Zuckersucht: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Zuckersucht bedeutet, wie bei anderen Suchterkrankungen, dass die Betroffenen nicht auf ihr Suchtmittel verzichten können, obwohl sie dieses bewusst versuchen. Zucker schafft ein Wohlgefühl, jedoch entsteht eine Toleranz, wie bei anderen Süchten auch, so dass die Betroffenen immer mehr Zucker zu sich nehmen müssen, um dieses Gefühl zu erreichen.


Die wichtigsten Fakten

  • Eine regelmäßige und hohe Dosis an Zucker kann zu einer Abhängigkeit führen, da der Zucker die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn stimuliert.
  • Eine Zuckersucht führt in einen Teufelskreis, da gerade bei Depressiven das anfängliche Wohlgefühl bei einem zu hohen Blutzuckerspiegel anschließed schnell in Depressionen umschlägt.
  • Für die Höhe des Zuckerkonsums ist es gleichgültig, ob wir Honig oder Früchte zu uns nehmen oder zuckerhaltige Softdrinks trinken. Für den Körper ist Zucker Zucker.
  • Die körperlichen Symptome der Sucht sind nach wenigen Tagen eines Entzugs vorüber. Notwendig sind alternative Gewohnheiten, um den übermäßigen Zucker aus dem Leben zu verbannen.
  • Ein Übermaß an Zucker hat gravierende Langzeitfolgen. Diese reichen von einem erhöhten Krebsrisiko über Karies bis hin zu Gedächtnisschwund.
Oftmals wird unterschätzt, wie gravierend die Auswirkungen übermäßigen Zuckerkonsums sind. Um nicht in die Suchtfalle zu tappen, empfehlen wir den kontrollierten und limitierten Verzehr. (Bild: sp4764/fotolia.com)

Wer ist gefährdet?

Zucker kurbelt die Produktion von Serotonin – unserem Glückshormon – im Gehirn an. Deshalb gelten zum einen Menschen, die unter negativem Stress leiden, als auch solche Menschen, welche generell einen niedrigen Serotoninspiegel haben, als gefährdet. Frauen sind mit durchschnittlich niedrigeren Leveln an Serotonin gefährdeter als Männer. Durch die erhöhe Ausschüttung von Serotonin wirkt Zucker antidepressiv. Unter Depressionen leidende Menschen zählen ebenfalls zu den Risikogruppen, welche eine Zuckersucht entwickeln können.

Symptome einer Zuckersucht

Symptome einer Zuckersucht können sein: heimliches Naschen, das ihnen sich selbst und ihrem sozialen Umfeld gegenüber peinlich ist. Heißhunger auf zuckerhaltige Nahrungsmittel, verbunden mit Fressattacken, in denen Sie tafelweise Schokolade oder Gummibärchen in sich hineinstopfen. Schuldgefühle nach dem Verzehr.

Eine typische Folge des erhöhten Zuckerkonsums ist die Gewichtszunahme. Dabei ist Ihnen bewusst, dass Sie durch den Zucker zu viele Kalorien aufnehmen, doch Sie schaffen es dennoch nicht, die Zuckeraufnahme zu reduzieren.

Wie bei jeder Sucht ist ein wichtiges Merkmal, dass Sie sich für ihr Zuckerverhalten schämen. Zum Beispiel bestrafen Sie sich für Ihren Zuckerkonsum, indem Sie sich versprechen, „Buße zu tun“ und hierfür zum Beispiel Sport treiben. Ein weiteres Indiz ist, dass Sie zuckerhaltige Nahrungsmittel in der Wohnung verstecken, damit ihr Partner, ihre Freunde und Bekannte dies nicht mitbekommen. Zuckersucht kann auch zu Schlafstörungen und chronischer Müdigkeit führen.

Wie kommt es zur Zuckersucht?

Zucker stimuliert genau die Hormone – Serotonin und Dopamin – die auch unser körpereigenes Belohnungssystem ausschüttet (bei Dopamin gilt dies auch für Alkohol). Folglich fühlen wir uns so, als hätten wir eine schwere Aufgabe bewältigt oder engen Körperkontakt zu einem Menschen, den wir mögen, gehabt etc.. Wird unser Belohnungszentrum regelmäßig durch Zucker aktiviert, kann dies zum Verlust der Selbstkontrolle führen, was eine Abhängigkeit von der Substanz Zucker zur Folge hat.

