Auffälliger Anstieg von Krätze: Neue resistente Form?

3D Darstellung einer Milbe

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Warum breitet sich die Krätze in Deutschland aus?

Wenn die Haut brennt, juckt und stellenweise mit stecknadelgroßen Bläschen, geröteten Knötchen oder Pusteln übersät ist, könnten die Skabiesmilben ihr Unwesen treiben. Die winzig kleinen Spinnentiere nisten sich besonders gerne zwischen den Fingern und Zehen, am Handgelenk, Knöchel, unter den Achseln, am Ellenbogen, an den Brustwarzen und an den Genitalien ein. Ein Hautexperte berichtet über den auffallenden Anstieg der Krätze in den letzten Jahren in Deutschland.


Professor Dr. Cord Sunderkötter ist der Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Halle. Zur 50. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), die kürzlich in Berlin stattfand, informierte der Experte über mögliche Gründe für den Anstieg der Krätze (Skabies). Fachleute vermuten, dass eine arzneimittelresistente Form hinter den vermehrten Krankheitsfällen steckt.

Die Skabiesmilben sind kaum mit dem bloßem Auge zu erkennen. Die Symptome treten in der Regel erst vier bis sechs Wochen nach der Infektion auf, wenn das Immunsystem auf die Eier und den Kot der Milben reagiert. (Bild: Sebastian Kaulitzki/fotolia.com)

Rätselhafter Anstieg von Krätze-Fällen

Wie die Fachleute der DDG berichten, wurde in den letzten Jahren auffallend häufig die Diagnose Skabies gestellt. Da es sich bei der Krätze aber nicht um eine meldepflichtige Krankheit handelt, gebe es keine zuverlässigen Daten darüber, wie stark der Anstieg tatsächlich ist. Nach Angaben der Experten findet die Skabiesmilbe insbesondere dort gute Voraussetzungen, wo mangelnde Hygiene vorherrscht und viele Menschen auf engem Raum zusammenleben. Solche Verhältnisse trifft man in Deutschland allerdings nur selten an. Wie erklärt sich dann die Ausbreitung der Parasiten?

Risikogruppe: Menschen mit wechselnden Geschlechtspartnern

„Eine Expertengruppe hat mögliche Ursachen herausgearbeitet, bewiesen ist bislang keine davon“, erklärt die DDG. Ein Risikofaktor für die Übertragung sei beispielsweise häufiger Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern (Promiskuität). Da die Hautexpertinnen und Hautexperten der DDG eine wieder ansteigende Zahl von sexuellen Krankheiten verzeichnen konnten, könnte dies auch einen Einfluss auf die Verbreitung der Krätze haben.

Kinder als unterschätzte Infektionsquelle

„Außerdem sind Kinder eine unterschätzte Infektionsquelle“, betonen die DDG-Fachleute. Bei Kindern werde die Krankheit tendenziell häufiger diagnostiziert als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Zusätzlich weisen sie oft mehr Milben auf und werden dahingehend nicht selten unzureichend behandelt. Darüber hinaus suchen Kinder intensiveren Körperkontakt, wodurch sich die Skabiesmilben leichter weiterverbreiten können. „Um solche kausalen Beziehungen zu verifizieren sind allerdings aufwendige epidemiologische Studien notwendig“, erläutert Professor Dr. Sünderkötter in einer Pressemitteilung der DDG.

Experten vermuten eine Resistenz gegen Arzneimittel

Die Hautfachleute konnten jedoch nicht nur einen Anstieg der Krankheitsfälle beobachten, es zeigten sich auch immer mehr Fälle, bei denen die Arzneimittel zur Behandlung der Krätze, die sogenannten Antiskabiosa, versagten. Die wachsende Unempfindlichkeit der Milbe gegenüber dem Antiskabiosum wurde auch in anderen Regionen der Welt beobachtet. So berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in einem FAQ zur Skabies von zwei australischen Patienten mit Krätze, die mehrere Dutzend Male erfolglos mit dem Wirkstoff behandelt worden waren. Gewöhnlich seien aber nur eine oder maximal zwei Anwendungen erforderlich, um die Milben abzutöten.

Jede zehnte Therapie gegen Krätze bleibt erfolglos

Professor Dr. Sünderkötter sieht drei mögliche Erklärungen für die fehlenden Therapieerfolge. Zum einen könnte eine fehlerhafte Anwendung des Medikaments vorliegen, zum anderen könnten sich die Betroffenen nach der Behandlung erneut infiziert haben, da keine Therapie bei engen Kontaktpersonen stattfand. Auch eine zunehmende Resistenz gegen Antiskabiosa sei eine mögliche Ursache. Hierfür gebe es aber bislang keine Belege. Nach Angaben des RKI versagt derzeit durchschnittlich eine von zehn Therapien gegen Krätze. (vb)