Chinesische Heilpflanze: Wurzelextrakt verlängerte das Leben

Sebastian Bertram

Längeres Leben durch Wurzelextrakt?

Ein Wurzelextrakt des Vielblütigen Knöterichs lässt den Fadenwurm C. elegans länger leben und schützt ihn vor oxidativem Stress. Das zeigen Forscher in einer neuen Studie. Sie liefern damit wissenschaftlich fundierte Belege für die Wirksamkeit dieses Extraktes, der vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin und als Nahrungsergänzungsmittel verwendet wird.

TCM Wurzelextrakt zeigte gute Wirkungsweisen. Bild: Wiki/Gemeinfrei

Der Vielblütige Knöterich erfreut sich großer Beliebtheit. Er soll verjüngend und besonders gesundheitsförderlich wirken. Wissenschaftlich fundierte Studien über die Wirkung gab es bisher jedoch nur wenige.

Für die aktuelle Studie überprüften die Forscher, ob sich die vielfach angepriesenen Anti-Aging-Effekte tatsächlich nachweisen lassen. Dafür verabreichten sie eine hohe Menge des Extraktes an den Fadenwurm C. elegans, einem häufig verwendeten Modellorganismus in den Bio- und Lebenswissenschaften.

Bei einer Konzentration von 1.000 Mikrogramm pro Milliliter konnte die Gruppe verschiedene Effekte beobachten: Die Lebenszeit der Würmer verlängerte sich um knapp 19 Prozent. In zwei weiteren Kurztests untersuchten die Wissenschaftler, inwieweit das Mittel die Würmer auch vor oxidativem Stress oder Hitzestress schützt. Dabei zeigte sich, dass der Extrakt zwar die Überlebensrate der Würmer bei Hitze nicht verbessert, jedoch die Bildung schädlicher Sauerstoffradikale vermindert und die Tiere deutlich besser vor erhöhtem oxidativem Stress schützt.

Im nächsten Schritt wiederholten die Forscher die Tests mit Würmern, deren Erbgut an bestimmten Stellen gezielt verändert worden war. Dadurch wurde die Funktion von speziellen Proteinen ausgeschaltet, die für das Altern von zentraler Bedeutung sind. Waren die Gene für die Bildung der Proteine DAF-16 oder Sir-2.1 defekt, waren auch die positiven Effekte des Wurzelextraktes deutlich geringer. Eine längere Lebensdauer ließ sich übrigens nur beobachten, wenn alle Proteine ordnungsgemäß funktionierten. Das bestätigt, dass es sich beim Altern um einen komplexen Prozess handelt, der von vielen Faktoren abhängig ist.

Die Studie gibt Hinweise über Eingriffe von pflanzlichen Inhaltsstoffen in grundlegende Mechanismen und Signalwege des Alterns, die als Grundlage für weiterführende Forschungsarbeiten dienen können. Auf den Menschen übertragen lassen sich die Erkenntnisse allerdings nicht direkt. Ob sich die in C. elegans beobachteten Effekte auch in anderen Lebewesen nachweisen lassen, müsse noch in Folgestudien geklärt werden. Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg