Ausgebrannt sein – Ursachen, Symptome und Behandlung

Ausgebrannt- Strategien, um das Burnout Syndrom zu besiegen

Die Thematik des Ausgebranntseins ist in unserer heutigen Zeit sehr aktuell. In allen Bereichen des Lebens wollen wir perfekt sein – im Job, im Privatleben und auch in unserer Freizeit. Schwache Leistungen können wir uns nur schwerlich verzeihen, wir machen weiter, geben unser Bestes – bis wir an einen Punkt kommen, an dem nichts mehr so richtig zu funktionieren scheint und wir uns ausgebrannt, ziellos und erschöpft fühlen. Medizinisch spricht man bei diesem Zustand auch vom Burn-out Syndrom, sofern der Zustand der Erschöpfung und Überlastung über einen längeren Zeitraum anhält und auch nach längeren Ruhephasen keine Besserung eintritt. Die eigentliche Entwicklung zum Burn-out beginnt allerdings schon viel früher, weshalb es wichtig ist, die ersten Anzeichen rechtzeitig zu deuten, um schwere Verläufe zu verhindern.


Burn-Out – was ist das?

Der Terminus „ausgebrannt sein“ kommt nicht von ungefähr. Denn ähnlich beispielsweise einer Öllampe, die auf Brennstoff in Form von Öl angewiesen ist, um zu leuchten, benötigt unser Körper Energie, um funktionieren zu können. Fehlt dem Körper diese Energie jedoch, beispielsweise durch chronische Überarbeitung, die an den körpereigenen Energievorräten zehrt, kommt es dazu, dass Menschen sich ausgebrannt fühlen und das Burn-Out-Syndrom entsteht.

„Ausgebrannt zu sein“ ist ein ernstes Thema in unserer heutigen Zeit und zunehmender Leistungsdruck in der Arbeitswelt ist einer der Hauptgründe. (Bild: Wellnhofer Designs/fotolia.com)

Nun ist Burn-Out bis heute kein offizieller medizinischer Krankheitsbegriff, obwohl er bereits in den 1970er Jahren durch den deutsch-amerikanischen Psychologen Herbert Freudenberger erstbeschrieben wurde. Er selbst litt nach eigenen Angaben unter dem Syndrom, nachdem er sich jahrelang dauerhaft überarbeitet hatte und zum Schluss ehrenamtlich für eine Entzugsklinik tätig war. Das Arbeiten mit Suchtkranken, wie auch viele andere Berufe im Pflege- und Betreuungsbereich, zählt bekanntlich zu den anstrengendsten Tätigkeiten und es verwundert nicht, dass Freudenberger auch an seinen Kollegen wiederholt Anzeichen des Ausgebranntseins beobachtete. So kam es auch, dass man Burn-Out zunächst als eine Art „Berufskrankheit“ von Pflegepersonal und Fachkräften aus dem sozialen Sektor ansah.

Sowohl die Bezeichnung des Burn-Outs als Krankheit, wie auch die Annahme, nur Personen die im sozialen oder Pflegesektor tätig seien, könnten unter dem Ausgebranntsein leiden, sind jedoch falsch. Gerade in unserer modernen Arbeitswelt erkranken auch zunehmend Menschen aus anderen Berufszweigen an dieser tückischen Beschwerde. Vor allem in Arbeitsfeldern, die mit einem hohen Maß an Stress verbunden sind, ist die Zahl derer, die im Laufe ihrer Berufstätigkeit mindestens einmal mit Burn-Out zu kämpfen haben, sehr groß.

Dabei ist Burn-Out aber kein eigenständiges Krankheitsbild, beziehungsweise (noch) nicht als solches definiert. Vielmehr handelt es sich um einen Symptomkomplex und damit ein Syndrom, das sich durch Beschwerden wie Antriebslosigkeit, fehlende Motivation und ein Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere auszeichnet. Da entsprechende Symptome auch bei depressiven Menschen anzutreffen sind, gehen einige Mediziner davon aus, dass es sich beim Burn-Out eher um eine Sonderform der Depression handeln könnte. Zumindest lassen sich jedem sechsten Patient, der beim Arzt wegen Burn-Out vorstellig wird, auch depressive Tendenzen bescheinigen.

Ursachen

Wie genau das Burn-Out-Syndrom zustande kommt, ist nach wie vor noch nicht umfassend geklärt. Ein Konzept, das hier von Experten immer wieder zur Erklärung des Burn-Out-Phänomens herangezogen wird, ist jedoch das sogenannte Effort-reward-imbalance-Modell (ERI) des Schweizer Medizinsoziologen und Hochschullehrers Johannes Siegrist. Er ging davon aus, dass Patienten mit Burn-Out ein starkes Ungleichgewicht zwischen der eigenen Leistung und der dafür erhaltenen Anerkennung empfinden. Allerdings lässt sich das Beschwerdebild nicht allein auf dieses Gefühl reduzieren, denn es spielen auch noch andere Aspekte in das Ausgebranntsein mit ein. Diese lassen sich grob in drei Überbegriffe einteilen:

  • Alltagsfaktoren,
  • persönliche Faktoren
  • und Nährstofffaktoren.

Stress im Alltag

Wie bereits erwähnt, ist ein stressreiches Berufsleben einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines Burn-Out-Syndroms. Dabei stechen neben Pflegeberufen auch einige andere Berufsbilder deutlich unter den Risikogruppen hervor. So tritt das Ausgebranntsein zum Beispiel auch vermehrt bei Personen in Führungspositionen sowie bei Bürokräften auf. Das ständige Jonglieren mit Terminen, koordinativen Arbeitsschritten, Kundenkorrespondenzen und anderen fordernden Berufsaspekten trägt hier offensichtlich dazu bei, dass sich anhaltende Erschöpfung breit macht.

Ein voller Terminkalender, permanente Anrufe und zu viele Verantwortlichkeiten können schnell zu Erschöpfung oder Burn-out führen. (Bild: Kaspars Grinvalds/fotolia.com)

Hinzu kommen Berufe, die ein hohes Maß an geistiger Arbeit erfordern und so den mentalen Stresspegel erhöhen. Dies ist zum Beispiel bei Akademikern, Architekten oder aber auch bei Schreib- und Lehrkräften der Fall. In Bezug auf letzteres Tätigkeitsfeld sei zudem ein Risikoaspekt erwähnt, der bereits im Pflegebereich die Gefahr eines Burn-Outs drastisch in die Höhe treibt: Der berufliche Umgang mit zu betreuenden Personengruppen.

Wo für den Alten- oder Krankenpfleger die Betreuung gesundheitlich hilfsbedürftiger Patienten beruflichen Stress begünstigt, birgt für Lehrer wie auch für Kinderpfleger, Erzieher und Sozialpädagogen die Betreuung von Kindern und Jugendlichen ein großes Stresspotential. Diese können, inklusive ihres familiären Hintergrunds, bisweilen sehr „anstrengende kleine Kunden“ sein und stark an den Nerven bzw. Energiereserven des sozialen Dienstleisters zehren.

Apropos Dienstleistungen, auch Call-Center Mitarbeiter, Servicepersonal und weite Teile der Gastronomie gehören zu den Risikogruppen bei Burn-Out. Daneben darf auch berufsunabhängiger Stress im Alltag nicht als Quelle eines aufkeimenden Burn-Outs unterschätzt werden. Denn auch das Privatleben hält unzählige Situationen bereit, die als Entstehungsursachen für das Ausgebranntsein in Frage kommen. Im Allgemeinen lassen sich folgende Alltagsfaktoren als mögliche Ursachen festhalten:

  • enormer Termin- oder Leistungsdruck,
  • zeitlich fordernder Beruf,
  • besondere mentale Herausforderungen am Arbeitsplatz,
  • Konfliktsituationen am Arbeitsplatz (z.B. Mobbing oder Stress mit Kunden),
  • Konfliktsituationen im Privatleben (z.B. Scheidung oder Krankheitsfall in der Familie)
  • und Probleme in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Übrigens: Gerade der Leistungsdruck unserer modernen Zeit erreicht inzwischen auch immer stärker die Jüngsten in der Gesellschaft. Mit zunehmender Sorge beobachten Mediziner den Trend der sogenannten Burnout-Kids, die mit dem steigenden Leistungsanforderungen im schulischen Bereich nicht mehr zurechtkommen. Burn-Out ist also längst kein Gesundheitsproblem mehr, das ausschließlich Erwachsene betrifft.

