Bluthochdruck: Nächtliches Urinieren kann auf zu hohen Blutdruck hinweisen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Neue Studie: Nächtliches Pinkeln deutet auf hohen Blutdruck hin

In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass nächtliches Urinieren ein Hinweis auf Bluthochdruck sein kann. Je öfter man nachts zur Toilette muss, desto höher ist demnach die Wahrscheinlichkeit für Hypertonie.


Risikofaktor Nummer Eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Gesundheitsexperten zufolge leiden weltweit über eine Milliarde Menschen an Hypertonie. Doch viele wissen nichts von ihrem Bluthochdruck. Das kann gefährlich werden: Unbehandelter Bluthochdruck zählt zu den größten Gesundheitsrisiken in der westlichen Welt. Er ist Risikofaktor Nummer Eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit für viele Todesfälle durch Herzinfarkt oder Schlaganfall verantwortlich. Es kann also lebensrettend sein, die Anzeichen für Bluthochdruck zu kennen. Eines davon ist häufiges Wasserlassen in der Nacht. Das haben japanische Wissenschaftler nun herausgefunden.

Häufiges nächtliches Wasserlassen kann ein Hinweis auf Bluthochdruck sein. Das haben japanische Forscher nun herausgefunden. (Bild: Voyagerix/fotolia.com)

Hinweis auf hohen Blutdruck

Die Nykturie (vermehrtes, nächtliches Wasserlassen) kann ein Anzeichen für hohen Blutdruck sein.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die vor kurzem auf der wissenschaftlichen Tagung der Japanese Circulation Society (JCS 2019) in Yokohama vorgestellt wurde, berichtet die European Society of Cardiology (ESC) in einer Mitteilung.

„Unsere Studie zeigt, dass, wenn Sie nachts urinieren müssen – als Nykturie bezeichnet – Sie möglicherweise erhöhten Blutdruck und / oder Flüssigkeitsüberschuss in Ihrem Körper haben“, sagte der Studienautor Dr. Satoshi Konno vom Tohoku Rosai Hospital, Sendai, Japan.

„Wenn Sie an Nykturie leiden, bitten Sie Ihren Arzt, Ihren Blutdruck und Ihre Salzzufuhr zu überprüfen.“

Japaner essen mehr Salz

Frühere Untersuchungen aus Japan haben gezeigt, dass eine hohe Salzaufnahme mit Nykturie einhergeht, beziehungsweise dass nächtliches Wasserlassen durch verringerten Salzverzehr vermeidbar ist.

Laut der ESC-Mitteilung essen die Menschen in Japan im Vergleich zu westlichen Ländern mehr Salz und sind eher salzempfindlich, was bedeutet, dass ihr Blutdruck mit Salzkonsum stärker ansteigt.

Zusammengenommen bedeuten diese beiden Faktoren, dass die Menschen in Japan ein höheres Risiko haben, hohen Blutdruck zu entwickeln.

Zusammenhang zwischen Nykturie und Bluthochdruck untersucht

Die aktuelle Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Nykturie und Bluthochdruck in der japanischen Bevölkerung.

Die Forscher werteten dafür Daten von 3.749 Einwohnern der japanischen Stadt Watari aus, bei denen 2017 ein Gesundheitscheck durchgeführt wurde.

Bei den Studienteilnehmern wurde der Blutdruck gemessen. Zudem sollten sie per Fragebogen Auskunft über ihr nächtliches Pinkeln geben.

Teilnehmer mit einem Blutdruck von 140/90 mmHg oder höher oder verschriebenen blutdrucksenkenden Medikamenten wurden als hypertensiv eingestuft.

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Kein ursächlicher Zusammenhang belegt

Die Wissenschaftler stellten fest: Nykturie (ein oder mehrere Nykturie-Ereignisse pro Nacht) war nach Kontrolle auf mögliche Störfaktoren signifikant mit Hypertonie assoziiert.

Das Risiko für Bluthochdruck stieg signifikant an, da die Anzahl der Nykturie-Ereignisse pro Nacht anstieg.

„Wir fanden heraus, dass das Aufstehen in der Nacht zum Wasserlassen mit einer um 40 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck verbunden war“, so Dr. Konno. „Und je mehr Toilettenbesuche, desto höher ist das Risiko für Bluthochdruck.“

Von den 1.882 Studienteilnehmern, die den Fragebogen beantworteten, hatten 1.295 (69 Prozent) Nykturie.

Dr. Konno erklärte aber dass die Ergebnisse keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Nykturie und Hypertonie belegen und sich möglicherweise nicht auf Bevölkerungen außerhalb Japans beziehen.

„Die Beziehung kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, darunter Lebensstil, Salzkonsum, ethnische Zugehörigkeit und genetischer Hintergrund“, sagte der Studienautor.

Herzerkrankungen vorbeugen

„Hypertonie ist eine nationale Krankheit in Japan. Die durchschnittliche Salzaufnahme in Japan beträgt etwa 10 g / Tag, was mehr als das Doppelte der weltweiten Salzaufnahme (4 g / Tag) ist“, erklärte Dr. Mutsuo Harada, Pressekoordinator der Tagung JCS 2019.

„Diese übermäßige Salzzufuhr hängt mit unserer Vorliebe für Meeresfrüchte und Sojasaucen zusammen, sodass die Salzbeschränkung schwer durchführbar ist“, so der Experte.

„Die Früherkennung und Behandlung von Hypertonie sind sehr wichtig, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Wir sollten bedenken, dass Nykturie nicht nur durch Harnorganprobleme verursacht wird, sondern auch durch systemische Erkrankungen wie Bluthochdruck.“

Die ESC-Präsidentin Professor Barbara Casadei fügte an: „Weltweit leiden mehr als eine Milliarde Menschen an Bluthochdruck. Hoher Blutdruck ist die weltweit führende Ursache für einen frühzeitigen Tod und verursachte 2015 fast zehn Millionen Todesfälle.“

Und weiter: „Die Richtlinien der ESC empfehlen Medikamente, um das Risiko für Schlaganfälle und Herzkrankheiten zu reduzieren. Ebenfalls empfohlen wird ein gesunder Lebensstil, einschließlich Salzrestriktion, Alkoholminderung, gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Gewichtskontrolle und Rauchentwöhnung.“ (ad)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.