Körperliche Auswirkungen einer Zuckersucht

Ein dauerhafter Überkonsum von Zucker führt zu schleichenden Erkrankungen. Zu viel Zucker ist oft für Karies und natürlich für die „Zuckerkrankheit“ Diabetes verantwortlich. Zudem führen Überdosen an Zucker zu einem Mangel an B-Vitaminen und lösen über Jahre hinweg eine Übersäuerung in Magen und Darm aus – die Folgen sind Sodbrennen und Probleme bei der Verdauung.

Essstörungen

Eine Zuckersucht geht oft einher mit Essstörungen wie z.B. einer Esssucht, Binge-Eating-Störung und Bulimie. Insbesondere Jugendliche gelten hier beispielsweise als besonders gefährdet, da Sie psychische Konflikte mit zuckerhaltiger Nahrung kompensieren. Bulimie und die Ess- und Brechsucht gehen mit Zuckersucht insofern oft einher, da die Zuckersüchtigen sich für die Mengen an ungesunden Zuckerkalorien schämen, welche sie sich zuführen, und das Gegessene wieder loswerden wollen, indem sie heimlich auf die Toilette laufen und sich erbrechen.
Binge-Eating, also unregelmäßige Fressanfälle, sind häufig verbunden mit dem Verschlingen von extrem kalorien- und zuckerreichen Speisen wie Sahnetorten, Schokokeksen oder zuckerhaltigem Pudding.

Essstörungen sind ein Teufelskreis. Wenn sich alles nur noch um das Essen und speziell um den Konsum von Zucker dreht, ist es Fünf vor zwölf und höchste Zeit einen Schlussstrich zu ziehen. (Bild: momius/fotolia.com)

Was hilft gegen Zuckersucht?

Zuerst einmal konsumieren die meisten Menschen in westlichen Ländern zu viel Zucker, besonders in Form von verstecktem Zucker, der in Fertigpizza ebenso enthalten ist wie in hohem Ausmaß in Ketchup, Kindermilchschnitten oder zusätzlich gesüßten Fruchtsäften sowie Softdrinks. Zuckersüchtige sollten die konsumierten Lebensmittelprodukte systematisch prüfen: Der Gehalt an Kohlenhydraten und der Zuckeranteil werden in der Nährstofftabelle angegeben.

Übrigens: Wenn bei den Lebensmittelinhaltsstoffen auf einer Verpackung Fruktose, Dextrose, Maltose, Glukose, Karamell, Honig, Melasse, Maiszucker oder Maissirup angegeben ist, handelt es sich stets um eine Form von Zucker.

Auch interessant: Der von manchen „Naturkostlern“ empfohlene Verzehr von Obst statt Industriezucker hilft Zuckersüchtigen herzlich wenig, da ein großer Apfel bereits so viel oder mehr Zucker als ein 0,3 Glas Coca-Cola enthält. Der Zuckergehalt des Obstes reduziert sich nicht dadurch, dass Früchte auch wertvolle Mineralien und Vitamine enthalten. Insbesondere Bananen enthalten viel Zucker.

Wer Probleme mit einem Überkonsum an Zucker hat, dem wird empfohlen keine stark zuckerhaltigen Produkte, wie zum Beispiel Süßigkeiten oder Süßungsmittel, im Haus zu haben.

Folgen einer Zuckersucht

Ein Übermaß an Zucker über einen langen Zeitraum hat viele negative Folgen. Die deutlichste Folge ist hierbei das Übergewicht. Der Körper wandelt raffinierten Zucker fünfmal so schnell in Fett um wie komplexe Kohlenhydrate – Zucker macht fett. Der permanente Energiekick von Zuckersüchtigen schadet darüber hinaus der Konzentration. Bei Kindern macht sich dies in Form von Hyperaktivität bemerkbar, bei Erwachsenen über gesteigerte Nervosität, gepaart mit innerer Unruhe. Dies ist insbesondere für diejenigen unter den Zuckersüchtigen fatal, die Zucker anfangs konsumierten, um Stress zu kompensieren und jetzt einem Dauerstress ausgesetzt sind.