Persönliche Faktoren

Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Entstehung von Burn-Out eine Rolle spielt, sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale. Zum Beispiel sind oftmals Menschen betroffen, die sehr perfektionistisch veranlagt sind und deshalb immer 100 Prozent geben möchten. Solche Menschen neigen für gewöhnlich auch dazu, grundsätzlich mehr Leistungsbereitschaft zu zeigen als andere. Ein Verhalten, das zum einen gerne von Mitmenschen ausgenutzt und dadurch verstärkt wird, zum anderen aber auch dazu führt, dass Betroffene ihre Leistungsgrenzen häufig nicht mehr realistisch einschätzen können. Sie merken deshalb zu Beginn oft gar nicht, dass ihr Körper das anspruchsvolle Arbeitspensum nicht mehr lange mitmacht. Mit diesem Punkt ist jedoch nur ein mögliches Persönlichkeitsmerkmal angesprochen, das Ausgebranntsein befördern kann. Insgesamt als risikoträchtig zu bewerten sind in diesem Ursachenfeld:

  • Idealismus,
  • Perfektionismus,
  • Workaholic-Verhalten,
  • Frusterfahrungen und Enttäuschungen,
  • Kränkungen und seelische Verletzungen,
  • niedriges Selbstwertgefühl,
  • mangelnder Ausgleich zwischen Arbeit und Entspannung
  • und leistungsorientierte Konditionierung im Kindesalter.
Als persönliche Faktoren bei der Entstehung von Burn-out sind neben typischem Workaholic-Verhalten zum Beispiel auch Frustsituationen und Enttäuschungen beteiligt. (Bild: Teodor Lazarev/fotolia.com)

Unausgeglichener Nährstoffhaushalt

Stark unterschätzt wird bei der Entstehung von Ausgebranntsein der Aspekt der körpereigenen Nährstoffversorgung. Blicken wir zurück auf unseren Vergleich mit der Öllampe, die eine bestimmte Menge an Lampenöl auf Vorrat hat, besitzt auch der menschliche Organismus Energievorräte, aus denen bei Bedarf Energie für die täglichen Herausforderungen bereitgestellt wird. Die wichtigsten Substrate zur Energiegewinnung sind hier

  • Glucose,
  • Glykogen,
  • Fette (maßgeblich in Form von Triglyzeriden)
  • und Eiweiße / Proteine (maßgeblich in Form von Aminosäuren).

Um einen störungsfreien Energiehaushalt zu gewährleisten, sollten entsprechende Nährstoffe dem Körper also in ausreichenden Mengen zugeführt werden. Geht es daneben um Ausgebranntsein in Kombination mit einer ungünstigen Gemütslage bis hin zu depressiven Verstimmungen, so spielen noch einige andere Substrate eine wichtige Rolle, zu denen insbesondere eine Reihe von Vitaminen gehören:

