Arzneimittel gelangen massenhaft in die Umwelt und können nicht nur die Ökosysteme gefährden und zum Verlust der Artenvielfalt und zum Klimawandel beitragen, sondern auch eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Weltweit ist die wachsende Umweltverschmutzung durch Arzneimittel ein erhebliches Problem.
Ein spanisches Forschungsteam hat in einer aktuellen Studie die globalen Umweltauswirkungen von Arzneimittel und die hiermit verbunden Risiken für die menschliche Gesundheit dargelegt. In der Fachzeitschrift „Drug Discovery Today“ fordern sie einen Umstieg auf eine nachhaltige Pharmazie.
Arzneimittel gelangen zunehmend in die Umwelt
Arzneimittel spielen eine Schlüsselrolle in der Krankheitsprävention und -behandlung und sie sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Allerdings hat die massenhafte Nutzung auch erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt.
Weltweit ist eine wachsende Verschmutzung von Luft, Boden und Wasser durch die Medikamente und deren Rückstände festzustellen, denn zum Beispiel sind die Kläranlagen oftmals nicht darauf ausgelegt, alle Arten von Arzneimitteln zu entfernen, so dass viele davon in die Umwelt gelangen, erläutern die Forschenden.
Außerdem wird in Fachkreisen bereits seit einiger Zeit diskutiert, dass die Kläranlagen regelrechte Katalysatoren für die Entwicklung multiresistenter Erreger bilden, da hier verschiedenste Medikamente und unterschiedlichste Keime in Kontakt kommen und anschließend in die Umwelt freigesetzt werden.
Umdenken erforderlich
Die wachsende Umweltverschmutzung mit Arzneimittel und deren Rückständen erfordert laut den Fachleuten globale, transdisziplinäre Lösungen und es sei unerlässlich, das Bewusstsein aller am globalen Arzneimittelkreislauf Beteiligten hierfür zu schärfen.
Von der Entwicklung über die Produktion und den Konsum bis hin zur Entsorgung in Kläranlagen – in allen Bereichen bedürfe es Verbesserungen. „Dies betrifft die pharmazeutische, die Gesundheits- und die Veterinärbranche sowie die breite Öffentlichkeit“, erläutert das Team.
Die möglichen Umweltauswirkungen sollten nach Ansicht der Fachleute bei der Medikamentenentwicklung, aber auch bei der Verschreibung und der individuellen Nutzung stärker in den Fokus rücken. Weniger auf pharmakologische Lösungen zu setzen, sondern auch andere Ansätze zu verfolgen, sei ebenfalls eine Option.
„Manchmal kann eine Ruhepause genauso hilfreich sein wie ein bestimmtes Medikament und wir alle müssen uns engagieren und uns fragen, ob das Medikament, das wir einnehmen, Umweltauswirkungen haben könnte“, erklären die Forschenden.
Umweltverträglichkeit bei Medikamente berücksichtigen
Die Pharmaunternehmen seien ihrerseits aufgefordert, biologisch gut abbaubare Medikamente zu entwickeln, ohne die Wirksamkeit oder Sicherheit zu beeinträchtigen. Und bei der Zulassung sei die Umweltverträglichkeit stärker zu gewichten.
Eine strengere Regulierung wie beispielsweise durch die Europäische Union könne ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. „Europa macht Fortschritte bei der Regulierung und überarbeitet eine Reihe von Richtlinien zu diesem Thema“, berichtet das Team.
Um die Umweltverschmutzung durch Arzneimittel in Zukunft signifikant zu reduzieren, brauche es nicht nur eine nachhaltigen Pharmazie, sondern auch eine zurückhaltende Verwendung der Arzneimittel, die Nutzung natürlicher Alternativen und eine verbesserte Abwasserbehandlung.
Zudem sollte die pharmazeutische Umweltverschmutzung in die Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen integriert werden, betonen die Forschenden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- University of the Basque Country: A global challenge posed by the presence of pharmaceuticals in the environment (veröffentlicht 05.02.2026), eurekalert.org
- Iker Egaña, Vladimir Akhrimenko, Mirari Ayerbe, Eider Abasolo, Unax Lertxundi, Gorka Orive: Promoting sustainable pharmacy for tackling environmental pharmaceutical pollution; in: Drug Discovery Today (veröffentlicht 25.11.2025), sciencedirect.com
Wichtiger Hinweis:
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