Auch leichtes Übergewicht ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten

Mediziner widerlegen das sogenannte Adipositas-Paradoxon

Es gab in letzter Zeit vermehrt widersprüchliche Aussagen darüber, ob leichtes Übergewicht vielleicht doch gesund für Menschen sein kann. Forscher fanden jetzt heraus, dass es unmöglich ist, dick und fit zu sein. Mit anderen Worten: Übergewicht ist immer ungesund und fördert Herzinfarkte, Schlaganfälle und Bluthochdruck.

  • Experten widerlegen das Adipositas-Paradoxon.
  • Bereits leichtes Übergewicht kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
  • Dicke sportliche Menschen haben trotzdem ein erhöhtes Risiko.
  • Das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben erhöht sich mit dem Gewicht.
  • Schlanke Menschen sind besser vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt.
  • Sogenanntes Bauchfett ist besonders gefährlich für die Gesundheit.
  • Übergewicht erhöht auch das Risiko für Bluthochdruck und Typ-2 Diabetes.

Die Wissenschaftler der University of Glasgow stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass leichtes Übergewicht keinesfalls gesund ist und zu verschiedenen ernsthaften Erkrankungen führen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „European Heart Journal“.

Die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen in Deutschland steigt. Mit dem Übergewicht erhöht sich auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (Bild: MartesiaBezuidenhout/fotolia.com)

Was ist der BMI?

Die Forscher versuchten bei ihrer Untersuchung herauszufinden, wie sich das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Bluthochdruck verändert, wenn der Body Mass Index (BMI) leicht erhöht ist. Dabei konnten die Experten feststellen, dass sich das Risiko bereits erhöhte, wenn der BMI über 23 anstieg. Eigentlich wird ein BMI zwischen 18,5 und 25 als normal und gesund eingestuft. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beginnt Übergewicht erst ab einem BMI von 25 und Fettleibigkeit ab einem BMI von 30. Der sogenannte BMI bezieht sich auf das Verhältnis von Größe zu Gewicht.

Was ist das Adipositas-Paradoxon?

Die Ergebnisse stellen die lang gehegte Überzeugung in Frage, dass es möglich ist, dick zu sein und trotzdem nicht unter einem erhöhten Risiko für den Tod durch Herzkrankheiten zu leiden, welche in Deutschland mit Abstand die häufigste Todesursache sind. Übergewicht oder sogar Adipositas muss keine Auswirkungen auf das Risiko von Todesfällen durch kardiovaskuläre Erkrankungen haben, wenn die Menschen ein angemessenes Fitnessniveau beibehalten, so die bisherige Annahme. Diese Aussage ist auch als das Adipositas-Paradoxon bekannt.

Knapp 300.000 Probanden wurden untersucht

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler fast 300.000 Menschen. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie 40 bis 69 Jahre alt und körperlich gesund. Bei der Auswertung der Daten berücksichtigten die Mediziner auch andere Einflussfaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben umso größer ist, je mehr Fett eine Person um die Hüfte trägt. Das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle steigt bei Frauen für jede Zunahme des Taillenumfangs von 12,6 cm um 16 Prozent. Bei Männern erhöht sich dieses Risiko um 10 Prozent für jede Zunahme des Taillenumfangs von 11,4 cm. Das geringste Risiko für Herz-Kreislaufprobleme haben Frauen mit einem Taillenumfang von 74 Zentimetern und Männer mit 83 Zentimetern Taillenumfang.

Ein Anstieg des BMI um 5,2 Punkte führte seinerseits bei Frauen zu einem um 13 Prozent erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Bei Männer bewirkt bereits eine Erhöhung des BMI von 4,3 Punkten einen vergleichbaren Anstieg des Risikos. Jedes öffentliche Missverständnis einer möglichen protektiven Wirkung von Fett auf das Risiko für Schlaganfall und Herzerkrankungen sollte somit in Frage gestellt werden, erklärt die Studienautorin Dr. Stamatina Iliodromiti.

Übergewicht beginnt häufig schon in der Kindheit, meist durch eine falsche Ernährung. (Bild: kwanchaichaiudom/fotolia.com)

Bauchfett ist ein besonders starker Risikofaktor

Durch die Beibehaltung eines BMI von etwa 22 bis 23 können gesunde Menschen ihr Risiko minimieren, an Herzkrankheiten zu erkranken oder zu daran zu versterben, erläutern die Experten. Je weniger Fett Menschen insbesondere um ihren Bauch haben, desto geringer sei das Risiko einer zukünftigen Herzerkrankung. Bauchfett bilde eineb besonders starken Risikofaktor, weil es im Gegensatz zu Fettpolstern direkt unter der Haut zur erhöhten Freisetzung von Botenstoffen führt, welche Entzündungen fördern, die dann die Schädigung von Blutgefäßen bewirken. Egal welcher BMI vorliegt, wenn übergewichtige und fettleibige Menschen einige Kilogramm abnehmen, wird dies die Gesundheit der Betroffenen verbessern, erläutern die Mediziner.

Weitere gesundheitliche Auswirkungen von Übergewicht

Es entstehen keine Nachteile, wenn übergewichtige Menschen durch Sport, Diät oder Nahrungsumstellung an Gewicht abnehmen. Betroffene müssen daher besser unterstützt werden, wenn sie abnehmen möchten, betonen die Forscher. Die aktuellen Studienergebnisse könnten ihrer Ansicht nach in Zukunft Auswirkungen auf Leitlinien für die Prävention und das Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Übergewicht wirke sich allerdings nicht nur auf das Herz-Kreislaufsystem aus, sondern erhöhe außerdem auch das Risiko für Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen, wie beispielsweise Typ-2 Diabetes.

Übergewicht erschwert es Betroffenen Personen zusätzlich sich ausreichend zu bewegen. Natürlich sind die Ursachen für eine Gewichtszunahme bei Betroffenen verschieden. Trotzdem gilt: Je schlanker die Person ist, desto geringer ist das Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung. Dies sollte der Öffentlichkeit auch klar gemacht werden. Wenn Menschen möglichst gesund sein möchten, sollten sie auch auf eine schlanke Figur achten, um so ihr Erkrankungsrisiko zu minimieren. (as)