  • Vitamin B: Vitamin B ist einer jener Vitalstoffe, die vom Körper nur sehr schlecht gespeichert werden können. Dabei übernehmen die verschiedenen Varianten dieses Vitamins aber eine essenzielle Rolle im Energiestoffwechsel. So sind sie zum Beispiel an der Energieversorgung der Körperzellen beteiligt und werden für die Energiegewinnung aus Fetten und Proteinen benötigt. Ein Vitamin-B-Mangel führt deshalb unweigerlich zu Erschöpfungssymptomen und Abgeschlagenheit. Außerdem ist Vitamin B wichtig, um Störungen im neuronalen Netzwerk des Gehirns zu vermeiden. Diese können zu psychischen Beschwerden wie Depression und Schlafstörungen beitragen. Zu den wichtigsten Vitamin-B-Komponenten zählen in diesem Zusammenhang:
    • Vitamin B1 (Thiamin),
    • Vitamin B2 (Riboflavin),
    • Vitamin B3 (Niacin),
    • Vitamin B6 (Pyridoxin),
    • Vitamin B9 (Folsäure)
    • und Vitamin B12 (Cobalamin).
  • Vitamin C: Geht es um das seelische und psychische Wohlbefinden, spielt auch Vitamin C eine wichtige Rolle. Dieses ist im Körper mitverantwortlich für die Herstellung von Serotonin, dem berühmten Glückhormon. Es dient als Neurotransmitter für das Nervensystem und ist hier speziell für Gefühle wie Gelassenheit, innere Ausgeglichenheit und Zufriedenheit zuständig. Bei Serotoninmangel drohen hingegen erhöhte Reizbarkeit, Depressionen und Unzufriedenheit. Darüber hinaus nimmt Serotonin auch Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und somit auf die Leistungsfähigkeit des Körpers. Kann es aufgrund einer unzureichenden Vitamin-C-Zufuhr nicht ausreichend hergestellt werden, besteht neben depressiven Verstimmungen also auch ein Risiko für Leistungsabfall, der sich dann durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit bemerkbar macht.
  • Vitamin D: Auch Vitamin D beeinflusst die Leistung (insbesondere die Gehirnleistung) und den Gemütszustand eines Menschen. Wie Vitamin C ist es nämlich an der Biosynthese von Serotonin beteiligt und deshalb unabdingbar, um Depressionen bzw. Leistungseinbußen vorzubeugen. Problematisch daran ist allerdings, dass Vitamin D vielfach nur durch ausreichend Sonnenlicht im Körper aufgebaut werden kann. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten sorgt der saisonale Sonnenmangel bei vielen deshalb auch für einen Mangel an Vitamin D und damit für den berüchtigten Herbst- oder Winter-Blues. Und auch die alljährliche Burn-Out-Saison lässt sich in der zweiten, lichtarmen Jahreshälfte ansiedeln.
  • Eisen: Mit Eisen ist dem Körper ein Mineralstoff gegeben, der die Sauerstoffleitung in Blut und Zellen steuern kann. Da Eisen Sauerstoff bindet, lässt sich dieser dank Eisenmolekülen ganz einfach durch den Blutkreislauf in alle Bereiche des Körpers schleusen. Liegt hingegen ein Eisenmangel vor, so wird nicht nur das Blut sauerstoffarm. Zusätzlich fehlt es dann auch den Zellen, Organen und insbesondere den Nerven an Sauerstoff, der zur Energiegewinnung dringend gebraucht wird. Darüber hinaus reguliert Eisen auch die Herstellung von Nervenbotenstoffen, was wiederum für die Gemütslage und das Empfinden entscheidend ist.
  • Magnesium: Magnesium ist als Mineralstoff ähnlich wichtig für den Körper wie Eisen. Magnesiummangel kann auch zu ähnlichen Beschwerden führen wie Eisenmangel. Zu den Kardinalsymptomen zählen diesbezüglich Erschöpfung, innere Unruhe, leichte Reizbarkeit und Müdigkeit, also genau jene Beschwerden, die auch für das Ausgebranntsein typisch sind. Selbst handfeste Depressionen und sogar schizophrene Psychosen sind bei Magnesiummangel nicht ausgeschlossen. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Magnesium in hohem Maße in die Funktionalität des Energiestoffwechsels, Nervensystems, Herz-Kreislauf-Systems und sogar des Immunsystems mit einspielt.
  • Spurenelemente: Als Spurenelemente sind relativ kleine Partikel von Mineralstoffen definiert, was aber nicht bedeutet, dass sie für den Körper weniger bedeutsam wären. Ganz im Gegenteil, zeigt sich gerade bei Erschöpfungsbeschwerden und Depressionen, wie sehr Spurenelemente die Gesundheit mitbeeinflussen können. Vor allem das Funktionieren der Neurotransmitter als Übermittler jedweder Nervensignale, wie auch die Signalleitung im Energiehaushalt, werden von Spurenelementen entscheidend mitgestaltet. Die wichtigsten Spurenelemente hierfür sind:
    • Kupfer,
    • Selen
    • und Zink.
Ein wichtiger Aspekt bei der Entstehung von Ausgebranntsein ist der körpereigene Nährstoffhaushalt. Ein Mangel an Vitaminen und Spurenelementen kann schnell zu merkbaren Auswirkungen führen. (Bild: StefanoT/fotolia.com)