Eine unangenehme Konsequenz des erhöhten Zuckerkonsums sind Zuckerblähungen, da die Menge an Zucker den Darm in Mitleidenschaft zieht. Neben den Blähungen sind Durchfall und Verstopfung die Folge. Die Darmflora erleidet Schaden und Erreger, wie zum Beispiel Bakterien, haben leichtes Spiel. Zucker gilt auch als gute Nährwertquelle für den Hefepilz Candida, welcher mitunter schwere Erkrankungen auslösen kann.

Wenn ein Zuckersüchtiger den Konsum von Zucker absetzt, fährt der Körper die Dopaminproduktion hoch. Neben dem starken Drang nach Süßem, sind vor allem Kopfschmerzen und eine gereizte Reaktion auf unsere Umwelt die Folge. Ein weiterer Grund, der die Zuckersucht zu einem Teufelskreis macht, ist, dass ein zu hoher Blutzuckerspiegel zu unkontrollierten Gefühlsschwankungen führt. Die Betroffenen sind nervös und leiden unter irrationalen Ängsten. Auch ein dauerhaftes Gefühl der Niedergeschlagenheit kann sich einstellen. Insbesondere für an Depressionen leidende Menschen ist der Zuckerkonsum ein Teufelskreis, da Sie versuchen ihre Depressionen durch die Zuckerzufuhr zu verdrängen. Wenn das Suchtmittel Zucker die Depressionen nun nicht lindert, sondern noch verschlimmert, steigt die Gefahr, dass die Betroffenen zu anderen Suchtmitteln wie zum Beispiel Alkohol greifen und dem Alkoholismus verfallen, immens. Auf Dauer kann sogar eine sogenannte „Zuckerdummheit“ die Folge sein, da ein hoher Blutzuckerspiegel negative Auswirkungen auf das Gehirn hat. So schnitten Menschen mit erhöhtem Zuckerverzehr bei Gedächtnistests vergleichsweise negativ ab.

Ein hoher Konsum von Zucker fördert auch Krebs, denn je mehr Zucker eine Person zu sich nimmt, desto besser können sich Tumorzellen vermehren und ausbreiten. Zusätzlich schwächt ein Übermaß an Zucker das Abwehrsystem des Körpers. Eine weitere unschöne Begleiterscheinung ist, dass Zucker in hohen Dosen das Vitamin C zerstört, was die Ausbreitung von Viren und Bakterien im eigenen Körper begünstigt.

Zuckertagebuch führen

Um einen Weg aus der Zuckersucht zu finden, ist es hilfreich, ein Zuckertagebuch zu führen, wie es auch Alkoholiker mit ihrem Alkoholkonsum tun. Die Konsumenten tragen in dieses Tagebuch täglich ein, welche zuckerhaltigen Produkte sie konsumieren, um sich im Nachgang selbst nach den jeweiligen Gründen, wie zum Beispiel „Nicht gewusst, nicht darüber nachgedacht, Wohlgefühl, Langeweile etc.“, zu fragen.

Dann listen Sie Pro und Kontra auf, was Zucker, sowohl im Positiven als auch im Negativen, für sie bedeutet. Dabei ist es unabdingbar, dass sie dabei absolut ehrlich zu sich sind. Denn wenn sie sich eingestehen, dass Sie (möglicherweise) süchtig sind, müssen Sie den Zucker nicht verteufeln, sondern offen die Gründe finden, warum Sie ihn konsumieren. So könnte auf der Pro-Seite beispielsweise „verschafft mir ein gutes Gefühl“, „schmeckt lecker“ stehen, auf der Kontra-Seite hingegen könnten Einträge wie zum Beispiel „werde zu fett“, „kann mich schlecht erinnern“, „habe Karies bekommen“ etc. aufgeführt werden.

