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COVID-19-Risikovariante: Vom Neandertaler geerbtes COVID-Risikogen schützt vor HIV

Alfred Domke
Verfasst von Alfred Domke, Redakteur für Gesundheits-News
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22. Februar 2022
in News
Grafische Darstellung: Optischer Vergleich zwischen einem Neandertaler und einem modernen Menschen.
Eine neue Studie zeigt, dass ein vom Neandertaler geerbter Risikofaktor für COVID-19 vor einer anderen schweren Krankheit schützt – sie senkt das Risiko einer Person, sich mit HIV zu infizieren, um 27 Prozent. (Bild: nicolasprimola/stock.adobe.com)
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COVID-19-Risikovariante verringert das Risiko einer HIV-Infektion

Der Neandertaler gilt als der engste Verwandter des heute lebenden Menschen. Obwohl er bereits vor rund 40.000 Jahren ausgestorben ist, beeinflusst das genetische Erbe noch immer viele von uns. So konnte etwa aufgezeigt werden, dass bestimmte Neandertaler-Gene Einfluss auf den COVID-19-Krankheitsverlauf haben können. Nun berichten Forschende, dass solche Gene auch einen Schutz vor einer HIV-Infektion bieten können.

Im vergangen Jahr wurde in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS) eine Studie veröffentlicht, derzufolge Neandertaler nicht nur schädliche sondern auch schützende Varianten zu unserem Genom beigesteuert haben. Dies wird nun auch in einer neuen Untersuchung, belegt, die zeigt, dass eine von unserem „Verwandten“ geerbte Genvariante vor HIV schützen kann.

  • Der wichtigste genetische Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf ist Teil unseres Neandertalererbes.
  • Diese Gen-Variante hat sich erstaunlich oft beim Menschen durchgesetzt.
  • Die vom Neandertaler geerbte COVID-19-Risikovariante verringert das Risiko einer HIV-Infektion um 27 Prozent.

Wichtigster genetische Risikofaktor für schweren COVID-Verlauf

Manche Menschen erkranken schwer an COVID-19, wenn sie sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, während andere nur leichte oder gar keine Symptome haben.

Neben Risikofaktoren wie einem fortgeschrittenen Alter und chronischen Krankheiten, wie beispielsweise Diabetes, kann auch unser individuelles genetisches Erbe unser Risiko schwer an COVID-19 zu erkranken erhöhen oder verringern.

Im Herbst 2020 zeigten Hugo Zeberg vom Karolinska Institutet und vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sowie Svante Pääbo, ebenfalls vom Leipziger Max-Planck-Institut, dass der wichtigste genetische Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf Teil unseres Neandertalererbes ist.

Laut einer aktuellen Mitteilung untersuchten die Forschenden im Frühjahr 2021 dieselbe Gen-Variante im Erbgut prähistorischer Menschen und stellten fest, dass sie seit Ende der letzten Eiszeit deutlich häufiger vorkommt.

Erstaunlich häufig beim Menschen durchgesetzt

Für eine Gen-Variante, die vom Neandertaler stammt, hat sie sich laut den Fachleuten beim Menschen erstaunlich häufig durchgesetzt. Daher liegt es nahe, dass sie in der Vergangenheit größtenteils vorteilhaft für ihre Träger gewesen ist. Könnte diese Gen-Variante Menschen womöglich vor anderen Infektionskrankheiten geschützt haben?

„Diese Covid-19-Risikovariante kommt so häufig vor, dass ich mich gefragt habe, ob sie vielleicht für etwas gut sein könnte“, erläutert Hugo Zeberg, der Autor der aktuellen Studie, die in dem Fachjournal „PNAS“ publiziert wurde.

Den Angaben zufolge befindet sich die Neandertaler-Variante in einer Region auf Chromosom 3, wo sich außerdem mehrere Gene befinden, die für Rezeptoren im Immunsystem kodieren. Einen dieser Rezeptoren – CCR5 – nutzt das HIV-Virus, um weiße Blutkörperchen zu infizieren.

Zeberg hat herausgefunden, dass Menschen, die die COVID-19-Risikovariante geerbt haben, weniger CCR5-Rezeptoren haben.

Vor- und Nachteile

Anschließend prüfte der Wissenschaftler, ob sich damit auch das Risiko verringerte, sich mit HIV zu infizieren. Bei der Analyse von Patientendaten aus drei großen Biobanken (FinnGen, UK Biobank und Michigan Genomic Initiative) stellte er fest, dass Tragende der COVID-19-Risikovariante ein um 27 Prozent geringeres Risiko aufweisen, sich mit HIV zu infizieren.

„Diese Gen-Variante zu besitzen, kann für den Träger sowohl gut als auch schlecht sein: schlecht, wenn er sich mit COVID-19 infiziert; gut, wenn die Gefahr einer HIV-Infektion besteht und ein gewisser Schutz gegen dieses Virus vorhanden ist“, so Zeberg.

Weil HIV aber erst im 20. Jahrhundert aufkam, kann die Schutzwirkung vor dieser Infektionskrankheit nicht erklären, warum die COVID-19-Risikovariante bereits vor 10.000 Jahren beim Menschen so stark verbreitet war.

„Jetzt wissen wir zwar, dass die Covid-19-Variante einen gewissen Schutz vor einer HIV-Infektion bietet. Doch möglicherweise war es der Schutz vor einer anderen Krankheit, der damals – nach der letzten Eiszeit – zur starken Verbreitung dieser speziellen Gen-Variante beigetragen hat“, sagt Zeberg. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie: Genetischer Risikofaktor für Covid-19 schützt vor HIV, (Abruf: 22.02.2022), Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
  • Hugo Zeberg: The major genetic risk factor for severe COVID-19 is associated with protection against HIV; in: PNAS, (veröffentlicht: 21.02.2022), PNAS
  • Hugo Zeberg & Svante Pääbo: A genomic region associated with protection against severe COVID-19 is inherited from Neandertals; in: PNAS, (veröffentlicht: 16.02.2021), PNAS, PNAS

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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