Wissenswert: Dass Nährstoffmangel und damit verbundene Funktionsstörungen im Bereich des Energiestoffwechsels und des Nervensystems zu dauerhafter Erschöpfung mit depressiven Beschwerden führen können, zeigt sich auch am Chronischen Erschöpfungssyndrom. Im Gegensatz zum Burn-Out-Syndrom handelt es sich hierbei in der Tat um ein eigenständiges Krankheitsbild, das in Anbetracht des nahezu identischen Beschwerdebilds durch sorgfältige Ausschlussdiagnose vom Burn-Out unterschieden werden muss. Denn beim Chronischen Erschöpfungssymptom sind in der Regel keine psychischen Faktoren ursächlich, sondern es liegt eine handfeste Fehlregulation des Nerven-, Immun- und Hormonsystems vor.

Symptome

Das Phänomen des Burn-Outs entsteht wie aufgezeigt meist als Folge einer Kombinationswirkung aus verschiedenen ursächlichen Faktoren und kann sich in sehr mannigfaltigen Symptomen äußern. Diese können sich sowohl auf körperlicher Ebene, als auch in Veränderungen des Wahrnehmens und Erlebens, also auf psychischer Ebene, zeigen.

Der Symptomkomplex, der sich meistens als erstes bemerkbar macht, umfasst natürlich den körpereigenen Energiehaushalt. Betroffene haben mit Ein- und Durchschlafproblemen zu kämpfen, wodurch ihnen die notwendigen Regenerationspausen fehlen, um einer anhaltenden Erschöpfung entgegenzuwirken. Verständlicherweise fühlen sie sich deshalb am Morgen wenig ausgeruht, wachen unausgeschlafen auf und ihnen fehlen schon zu Beginn des Tages die erforderlichen Energiereserven, um ihre Tagesaufgaben abarbeiten zu können. Hieraus resultiert schnell ein Gefühl, sich nur noch durch die zu erledigenden Anforderungen und Verpflichtungen zu quälen. Die Schlafstörungen können hierbei sehr verschiedene Ausprägungen haben:

  • Einschlafprobleme (z.B. sehr verspätetes Einschlafen trotz angemessener Zubettgehzeit),
  • Durchschlafprobleme (z.B. häufiges Aufwachen nach kurzen Schlafphasen),
  • Dauerhaft zu kurz geplante Schlafphasen (z.B. dauerhaftes Powernapping. um allen Aufgaben und Anforderungen gerecht zu werden),
  • und Schlafstörungen, die körperlichen Krankheitswert haben (z.B. Atembeschwerden, Restless-Leg-Syndrom, zirkadiane Schlafrhythmusstörungen).

Eine an der Harvard Universität unter der Leitung von Thomas Scammell durchgeführte Studie hat übrigens vor kurzem noch einmal eingehend bewiesen, dass anhaltende Schlafdefizite auch die Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Von Schmerzen jeglicher Art werden Betroffene mit Burn-Out nämlich auch sehr häufig geplagt. Die Ausprägungsorte der Schmerzen und Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und mitunter auch an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten. Ursache und Wirkung sind dabei nicht immer klar voneinander abzugrenzen. Beispielsweise geben Betroffene sehr häufig Rücken- und Nackenprobleme an, die von Muskelverspannungen herrühren können und auch zu dauerhaften Kopfschmerzen führen können. Kopfschmerzen wiederum können aber auch durch Flüssigkeits- und Nährstoffmangel verursacht werden, da Betroffene oft zu unregelmäßig und ungesund Essen und Trinken. Diese Verhaltensweise begünstigt wiederum kurzfristig auch Magen- und Darmbeschwerden und langfristig sogar Herzkreislaufbeschwerden und eine erhöhte Neigung zu Infekten.

