Corona-Immunität: COVID-19 Reinfektionen selten aber möglich

Die Gefahr, dass sich Menschen innerhalb von fünf Monaten erneut an dem Coronavirus anstecken, scheint gering aber vorhanden zu sein. (Bild: Bikej Barakus/stock.adobe.com)

Genesene können weiterhin SARS-CoV-2 übertragen

Die Gefahr, dass sich Personen, die bereits eine SARS-CoV-2-Infektion überstanden haben, ein weiteres mal anstecken, ist sehr gering, aber vorhanden. Zudem könnten Genesene noch in der Lage sein, andere Personen anzustecken. Dies geht aus einer britischen Studie hervor, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des englischen Gesundheitssystems überwacht wurden.

In der sogenannten SIREN-Studie (Sarscov2 Immunity & REinfection EvaluatioN), die von der englischen Gesundheitsbehörden NHS beauftragt wurde, soll herausgefunden werden, ob eine frühere Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vor einer zukünftigen Ansteckung mit dem gleichen Virus schützt. Erste Ergebnisse aus dieser Forschungsarbeit wurden nun auf dem medizinischen Preprint-Server „medRxiv“ veröffentlicht.

Mindestens fünf Monate Immunität nach SARS-CoV-2-Infektion

Laut der Studie bieten frühere Infektionen mit dem Coronaviurs SARS-CoV-2 (Auslöser von COVID-19) eine gewisse Immunität vor erneuten Ansteckungen, aber Genesene können das Virus immer noch in sich tragen und andere anstecken. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der englischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) fanden kürzlich heraus, dass die Immunität nach einer überstandenen SARS-CoV-2-Infektion mindestens fünf Monate bestehen bleibt, aber die Genesen können das Virus immer noch auf andere übertragen.

Ablauf der Studie

Seit Juni 2020 testeten PHE-Forschende über 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens in ganz Großbritannien auf COVID-19 sowie auf das Vorhandensein von Antikörpern, die darauf hindeuten, dass Menschen bereits infiziert waren. Zu dem Zweck wurden 129.189 PCR-Tests und 91.165 Antikörpertests mit Blutproben durchgeführt.

6.614 Teilnehmende reagierten positiv auf den Coronavirus-Antikörper-Test. Zwischen dem 18. Juni und dem 24. November 2020 entdeckten die Forschenden in dieser Gruppe 44 potenzielle SARS-CoV-2-Reinfektionen. Bei 15 dieser Fälle kam es erneut zu Krankheitssymptomen.

44 potenzielle Reinfektionen

Das Forschungsteam stufte zwei der Reinfektionen als sehr wahrscheinlich ein. Das Virus wurde in den beiden Fällen durch zusätzliche Untersuchungen nachgewiesen. Die restlichen 42 Reinfektionen wurden als „möglich“ klassifiziert. In den Fällen lagen zwischen zwei positiven PCR-Abstrichen mehr als 90 Tage oder es kam zu positiven PCR-Tests, obwohl Antikörper gegen SARS-CoV-2 vorlagen.

Wie hoch ist das Risiko einer Reinfektion?

Umgerechnet auf das Risiko würde dies der Studie zufolge bedeuten, dass eine Erstinfektion das Risiko auf eine weitere Ansteckung innerhalb von fünf Monaten um 83 Prozent senkt, falls es sich bei allen 44 Fällen um tatsächliche Reinfektionen handelt. Sollte sich herausstellen, dass nur zwei der Fälle tatsächliche Reinfektionen sind, läge die Risikoreduktion bei 99 Prozent. Zum Vergleich: die derzeit verfügbaren Impfstoffe bieten eine Reduktion des Infektionsrisikos von rund 95 Prozent.

Mindestens 83-prozentiger Schutz vor Reinfektionen

Die Arbeitsgruppe kommt zu dem Schluss, dass eine natürlich erworbene Immunität als Folge einer SARS-CoV-2-Infektion mit einem mindestens 83-prozentigen Schutz gegen eine erneute Erkrankung einhergeht. Dieser Schutz scheint über mindestens fünf Monate anzuhalten. Über diesen Zeitraum hinaus liegen derzeit keine Untersuchungen vor.

Auch Genesene scheinen das Virus übertragen zu können

Die PHE-Forschenden warnen jedoch, dass die vorliegenden Studienergebnisse zwar darauf hindeuten, dass Menschen mit SARS-CoV-2-Antikörpern selten erneut erkranken, aber einige dieser Personen trugen trotzdem eine hohe Virusmenge in sich. Das sei ein Hinweis, dass sie das Virus weiter übertragen können, obwohl sie selbst nicht mehr erkranken.

Klares Bild mit Fragezeichen

„Diese Studie hat uns das bisher klarste Bild von der Art des Antikörperschutzes gegen COVID-19 gegeben, aber es ist entscheidend, dass die Menschen diese frühen Ergebnisse nicht missverstehen“, unterstreicht Professorin Susan Hopkins, die Leiterin der Studie.

Zwar wisse man nun, dass die meisten Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, Antikörper gebildet haben und zunächst vor einer erneuten Infektion geschützt sind, aber es sei weiterhin unbekannt, wie lange der Schutz anhalte und wie hoch das Risiko sei, dass diese Personengruppe das Virus weitergibt. Die Studienleiterin betont deshalb, dass sich auch diejenigen, die COVID-19 bereits durchgemacht haben, an die Sicherheitsregeln halten sollten, um andere zu schützen.

Wie geht es weiter?

Das Team berichtet, dass die Teilnehmenden noch 12 Monate lang weiterverfolgt werden, um zu erforschen, wie lange eine eventuelle Immunität anhält. Zudem soll in dem Rahmen auch überwacht werden, wie lange eine durch Impfstoffe erworbene Immunität anhält und ob geimpfte Personen in der Lage sind, das Virus an andere zu übertragen. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Deutsches Ärzteblatt: SARS-CoV-2: Reinfektionen beim medizinischen Personal weiterhin selten (veröffentlicht: 18.01.2021), aerzteblatt.de
  • Portal der SIREN-Studie (Abruf: 19.01.2021), snapsurvey.phe.org.uk
  • PHE: Past COVID-19 infection provides some immunity but people may still carry and transmit virus (veröffentlicht: 14.01.2021), gov.uk
  • V. Hall, S. Foulkes, A. Charlett, et al.: Do antibody positive healthcare workers have lower SARS-CoV-2 infection rates than antibody negative healthcare workers? Large multi-centre prospective cohort study (the SIREN study), England: June to November 2020; in: medRxiv, 2021, medrxiv.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.