Augenleiden: Neues Verfahren bei der Operation von Grauem Star

Grauer Star: Forscher entwickeln neues Verfahren bei der Katarakt-Operation

Gesundheitsexperten zufolge ist die Augenerkrankung „Grauer Star“ weltweit der häufigste Grund für Sehbehinderung und Erblindung. Vielen Betroffenen kann eine Operation helfen. Deutsche Forscher entwickeln nun ein präzises und kostengünstiges Verfahren, mit Vorteilen gegenüber den herkömmlichen Operationstechniken.


Eine der häufigsten Augenerkrankungen in Deutschland

Erst kürzlich wurde berichtet, dass die Zahl der Augenerkrankungen aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahren massiv zunehmen wird. Eine der häufigsten Augenkrankheiten ist der sogenannte Graue Star (Katarakt). Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 650.000 Operationen des Grauen Stars durchgeführt. Weltweit sind es jährlich rund 14 Millionen OPs. Deutsche Forscher entwickeln nun ein neues Verfahren bei der Katarakt-Operation.

In Deutschland werden jährlich rund 650.000 Operationen des Grauen Stars durchgeführt. Forscher entwickeln nun ein neues Verfahren, mit Vorteilen gegenüber den herkömmlichen Operationstechniken. (Bild: Henrik Dolle/fotolia.com)

Mit dem Alter steigt das Risiko

Nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) – Gesellschaft für Augenheilkunde zählt der Graue Star mit knapp zehn Millionen Betroffenen zu den besonders verbreiteten Augenleiden in Deutschland.

Im Verlauf der Erkrankung lässt das Sehvermögen nach, die Farben und Kontraste verschwimmen immer mehr. Mit dem Alter steigt das Risiko für einen Grauen Star.

Zudem ist bekannt, dass Faktoren wie Rauchen, Alkohol und Übergewicht einen Einfluss auf das Risiko, an einem Grauen Star zu erkranken, haben.

Eine medikamentöse Therapie gibt es nicht. Viele Betroffene werden operiert.

Forscher des Instituts für Angewandte Optik und Elektronik der Technischen Hochschule (TH) Köln entwickeln nun zusammen mit den AZ Augenchirurgischen Zentren AG (AZ-AG) Köln ein präzises und kostengünstiges Verfahren, mit Vorteilen gegenüber den herkömmlichen Operationstechniken.

Einsatz einer künstlichen Linse

Wie in einer Mitteilung der TH Köln erklärt wird, gibt es derzeit zwei Vorgehensweisen, um bei der sogenannten Kataraktoperation die Linsenkapsel kreisrund zu öffnen:

Bei der herkömmlichen Phakoemulsifikation schneidet der operierende Arzt manuell eine kreisrunde Öffnung, durch die er anschließend die Linse manuell über Ultraschall zerstört.

Alternativ kommt ein Femtosekundenlaser zum Einsatz, welcher die Öffnung der Vorderkapsel und die Fragmentierung der Linse übernimmt.

Der anschließende Einsatz einer künstlichen Linse erfolgt in beiden Fällen manuell durch den Operateur.

Den Angaben zufolge ermöglicht der Lasereinsatz gegenüber der manuellen Technik eine präzisere Schnittführung. Nachteile sind jedoch die längere Operationsdauer sowie die hohen Kosten:

Rund 400.000 Euro kostet das Lasergerät, bei jeder OP entstehen laufende Kosten von rund 500 Euro durch Verbrauchsmaterialien.

Deutlich weniger Kosten

Das neue Verfahren der Kooperationspartner aus Köln ersetzt den Einsatz des Femtosekundenlasers durch ein mechanisches Operationswerkzeug. Es schneidet die kreisrunde Kapsulotomieöffnung durch eine Rotation mit wenigen Umdrehungen kontrolliert ein.

Angetrieben wird das Schneidewerkzeug über ein externes Magnetfeld – die Krafteinbringung ist berührungsfrei. Das ein Millimeter hohe und mit einem Durchmesser von fünf Millimetern versehene Schneidewerkzeug ist aus Stahl, der mit einer speziellen Legierung angefertigt wird.

„Derzeit führen wir noch Funktionstests durch, ob die Präzision vergleichbar ist zu der eines Lasers“, erklärt Prof. Dr. Uwe Oberheide, Experte für Optische Technologien und Biomedizinische Optik, der zusammen mit Dipl.-Ing. Marian Jacobs das Werkzeug an der TH Köln entwickelt hat.

„Denn der komplette Vorgang wird zwar manuell durch den Operateur ausgeführt, allerdings ist unsere Technik unabhängig vom Geschick des Operateurs, da durch das Instrument der Durchmesser festgelegt und der Arbeitsschritt damit quasi automatisiert ist“, so der Experte.

Der klinische Input erfolgt dabei durch die AZ-AG.

Den Angaben zufolge wird das Gerät voraussichtlich nur ein Fünftel des Anschaffungspreises eines Femtosekundenlasers kosten. Auch die laufenden Verbrauchskosten würden geringer ausfallen.

Ein weiterer Vorteil sei, dass die komplette OP unter dem Mikroskop stattfinden kann und die Patienten nicht zum Lasergerät bewegt werden müssen. (ad)