Probleme beim Ein- oder Durchschlafen sind ein Symptom des Burn-outs. Daraus resultierender Schlafmangel steht auch mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit in Zusammenhang. (Bild: ALDECAstudio/fotolia.com)

Im Bereich der Hormonregulation zeigt das Ausgebranntsein ebenso unerwünschte Auswirkungen. Eintreten können hier unter anderem:

  • Zyklusstörungen,
  • Erektionsstörungen
  • und Libidoverlust.

Auch bei diesen Symptomen sind Ursache und Wirkung nur selten klar einzugrenzen. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach aber eher um eine Art Zahnradphänomen, bei dem eine Auswirkung des Ausgebranntseins (z.B. ungesunde oder nicht ausreichende Ernährung) die Ausbildung eines weiteren Symptoms wie etwa Zyklusstörungen begünstigt.

Nun gibt es neben den physischen Beschwerden bei Burn-Out auch enorme psychische Folgen. Unglücklicherweise tendiert der Mensch dazu, körperliche Beschwerden früher wahrzunehmen und sie vor allem auch eher als Zeichen mit Krankheitswert anzuerkennen als psychische Symptome. Doch gerade im Kontext mit dem Gefühl des Ausgebranntseins werden die psychischen Symptome umso relevanter, da eine Früherkennung hier nicht selten auch eine Entschärfung der Problematik erlaubt. Leider nehmen Betroffene entsprechende Gesundheitsbeschwerden in einer Vielzahl der Fälle als vorübergehende und einmalige Angelegenheit wahr, anstatt sie als ernstes Warnsignal zu bewerten. Häufig werden Betroffene erst dann wach gerüttelt und gestehen sich ein, dass sie ärztliche Unterstützung brauchen, wenn auch der Körper deutlich zeigt, dass er an seine Grenzen kommt.

Im Anamnesegespräch durch gezielt gestellte Fragen des Arztes wird Betroffenen dann meist überhaupt erst bewusst, dass ihr aktueller Zustand kein akutes Geschehen der letzten Wochen war, sondern die ersten Anzeichen schon viel früher da waren, aber erfolgreich verdrängt wurden. Zu diesen für den Zustand des Ausgebranntseins typischen psychischen Veränderungen im Bereich der Wahrnehmung und des Erlebens der Betroffenen gehören:

  • Ungewohntes Motivationstief,
  • Konzentrationsstörungen über einen längeren Zeitraum,
  • Antriebslosigkeit,
  • Motivationsmangel für Dinge, die früher Freude und Zufriedenheit brachten,
  • Freudlosigkeit und Unzufriedenheit,
  • Neigung zu Stimmungsschwankungen und Streitlust,
  • erhöhtes Aggressionspotential,
  • Resignation,
  • Unfähigkeit, Kritik anzunehmen,
  • Isolation,
  • Wahrnehmung von Versagensängsten
  • und Gefühle der Sinnlosigkeit und Hilflosigkeit.

Die oben angeführten psychischen Symptome sind nicht selten und bei Weitem nicht als Leitsymptome zu bewerten. Nur weil man sich für ein paar Tage schwer zu seiner Arbeit motivieren kann, heißt das noch lange nicht, dass man kurz vorm Burn-out steht. Vielmehr sollten Betroffene immer auch den Kontext betrachten und nicht sofort das Schlimmste befürchten. Vielleicht erzeugen die zu erledigenden Aufgaben auch gerade einfach keine einladende Stimmung, weil sie gemacht werden müssen oder eine lästige Vor- oder Nacharbeit eines abgeschlossenen Projekts sind. Halten die Symptome jedoch über einen längeren Zeitraum an und verbessern sich auch nicht nach einer Ruhephase (wie z.B. einem freien Wochenende) oder verlagern sich die Symptome auch ins private Umfeld, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich nicht nur um einen vorübergehenden Zustand handelt.

