Zahl der Augenerkrankungen steigt bis 2030 um bis zu 30 Prozent

Alfred Domke

Katarakt, Glaukom und Co: Zahl der Augenkrankheiten wird drastisch steigen

Gesundheitsexperten zufolge wird die Zahl der Augenkrankheiten in Deutschland allein durch den demografischen Wandel voraussichtlich bis 2030 um bis zu 30 Prozent ansteigen. In vielen Fällen kann den Erkrankungen vorgebeugt werden.


Immer mehr Patienten mit Augenkrankheiten

Augenerkrankungen gehören zu den Hauptursachen für Sehkraftverlust. Da sie vor allem im Alter zunehmen, wird die Zahl der Augenkrankheiten allein durch den demografischen Wandel in Deutschland voraussichtlich um bis zu 30 Prozent ansteigen. Viele Erkrankungen könnten durch frühzeitige Erkennung und Therapie effektiv behandelt werden. Experten zufolge ist dafür jedoch eine bessere augenärztliche Versorgung von Senioren nötig.

Allein durch den demografischen Wandel wird in Deutschland voraussichtlich bis 2030 die Zahl der Augenerkrankungen um bis zu 30 Prozent ansteigen. Durch eine bessere augenärztliche Versorgung von Senioren könnte vielen Erkrankungen vorgebeugt werden. (Bild: stefan_weis/fotolia.com)

Schlechter Zugang zu augenärztlicher Versorgung

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) verweist in einer aktuellen Mitteilung auf die Ergebnisse einer Studie, die zeigt, dass Menschen in Altenheimen häufig einen eher schlechten Zugang zur augenärztlichen Versorgung haben.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft hat sich für ihre OVIS-Studie 2016 die Daten aus 35 Altenwohneinrichtungen angeschaut und festgestellt, dass rund 40 Prozent der älteren Leute in den Einrichtungen in den vergangenen Jahren nie einen Augenarzt besucht haben – einige waren sogar Zeit ihres Lebens noch nie dort.

Deshalb erstaunt es nicht, dass Patienten mit, wie sich herausstellte, teilweise akutem Behandlungsbedarf nicht einmal selbst von ihrem eigenen Problem wussten.

Verschiedene Augenerkrankungen

Zu den typischen Augenerkrankungen des Alters zählen unter anderem die Katarakt, also die Eintrübung der Linse. Diese macht sich häufig durch das Sehen „wie durch einen Schleier“ bemerkbar.

Die Katarakt (auch Grauer Star genannt) ist altersabhängig: „So wie die Haare grau werden, wird auch die Linse trüb“, erklärte Raphael Diener, Assistenzarzt an der Augenklinik des UKM.

Bekannt ist zudem, dass Faktoren wie Rauchen, Alkohol und Übergewicht einen Einfluss auf das Risiko, an einem Grauen Star zu erkranken, haben.

Zu den weiteren Alterserkrankungen der Augen zählen die Makula-Degeneration als Erkrankung des scharfen Sehens sowie die Erkrankungen des peripheren Sehens und Einschränkungen des Gesichtsfeldes.

Hier wäre typischerweise das Glaukom (Grüner Star) zu nennen, bei dem es sich um eine Erkrankung des Sehnervs handelt.

Außerdem sollten Patienten, bei denen ein Diabetes mellitus bekannt ist, augenärztlich überwacht werden, um beispielsweise die diabetische Retinopathie, eine Netzhauterkrankung, zu erkennen und zu behandeln.

Bessere Aufklärung für Senioren

„Angesichts der Vielzahl von Augenerkrankungen, die Menschen im fortgeschrittenen Alter betreffen können, ist die Erkenntnis, dass gerade ältere Menschen unterdurchschnittlich augenärztlich betreut werden, keine gute Entwicklung“, sagte Prof. Nicole Eter, Direktorin der Augenklinik am UKM.

„Deswegen gehen wir in diesem Jahr anlässlich der Woche des Sehens zu den Menschen in die Wohneinrichtungen, um aufzuklären.“

Worauf müssen sich aber gerade ältere Patienten einstellen? Generell kann man natürlich auch schon in jüngeren Jahren von Augenerkrankungen betroffen sein. Trotzdem sollten ältere Menschen ab 60 aufwärts ihr Augenmerk auf die eigene Sehkraft richten.

„Falls sie plötzlich schlechter sehen oder sogar verzerrt, steckt meist eine Erkrankung dahinter. Manchmal kann der Augenarzt schon helfen, indem er eine (schärfere) Brille verordnet. Manchmal ist allerdings eine OP nötig. Aber auch von einem operativen Eingriff kann man in jedem Alter mit Blick auf die Lebensqualität profitieren“, so Diener. (ad)