Bluthochdruck in der Nacht ist deutlich gefährlicher

Alfred Domke

Blutdrucksenker vor dem Schlafengehen können Herz-Kreislauf-Risiken mindern

In einer Studie spanischer Forscher hat sich gezeigt, dass hohe Blutdruckwerte nachts das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch stärker steigern als die gleichen Werte tagsüber. Durch die Einnahme von Blutdrucksenkern vor dem Schlafengehen kann diese Gefahr deutlich verringert werden.


Risikofaktor für gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Hypertonie gilt vor allem in der westlichen Welt als Volkskrankheit. Hierzulande sind laut der Deutschen Hochdruckliga (DHL) etwa 20 bis 30 Millionen Menschen davon betroffen. Ein zu hoher Blutdruck ist ein bedeutender Risikofaktor für gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Um den Blutdruck zu senken reicht es oft aus, sich gesünder zu ernähren und mehr zu bewegen. Doch bei manchen Patienten muss Bluthochdruck mit Medikamenten behandelt werden. Forscher berichten nun, dass die Einnahme von Blutdrucksenkern vor dem Schlafengehen das kardiovaskuläre Risiko effektiver reduzieren kann.

In einer Studie hat sich gezeigt, dass Bluthochdruck nachts am gefährlichsten ist. Forschern zufolge kann es daher bei bestimmten Patienten ratsam sein, Blutdrucksenker vor dem Schlafengehen einzunehmen. (Bild: leszekglasner/fotolia.com)

Blutdruck während des Schlafs messen

Auch wenn weltweit hunderte Millionen Menschen mit Bluthochdruck leben, wissen wohl die wenigsten, wie ihre Blutdruckwerte im Schlaf sind.

Bei manchen Patienten werden jedoch Blutdruckmessungen in der nächtlichen Ruhepause während 24- oder 48-Stunden-Messungen mit ambulanten Systemen erfasst.

Auch spanische Wissenschaftler haben dies nun im Rahmen einer Studie mit über 18.000 Teilnehmern gemacht und festgestellt, dass nächtlicher Bluthochdruck besonders gefährlich ist.

Daten von über 18.000 Personen ausgewertet

Für die Studie, die im Fachmagazin „European Heart Journal“ veröffentlicht wurde, haben die Forscher um Ramón Hermida von der Universität Vigo (Spanien) Daten von 18.078 Personen ausgewertet.

15.674 der Probanden litten an Hypertonie. Bei fast zwei Dritteln dieser Patienten (9.709 Personen) war der Bluthochdruck bislang nicht behandelt worden.

Im Rahmen der Studie wurde der Blutdruck dieser Teilnehmer mit Medikamenten gesenkt. Dabei wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt.

Eine Gruppe nahm die Blutdrucksenker nur tagsüber ein, die andere sollte zumindest ein Präparat abends kurz vor dem Schlafengehen zu sich nehmen.

Bei sämtlichen Patienten wurde der Blutdruck zu Beginn der Studie sowie bei allen Nachuntersuchungen, die mindestens einmal jährlich stattfanden, mehrmals gemessen.

Des Weiteren wurde der Verlauf des Blutdrucks von allen Probanden nach jeder Konsultation mit einem ambulanten Blutdruckmesssystem über einen Zeitraum von 48 Stunden aufgezeichnet. Diese nahm alle 20-30 Minuten eine Messung vor.

Darüber hinaus wurden während des Studienzeitraums alle kardiovaskulären Ereignisse dokumentiert.

Erhöhtes Risiko bei nächtlichem Bluthochdruck

Laut den Wissenschaftlern kam es im Studienzeitraum (der mediane Beobachtungszeitraum lag bei fünf Jahren) bei 2.311 Personen (12,8 Prozent der Teilnehmer) zu einem kardiovaskulären Ereignis.

In 1.209 Fällen hatte das Ereignis schwerwiegende Folgen wie Herztod, Herzinsuffizienz, Infarkt, Herzversagen oder Schlaganfall.

Den Angaben zufolge waren von den schwerwiegenden Ereignissen insbesondere ältere Patienten männlichen Geschlechts betroffen, die an mehreren Krankheiten litten.

Wie erwartet, zeigte sich auch ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses und einem erhöhten systolischen Blutdruck.

Patienten, die bei der Erstuntersuchung einen systolischen Blutdruck von ≥ 135 mmHg aufwiesen hatten demnach ein um 34 Prozent erhöhtes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis.

Bei Probanden mit einem nächtlichen systolischen Blutdruck > 120 mmHg stieg das Risiko sogar um 62 Prozent.

Studienteilnehmer ohne kardiovaskuläre Probleme wiesen hingegen einen um im Durchschnitt etwa neun mmHg niedrigeren systolischen Blutdruck im Schlaf auf, als Patienten, bei denen es zu kardiovaskulären Ereignissen kam.

Blutdrucksenker gegebenenfalls abends einnehmen

In der Studie wurde also bestätigt, dass Hypertonie im Schlaf mit einem deutlich erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden ist.

Zudem zeigte sich auch, dass die Einnahme eines Blutdrucksenkers abends dieses Risiko für die Patienten um mehr als die Hälfte verringern konnte.

Die Autoren empfehlen daher bei Bluthochdruck-Patienten auch die Blutdruckwerte im Schlaf zu ermitteln, beispielsweise über 48 oder 24 Stunden-Blutdruckmessungen.

Wird dabei ein erhöhter Blutdruck nachts festgestellt, sollte mindestens ein Blutdrucksenker erst abends eingenommen werden. (ad)