Zu für den Zustand des Ausgebranntseins typischen psychischen Veränderungen im Bereich der Wahrnehmung und des Erlebens des Betroffenen gehören auch zum Beispiel Stimmungsschwankungen und Streitlust. (Bild: LIGHTFIELD STUDIOS/fotolia.com)

Diagnose

Bevor die Diagnose auf Burn-Out überhaupt angegangen werden kann, müssen Betroffene selbst ein ausreichendes Maß an Krankheitseinsicht haben. Sie sollten ehrlich mit sich sein und reflektieren, ob es notwendig wäre und Linderung bringen könnte, sich Hilfe zu holen. Hierbei können auch nahe Angehörige, Freunde und Bekannte ein hilfreiches Instrument sein, da diese viel objektiver beobachten können und aus diesem Grund nicht selten schon viel früher das Gefühl entwickeln, dass etwas im Argen liegen könnte. Hier kann ein offenes Gespräch in entspannter Atmosphäre, ohne Vorwürfe und Anfeindungen, helfen, bei Betroffenen eine ehrliche Sicht auf ihre Situation auszulösen. Ist der Entschluss für professionelle Hilfe dann gefallen, geht der erste Weg über den Hausarzt. Dieser kann zwar die zugrundeliegenden Ursachen für das Ausgebranntsein nicht behandeln, aber ihm ist es möglich, den Betroffenen eine erste Auszeit zu verschaffen (am besten ein- bis zweiwöchige Arbeitsunfähigkeit), um dann gemeinsam einen weiteren Behandlungsplan zu erstellen.

Allerdings macht die Vielschichtigkeit der psychischen und körperlichen Symptome eine Diagnosestellung im Gespräch mit dem behandelnden Arzt nicht einfach, denn sie können ebenso gut Hinweis auf andere Krankheiten sein. Umso wichtiger ist ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Betroffenen in ruhiger und entspannter Atmosphäre, um Anhaltspunkte zu gewinnen, ob es sich bei den Symptomen um einen vorübergehenden Zustand des Ausgebranntseins handelt oder ob andere Krankheiten dahinter stecken. Differentialdiagnostisch kommen nämlich auch folgende Erkrankungen in Betracht:

  • chronisches Erschöpfungssyndrom,
  • Fatigue-Syndrom,
  • Depression,
  • Schilddrüsenunterfunktion,
  • Nebennierenschwäche
  • und Vitamin-D-Mangel.

Um dieses breite Spektrum an möglichen Diagnosen eingrenzen zu können, stehen dem Arzt verschiedene Tests zur Verfügung. Um körperliche Ursachen, also beispielsweise Hormonungleichgewichte aufgrund von geschädigten Organen (z.B. Schilddrüse oder Nebenniere), ausschließen zu können, ist es ratsam, labordiagnostische Untersuchungen des Blutes durchführen zu lassen. Hier sollten unbedingt folgende Parameter bestimmt werden:

  • Differentialblutbild,
  • Schilddrüsenhormone,
  • Ferritin,
  • Cortisol,
  • diverse Antikörper
  • und Vitamin- und Mineralstoffspiegel.

Um die verschiedenen in Betracht kommenden psychischen Erkrankungen eingrenzen zu können, kann der Arzt verschiedene Fragebögen als Instrument einsetzen. In diesen werden den Betroffenen gezielte und richtungsweisende Fragen gestellt, die nach erfolgter Auswertung eine Unterscheidung möglich machen.

Zur Eingrenzung der Diagnose bzw. zum Ausschluss organbedingter Ursachen werden neben üblichen Fragen während der Anamnese auch labordiagnostische Mittel herangezogen. (Bild: cameravit/fotolia.com)

Therapie

Um dem Ausgebranntsein erfolgreich beikommen zu können, ist es wichtig, konkrete Therapieziele zu setzen. Die Ziele der Behandlung können folgendermaßen formuliert sein:

  • Erarbeiten von Maßnahmen zur Stressbewältigung,
  • Erlernen von Entspannungstechniken,
  • Optimierung des Zeitmanagements
  • und Überdenken der persönlichen Prioritäten.

Anhand der unterschiedlichen Symptome und der verschiedenen Therapieziele ist erkennbar, dass es keine Standardtherapie für die Behandlung geben kann. Vielmehr muss sie im Sinne einer dauerhaften Compliance (Mitarbeit des Betroffenen) zu ihm, seinen Lebensplänen und seiner Lebenssituation passen.

Verhaltenstherapie

Eine wichtige Säule in der Behandlung von Erschöpfungszuständen bildet die Veränderung der eigenen Verhaltensweisen, die letztlich überhaupt erst zu dem Zustand geführt haben. Hier können auch schon Selbsthilferatgeber, Gruppentreffen mit anderen Betroffenen oder auch Achtsamkeitsseminare die notwendigen Denkanstöße bringen, sofern der Erschöpfungszustand noch keine unbeherrschbaren Ausmaße angenommen hat. Betroffene sollten sich aber auch nicht scheuen, einen geeigneten Psychotherapeuten zu Rate zu ziehen. Im Einzelgespräch können hier die tieferliegenden Ursachen identifiziert und verarbeitet werden. Ziele der Arbeit an den eigenen Verhaltens- und Denkweisen sind:

  • Erarbeiten von Strategien für den Umgang mit persönlichen und beruflichen Belastungen (Konflikt- und Stressbewältigung),
  • Stärkung des Selbstbewusstseins,
  • Warnsignale früher wahrnehmen
  • und Perspektiven und eigene Anforderungen an die Lebenssituation anpassen.

Ernährungsmaßnahmen

Um neben einem geregelten Alltag und der Vermeidung von Stress einen störungsfreien Energiehaushalt zu gewährleisten, ist die richtige Ernährung von essenzieller Bedeutung. Vor allem die Vitamine B, C, D sowie die Mineralien Eisen und Magnesium müssen dem Körper in ausreichender Menge zugeführt werden. Ideal ist hierfür eine ausgewogene Kost mit viel Obst und Gemüse zur Deckung des Vitaminbedarfs. Der Bedarf an Vitamin D im Speziellen lässt sich neben Spaziergängen in der Sonne zudem durch den regelmäßigen Verzehr von frischem Fisch decken. Auch Eisen und Magnesium sind in Fisch reichlich zu finden. Daneben finden sich die Mineralstoffe in Getreide und Milchprodukten wieder.

Neben einer obst- und gemüsehaltigen Kost ist besonders für den Vitamin-D-Haushalt auch Sonnenlicht wichtig, ebenso auch frischer Fisch. (Bild: Halfpoint/fotolia.com)

Heilkräuter

Vor allem aus der ayurvedischen und Traditionellen Chinesischen Medizin sind viele Kräuter bekannt, die als vitalisierend, belebend und energiespendend gelten. Man kann sie während der Behandlung von Burn-Out zusätzlich als unterstützende Therapiemaßnahmen anwenden und beispielsweise als Tee einnehmen. Und auch in der westlichen Kräuterkunde gibt es einige Heilpflanzen, die standardmäßig zur Therapie von Erschöpfungszuständen zum Einsatz kommen. Entsprechende Beispiele sind:

Alternativmedizinische Behandlungsangebote

Ebenfalls aus der TCM entstammen Behandlungsmaßnahmen wie Akupunktur oder die Tuniamassage zur Beseitigung von Burn-out. Auch können Betroffene über spezielle Kurse wie Yoga, Qi Gong oder Autogenes Training nachdenken, um ihren Körper wieder in einen ausgeglichenen Zustand zu überführen. (ma)