Wie auch bei anderen Süchten können Konsumenten mit Hilfe eines solchen Tagebuchs daran arbeiten Alternativen zu finden und diese überhaupt erst zu erkennen. Wenn der Zucker beispielsweise zur Betäubung von Langeweile dient, ist ein Spaziergang im Park oder ein Besuch bei Freunden eine bessere Alternative. Verschlingen Sie Zucker, weil Sie sich einsam fühlen, so empfiehlt es sich, dass Sie Kontakt zu Mitmenschen aufnehmen, was sich beispielsweise über Interessengruppen mit Gleichgesinnten realisieren lässt. Das Internet bietet ihnen hierbei viele Möglichkeiten.

Wie bei jeder Sucht sind Sie bzw. haben Sie sich selbst auf bestimmte Verhaltensmuster konditioniert, welche Sie jedoch selbst ändern können. Trinken sSe beispielsweise täglich zwei Flaschen Cola? Wäre es nicht eine Überlegung wert, die Cola durch Cola Zero zu substituieren? Wie Sie sehen muss es nicht gleich der gesunde Bio-Kräutertee als Ersatz sein, der Sie aus der Zuckersucht führt. Oder gehören Sie zu den Personen, die jeden Tag in der Mittagspause beim Bäcker ein Stück Sahnetorte essen? Wie wäre es diese Gewohnheit durch einen Spaziergang in der Mittagspause zu ersetzen? Der wichtigste Punkt bei solchen Gewohnheitsänderungen ist das Handeln und Tun, denn unser Gehirn ist ein „Gewohnheitstier“ und merkt sich, was wir tun und löst irgendwann den Drang nach diesen Verhaltensmustern aus, da es befriedigt werden möchte.

Ein Tagebuch gibt Ihnen auch Aufschluss darüber, wie stark Sie an der Sucht erkrankt sind. Wenn es sich lediglich um Gewohnheiten handelt, welche sich in Ihren Alltag eingeschlichen haben und Sie keinerlei Entzugserscheinungen verspüren, wenn Sie diese ablegen, so hat sich ein kontrollierter Konsum als sehr hilfreich erwiesen. Hat der Verzicht jedoch ein Dröhnen in ihrem Kopf zur Folge oder sie werden unausstehlich, so sind dies Indizien für eine körperliche Sucht.

Beachten Sie, dass Zucker kein Heroin ist und die physischen Entzugserscheinungen nach wenigen Tagen vorübergehen.

Um Ihren Zuckerkonsum zu erkennen und zu reduzieren, empfiehlt es sich ein Zuckertagebuch zu führen. Hier können die konsumierten Produkte so wie das Gefühl notiert werden, die der Konsum bei Ihnen auslöst. (Bild: nenetus/fotolia.com)

Akute oder drohende Zuckersucht – Praktische Tipps

Wenn Sie den Verdacht haben, unter einer Zuckersucht zu leiden oder kurz davor zu stehen, können Sie schnell Schritte einleiten, um die Folgen zu stoppen:

Meiden Sie in jedem Fall offenen Zucker und achten Sie verstärkt auf den versteckten Zucker. Diesen finden Sie in nahezu allen Fertigprodukten als „Wohlfühler“ und Geschmacksträger. Selbst in trockenem Wein ist ein Gehalt von neun Gramm Restzucker erlaubt – das ist eine ganze Menge.

Sehr viel unauffälliger und somit noch viel gefährlich verhält es sich mit Zucker in jeglicher Form von Fast Food, da dieser einen negativen Einfluss auf unseren Zuckerpegel hat. Sie finden den Zucker in Ketchup, Mayonnaise, in den Brötchen, dem Hackfleisch der „Burger“, in „Chicken Sticks“ und in sehr vielen Gewürzen. Versteckter Zucker findet sich in nahezu allen verarbeiteten Lebensmitteln wieder, denn er löst gemeinsam mit Glutamat einen „Kick“ in unserem Gehirn aus. Die Kundschaft der Burgerketten wird förmlich in eine Abhängigkeit getrieben. Mit Ausnahme von Cola Zero oder Light findet sich so gut wie nichts zuckerfreies in einem Fast Food Restaurant, so dass Sie dortige Besuche am besten direkt im Vorfeld vermeiden. (Dr. Utz Anhalt)

Quellen

  • www.suchtmittel.de

Quellenangaben

Dieser Beitrag basiert auf den folgenden Quellen: