Abnehmen ohne anstrengende Diät oder Sport – Ein kleiner Stoffwechsel-Schalter kann jetzt helfen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Stoffliche Ursache für Übergewicht und Diabetes entdeckt

Dass zu viel Zucker und Fett ungesund sind, dick machen und mit zahlreichen Krankheiten verbunden sind, sollte eigentlich jedem bewusst sein. Stellt man sich jedoch die Frage, warum das so ist, stößt man schnell auf Fragezeichen. Welche Mechanismen führen im Körper dazu, dass wir zunehmen, wenn wir uns schlecht ernähren? Die Antwort liegt im Stoffwechsel. Ein deutsches Forschungsteam entschlüsselte die stoffliche Ursache für Übergewicht und Diabetes und konnte durch einen kleinen Eingriff diese Prozesse im Keim ersticken.


Essen, was man möchte, ohne krank zu werden und zuzunehmen – klingt nach einer Utopie. Betrachtet man jedoch die Stoffwechselprozesse, die für Gewichtszunahmen verantwortlich sind, zeigt sich, dass alles nur eine Frage der Biochemie ist. Dies zeigten Forschende des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung. Sie entschlüsselten den Stoffwechselprozess, der im Körper dazu führt, dass wir Fett ansetzen. Gleichzeitig stellt dies auch die Grundlage einer Typ 2 Diabetes dar. Durch einen kleinen Eingriff in den Stoffwechsel konnte das Team bei übergewichtigen Mäusen zeigen, dass diese trotz ungesunder und fettreicher Ernährung plötzlich abnahmen und keine Diabetes-Erkrankung entwickelten. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Cell“ veröffentlicht.

Sich fett- und zuckerreich ernähren und trotzdem schlank und gesund bleiben – geht das? Ein Forschungsteam entschlüsselte ein Stoffwechselprodukt, das maßgeblich für die ungesunden Effekte einer fettreichen Ernährung verantwortlich ist. (Bild: happy_lark/fotolia.com)

Ist fettreiche Ernährung mit gesundem Lebensstil vereinbar?

Fettleber, Diabetes, metabolisches Syndrom, Herzkrankheiten, Darmkrebs: Die Liste der schweren Krankheiten, die mit einer ungesunden Ernährung verbunden sind, ist lang. Dagegen hilft zur Zeit nur eine konsequente und langfristige Ernährungsumstellung, die Disziplin und Hintergrundwissen erfordert. Viele Menschen haben aber nicht die Zeit oder Lust sich mit dem Thema Ernährung so intensiv auseinanderzusetzen. Sie möchten essen worauf sie gerade Lust haben. Lässt sich eine zucker- und fettreiche Ernährung mit einem gesunden Lebensstil vereinbaren? Vielleicht ja, sagt das Forschungsteam der Max-Planck-Gesellschaft.

Was im Körper passiert, wenn wir zu viel Fett essen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten an Mäusen, welche Prozesse im Stoffwechsel dazu führen, dass der Körper Fett ansetzt. Aus vorherigen Untersuchungen war bereits hervorgegangen, dass das Fettgewebe überschüssige Fette nur bis zu einem gewissen Grad speichern kann. Ist dieser Punkt überschritten, lagern sich immer mehr Fettmoleküle in Muskeln und der Leber ein. Diese Einlagerungen legen den Grundstein für Fettleber und Insulinresistenz, die zu einer Typ 2 Diabetes führen.

Nicht alle Fette sind gleichermaßen an der Fettbildung beteiligt

Eine bestimmte Gruppe von Fett-Molekülen ist maßgeblich für diesen Prozess verantwortlich. Die sogenannten Ceramide sind Verbindungen, die sich an Fettsäuren anbinden. Sie werden durch Stoffwechselprozesse hergestellt, wenn wir fettreiches Essen zu uns nehmen. Dieser Vorgang wird Ceramid Synthase genannt. In früheren Studien wurde bereits versucht, diese Synthase zu verhindern. Dies führte allerdings zu erheblichen Nebenwirkungen. Die Max-Planck-Forschungsgruppe konnte die Ceramid Synthase nun genauer aufschlüsseln.

Warum macht Fett fett?

„Bei einer vollständigen Hemmung der Ceramidsynthese ist zum Beispiel auch die Entwicklung der Tiere gestört“, erläutert Dr. Philipp Hammerschmidt aus der Forschungsgruppe in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Das Team untersuchte daher, welche der unterschiedlichen Ceramid Synthasen genau an der Entstehung der Insulinresistenz beteiligt sind.

Das Team identifizierte eine bestimmte Untergruppe an Ceramiden, die sich in der Leber von übergewichtigen Mäusen anlagerten. Laut der Studie haben diese Ceramid-Moleküle immer eine bestimmte Länge und werden durch die Ceramid Synthasen 5 und 6 gebildet. In weiteren Tests unterdrückten die Forschenden gezielt nur die Bildung dieser Untergruppe. „Interessanterweise konnte aber nur die Inaktivierung der Ceramid Synthase 6 die Mäuse vor Fettleibigkeit, Fettleber, und Insulinresistenz schützen. Der Verlust der Ceramid Synthase 5 hingegen hatte darauf keinen Effekt“, resümiert Hammerschmidt.

Ceramid-Einlagerungen hemmen den Energiehaushalt

Wie die Forschenden berichten, beeinflussen die Ceramide aus der Synthase 6 die Struktur und die Funktion von Mitochondrien, also die Zellen, die für die Produktion von Energie im Körper zuständig sind. Bei einer übermäßig fett- und zuckerreichen Ernährung lagerte sich Ceramid Synthase 6 in den Mitochondrien an und hemmte langfristig ihre Funktion. In diesem Prozess sehen die Forschenden die Ursache für starkes Übergewicht und die damit verbundenen Krankheiten.

Übergewichtige Mäuse aßen sich mit fettreicher Ernährung schlank

Als das Forschungsteam gezielt die Ceramid 6 Synthase bei den Mäusen blockierte, passierte etwas erstaunliches: „Die Mäuse aßen weiterhin sehr fettreich, verloren aber an Gewicht bei gleichzeitiger Verbesserung ihres Zuckerstoffwechsels“, so Hammerschmidt. Eine solche Regulierung sei auch beim Menschen vorstellbar. Dies müsse aber erst in weiteren Studien genauer untersucht werden. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.