handlungen wie Homosexualität, Masturbation oder der Wechsel von Sexualpartnern, die eine humane Gesellschaft selbstverständlich akzeptieren muss, mit Praktiken wie Vergewaltigung oder Päderastie gleichgesetzt, die anderen Menschen schwerste und lebenslange Schäden zufügen.

Die heutige Sexualmedizin sieht Salirophilie zwar als sexuelle Störung an, aber nicht notwendigerweise als pathologisch. Als krankhaft und damit als Fall für die Therapie gilt sie erst dann, wenn der Fetisch (hier das Beschmieren mit Substanzen) sexuelle Partnerbeziehungen vollkommen verdrängt, Suchtcharakter annimmt, die Betroffenen ohne den Fetisch keine Befriedigung finden und, vor allem, wenn die Salirophilie einen Leidensdruck auslöst.

Störung oder Variante?

Eine sexuelle Variante bedeutet: „Ungewöhnliches“ Sexualverhalten, mit dem alle Beteiligten erstens einverstanden sind und zweitens psychisch mündig zu diesem Einverständnis kamen. Zudem sollten die Betroffenen sexuelle Erregung auch ohne den entsprechenden Reiz erleben können und kein Suchtverhalten zeigen. Es handelt sich in solchen Fällen nicht um eine Störung.

Leichte Formen der Salirophilie in diesem Sinne sind weit verbreitet: Sie reichen vom „dirty talk“, in dem die Betroffenen sich durch „dreckige Worte“ erregen, bis zu der Lust von Teenagern am Experiment oder dazu, sich einmal „wie Tiere“ nackt draußen im Schlamm zu vergnügen. Oft geht es schlicht darum sich sexuell auszuprobieren.

Solche leichten Formen der Salirophilie sind auch in Gesellschaften verbreitet, in denen Sexualität generell als „schmutzig“ gilt, zum Beispiel in streng katholischen. Eine Unterdrückung der Sexualität fördert hier auch schwere sexuelle Störungen sowie sexuelle Missbrauchspraktiken, wie die Sexualverbrechen katholischer Priester an Kindern belegen. In solchen sexualfeindlichen und bigotten Gesellschaften besteht oft das Verlangen nach Rebellion, Lust am Verbotenen, begrenztem Regelverstoß bzw. Tabubruch – ausgelebt in Promiskutivität, sexuellen Rollenspielen oder nach außen getragenem Fetischismus. Hier kann die Saliromanie ein teil der Rebellion sein. Kurz gesagt: Jugendliche, denen suggeriert wird, ihre erwachende Sexualität sei etwas „Schmutziges“, möchten unbedingt ausprobieren wie es ist, eine „dreckige Schlampe“ zu sein. Dazu kann auch gehören, sich mit Tomatensauce, Babybrei oder Matsch einzureiben. Was die puritanischen Autoritäten jetzt als „krank“ oder „vom Teufel besessen“ anprangern, hat mit einer Störung im Sinne der Sexualmedizin jedoch nicht einmal ansatzweise zu tun. (Dr. Utz Anhalt)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.