Bisher unbekannte Tropen-Pilze Quelle wichtiger Wirkstoffe

Neue Wirkstoffe gegen Fadenwürmer und Keime in Tropen-Pilzen entdeckt

Penicillin ist noch heute eines der bekanntesten Antibiotika und entdeckt wurde der Wirkstoff vor über hundert Jahren in Pilzen, die ihn auf natürliche Weise bilden. Seither gelten Pilze in der Wirkstoffforschung als natürliche Quelle für antimikrobielle Substanzen. In einer aktuellen Studie hat ein internationales Forschungsteam nun nach neuen Wirkstoffen in bislang unbekannten Tropen-Pilzen gesucht – mit Erfolg!


Die pilzliche Vielfalt in tropischen Regionen verspricht laut Aussage der Wissenschaftler eine Fülle neuer chemischer Stoffe mit antibiotischer Aktivität, doch ist sie bislang nur wenig erforscht. Die internationale Forschungsgruppe um Prof. Marc Stadler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) hat nun in Pilzproben aus dem Regenwald von Thailand neue natürliche Substanzen mit Wirkung gegen Bakterien und Fadenwürmer entdeckt. Die Ergebnisse der Wissenschaftler wurden in dem Fachmagazin „MycoKeys“ veröffentlicht.

Wissenschaftler haben neue antimikrobielle und nematizide Wirkstoffe aus einem bislang unbekannten Tropen-Pilz isoliert. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Tropische Pilze als Wirkstoff-Lieferanten

Pilze spielen bei der Suche nach neuen Wirkstoffen eine entscheidende Rolle und ihr reicher Fundus an Stoffwechselprodukten mit selektiver biologischer Aktivität eignet sich gut für die Entwicklung neuer Medikamente, so die Mitteilung des HZI. Insbesondere die sogenannte Mykobiota tropischer Länder habe hier hohes Potenzial. Aus den Pilzen in einem Habitat mit großer, noch wenig erschlossener Biodiversität, könnten Heilmittel für unterschiedlichste Beschwerden gewonnen werden. So wurden laut Aussage der Forscher in den vergangenen Jahren bereits viele neue Wirkstoffe mit antimikrobieller, zytotoxischer und antioxidativer Wirkung aus tropischen Pilzen isoliert.

Pilze aus dem thailändischen Regenwald untersucht

Schon im Jahr 2015 hatte die internationale Forschungsgruppe um Prof. Stadler, Leiter der HZI-Abteilung „Mikrobielle Wirkstoffe“ und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), im Regenwald von Thailand Pilzproben gesammelt, die anschließend im Labor untersucht wurden. Hierfür wurden die einzelnen Pilzstämme isoliert und zunächst über Sequenzierungen – sogenanntes genetisches Barcoding – charakterisiert. Bereits bekannte Gattungen wurden aussortiert und die isolierten Stämme morphologisch und phylogenetisch analysiert.

Neue Pilzgattung identifiziert

So stießen die Wissenschaftler auf eine neue Pilzgattung aus der bisher weitgehend unbekannten Welt der Pilze. Diese Gattung war durch antagonistische Reaktionen aufgefallen und aus ihr konnten acht Naturstoffe mit antibiotischen und nematiziden Wirkungen (tödliche Wirkung auf Nematoden bzw. Fadenwürmer) extrahiert und identifiziert werden, berichtet das HZI. Sechs dieser Wirkstoffe seien der Wissenschaft zuvor nicht bekannt gewesen. Der neue Pilz erhielt den Namen Pseudobambusicola thailandica.

Noch 30 weitere Pilzstämme in Untersuchung

Zwar ist die biologische Aktivität der entdeckten Stoffe laut Angaben der Forscher nur moderat, weshalb sie nicht für die Medikamentenentwicklung in Frage kommen. Allerdings werde derzeit noch untersucht, ob sich der neue Pilz zur biologischen Bekämpfung von pathogenen Nematoden und Pilzen in der Landwirtschaft eignen könnte. Zudem mache das Projekt nur einen kleinen Schritt in der Wirkstoffforschung an Pilzen aus und noch rund 30 weitere Pilzstämme befinden sich derzeit in der Analyse, so Clara Chepkirui, Doktorandin in Prof. Stadlers Team.

„Wir suchen neue Arten und Gattungen von Pilzen, die sich für die Anwendung als biologische Schädlingsbekämpfungsmittel oder als Produzenten von neuen Wirkstoffen eignen“, fast Professor Stadler das Ziele des von der EU geförderten „GoMyTri“-Forschungsprojekts zusammen. An dem aktuellen interdisziplinären Projekt waren junge Chemiker, Biologen und Ingenieure aus Ägypten, China, Kolumbien, Kamerun, Kroatien, Kenia, Thailand, den Philippinen, den Niederlanden und Deutschland beteiligt, berichtet das HZI. (fp)