Bundesanstalt warnt: Immer mehr Arbeitnehmende sind überlastet

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Belastungen im Job steigen seit über 10 Jahren kontinuierlich an

Das Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlichte kürzlich eine repräsentative Umfrage von über 17.000 Arbeitnehmenden zu der empfunden Arbeitslast in Deutschland. Daraus geht hervor, dass sich immer mehr Angestellte von ihrer Arbeit überfordert fühlen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden fühlt sich überlastet.


Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte kürzlich das Faktenblatt „Zeitdruck und Co – Wird Arbeiten immer intensiver und belastender?“ auf Grundlage einer großen Umfrage, die die Bundesanstalt alle sechs Jahre durchführt. Im Vergleich zu den Jahren 2006 und 2012 stiegt der Anteil der Beschäftigten, die sich von ihrer Arbeit überlastet fühlen von 43 Prozent auf 51 Prozent an, obwohl sich an der reinen Arbeitszeit in diesem Zeitraum kaum etwas geändert hat.

Die empfundene Belastung am Arbeitsplatz nimmt seit 12 Jahren kontinuierlich zu, ebenso die Krankheitsfehltage aufgrund psychischer Leiden wie Depression und Burnout. (Bild: Kaspars Grinvalds/fotolia.com)

Gründe für die empfundene Überlastung

In der Umfrage gaben sechs von zehn Befragten an, bei der Arbeit mehrere Aufgaben gleichzeitig bearbeiten zu müssen. Rund jeder zweite Arbeitnehmende ist zudem einem häufigen Termin- und/oder Leistungsdruck ausgesetzt. Jeder dritte Angestellte bemängelte, im Job sehr schnell arbeiten zu müssen. 16 Prozent gaben an, regelmäßig an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu geraten.

Diese Faktoren machen die Arbeit schnell zur Belastung

Die Bundesanstalt machte diese fünf Arbeitsbedingungen als Indikatoren für die Arbeitsintensität ausfindig:

  • Starker Termin- oder Leistungsdruck,
  • viele Aufgaben gleichzeitig erledigen zu müssen,
  • sehr schnell zu arbeiten,
  • ständige Unterbrechungen und Störungen am Arbeitsplatz,
  • regelmäßig an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu gehen.

Ab wann wird Arbeit zur Gesundheitsgefahr?

In der Personengruppe, bei denen alle fünf Faktoren vorlagen, zeigte fast die Hälfte (49 Prozent) Anzeichen von Erschöpfungszuständen. Dieser Zustand wird von der Bundesanstalt als Gesundheitsrisiko eingeschätzt. In der Gruppe der Personen, bei denen keine der fünf Indikatoren vorlagen, waren nur sieben Prozent der Befragten von regelmäßiger Erschöpfung betroffen. „Die Ergebnisse zeigen, dass eine hohe Arbeitsintensität mit Erschöpfung der Beschäftigten einhergeht und damit ein gesundheitliches Risiko darstellen kann“, resümiert die BauA in einer Pressemitteilung zur Umfrage. Die Bundesanstalt empfiehlt, dass Führungskräfte ihren Beschäftigten einen angemessenen Handlungsspielraum über Geschwindigkeit, Inhalt und Anordnung ihrer Aufgaben geben sollten, um für mehr Entlastung bei der Arbeit zu sorgen.

Krankheitstage aufgrund psychischer Leiden stark angestiegen

Auch aus anderer Quelle wird die steigende Belastung im Arbeitsalltag bestätigt. „Zeitdruck, Arbeitsverdichtung, steigende Bürokratie oder permanente Erreichbarkeit lassen die Anforderungen im Job immer komplexer werden“, schreibt die Universität Koblenz in einer aktuellen Mitteilung. Die möglichen Folgen dieser Zustände: Depression oder Burnout (Ausgebrannt sein). Diese psychische Leiden entwickelten sich in den vergangenen zehn Jahren zur Volkskrankheit. Laut dem aktuellen Fehlzeitenreport 2018 der Krankenversicherung AOK hat sich die Zahl der Fehltage aufgrund von psychischen Leiden verdreifacht. Pro 1.000 arbeitenden Krankenversicherten entstehen 117 Arbeitsfehltage wegen psychischen Erkrankungen. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.