Die Darmflora spielt eine Schlüsselrolle bei Nahrungsmittelallergien und Stuhltransplantation (Fäkale Mikrobiota-Transplantation; FMT) können deren Zusammensetzung so verändern, dass die allergischen Reaktionen ausbleiben. Die Anwendung von FMT gegen Erdnussallergien zeigte in einer ersten klinischen Studie vielversprechende Ergebnisse.
Ob fäkale Mikrobiom-Transplantationen die Toleranz gegenüber Erdnüssen bei Erwachsenen mit Erdnussallergie erhöhen können, hat ein internationales Forschungsteam um Dr. Rima Rachid vom Boston Children’s Hospital (USA) untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Science Translational Medicine“ veröffentlicht.
Nahrungsmittelallergien weit verbreitet
Allein in den USA sind rund 33 Millionen Menschen von schweren Nahrungsmittelallergien betroffen, wobei Erdnüsse und Baumnüsse zu den Lebensmitteln zählen, die besonders häufig schwerste, lebensbedrohliche allergischen Reaktionen auslösen, erläutern die Forschenden.
Zwar seien durchaus Behandlungsmethoden wie zum Beispiel die Anwendung von Antikörpermedikamenten oder Immuntherapien mit niedrigen Dosen verfügbar, die die Toleranz gegenüber einem allergischen Lebensmittel erhöhen können, doch deren Wirkung bleibe begrenzt.
Behandlung bisher schwierig
Nach Beendigung der Therapie kehren die allergischen Reaktionen meist schnell zurück und auch bei vorschriftsmäßiger Einnahme erleiden manche Patientinnen und Patienten dennoch lebensbedrohliche allergische Reaktionen, mitunter sogar als Reaktion auf die Behandlungen, berichtet das Forschungsteam.
„Menschen mit Nahrungsmittelallergien wünschen sich ein Leben ohne ständige Angst und extreme Wachsamkeit und möchten nicht jedes Mal, wenn sie das Haus verlassen, auf potenziell gefährliche Expositionen achten müssen“, so Dr. Rachid.
Betroffene suchen keine Therapien, die sie auf unbestimmte Zeit einnehmen müssen, sondern eine dauerhaft wirksame Linderung oder eine Heilung, ergänzt die Allergologin.
FMT als Behandlungsoption?
In einer früheren Studie an Mäusen habe sich gezeigt, dass eine FMT von Säuglingen mit Nahrungsmittelallergien zu allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel bis hin zu einem anaphylaktischen Schock führte.
Wurden den Mäusen hingegen Stuhltransplantationen von gesunden Säuglingen verabreicht, waren sie laut den Fachleuten vor allergischen Reaktionen geschützt. Offenbar seien hierbei einige wenige Bakterienstämme für den Schutz vor allergischen Reaktionen verantwortlich.
Anwendung bei Erdnussallergie getestet
Anhand von 15 Personen mit schwerer Erdnussallergie überprüften die Forschenden nun, ob FMT von Spendern mit einer gesunden Darmflora einen Beitrag zur Behandlung der Allergie leisten können. Hierfür erhielten zunächst zehn Teilnehmende eine einmaligen Behandlung mit 36 Kapseln, die innerhalb mehrerer Stunden eingenommen wurden.
Die Behandlung führte bei drei der zehn Teilnehmenden zu deutlichen Verbesserungen und vier Monate später tolerierten sie den Verzehr mehrerer Erdnüsse, berichtet das Forschungsteam.
An fünf Teilnehmenden untersuchten die Forschenden anschließend, ob die Einnahme von Antibiotika vor der Stuhltransplantation die Wirkung zusätzlich verbessern kann, indem die Konkurrenz mit den körpereigenen Darmbakterien reduziert wird.
Hier zeigten drei der fünf Teilnehmenden eine verbesserte Erdnusstoleranz und sie konnten bei der Folgeuntersuchung mehr als vier Erdnüsse verzehren, bevor eine Reaktion auftrat, was darauf schließen lässt, dass Antibiotika die Wirkung der FMT steigern können, erläutern die Forschenden.
Gallensäuren spielen eine wichtige Rolle
Bei den Analysen der Blutproben von den Teilnehmenden fiel den Fachleuten zudem auf, dass diejenigen, die auf die Therapie ansprachen, im Vergleich zu denjenigen, die nicht ansprachen, erhöhte Gallensäurewerte aufwiesen.
Die nützlichen Bakterien aus den Stuhltransplantationen konnten die Gallensäuren offenbar besser verstoffwechseln als die ursprünglichen Bakterien der allergischen Teilnehmenden, berichtet das Team.
Und in weiteren Experimenten sei deutlich geworden, dass sich durch den Abbau von Gallensäuren auch die Anzahl von immunregulatorischen Zellen erhöhte, die vor allergischen Reaktionen schützen.
Hoffnung auf neue Therapien
„Diese wegweisende Studie hat erstmals gezeigt, dass eine auf dem Mikrobiom basierende Therapie Nahrungsmittelallergien verbessern kann und gleichzeitig aufgezeigt, wie Darmbakterien, ihre Stoffwechselprodukte und das Immunsystem zusammenwirken“, resümiert Dr. Rachid.
Nun seien weitere Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu überprüfen und Betroffene zu identifizieren, die am ehesten von einer FMT profitieren können. Möglicherweise gelinge es auch, nützliche Bakterien zu identifizieren, die zu gezielten probiotischen Therapien gegen Nahrungsmittelallergien eingesetzt werden können, so die Hoffnung des Forschungsteams. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Rima Rachid, Monica Martinez-Blanco, Gavin A. Kuziel, Emmanuel Stephen-Victor, Mathieu Groussin, Askarbek Orakov, George Russell, Le Thanh Tu Nguyen, Mathilde Poyet, Zhussipbek Mukhatayev, Christina S. K. Yee, Sultan Albuhairi, Rayan Kteish, Ebla Abdel Rahman, Farida Abi Farraj, Ziwei Wang, Suzanne Dahlberg, Morgan Ryan, Meghan Fitzgerald, Wendy Elverson, John J. Lee, Lynda Schneider, Andrew MacGinnitie, Elena Crestani, Dianna Queheillalt, Elizabeth Burke-Roberts, Jonathan Watson, Ryan J. Elliott, Wing Fei Wong, Majdi Osman, Robert Voyksner, Elizabeth Hohmann, Curtis Huttenhower, Eric Alm, Seth Rakoff-Nahoum, Talal A. Chatila: Fecal microbiome transplant in food allergy in humans and mice identifies a role for bile acid metabolites in oral tolerance; in: Science Translational Medicine (veröffentlicht 05.08.2026), science.org
- Boston Children's Hospital: How ‘good’ bacteria from fecal transplants reduce peanut allergy (veröffentlich 05.08.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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