Diese Symptome können auf Epilepsie hinweisen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Epilepsie- Ein Kontrollverlust kann tödlich sein

Epilepsie zeigt sich unterschiedlich: Bei manchen Anfällen spüren die Betroffenen nur ein Muskelzucken, es kribbelt, oder ihr Bewusstsein verschwindet für einige Sekunden. Andere führen zu unkontrollierten Zuckungen, die mehrere Minuten dauern. Die Gefahr ist: Solche Anfälle können am Autolenkrad, beim Schwimmen und in vergleichbaren Situationen einsetzen, in denen dieser Kontrollverlust tödlich sein kann.


Was ist eine Epilepsie?

Epilepsie beschreibt keine eigenständige Krankheit, sondern die Symptome vieler unterschiedlicher Erkrankungen des Gehirns. Diesen gemeinsam sind die epileptischen Anfälle. Früher sprach die Medizin wegen diesem Symptomkreis von Fallsucht oder Krampfleiden.

Epileptische Anfälle sind wie ein Gewitter aus Hirnsignalen, die gleichzeitig los prasseln. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Epilepsie verursacht Gewitter im Gehirn

Ein epileptischer Anfall folgt auf eine Funktionsstörung der Nerven im Gehirn. In der Hirnrinde liegende Nervenzellengruppen senden plötzlich gleichzeitig Signale aus und dies löst eine Kettenreaktion bei anderen Nervenzellen aus. Wie schwer ein Anfall verläuft, hängt jetzt davon ab, welche Funktionen im Organismus diese Zellen steuern und wie viele es sind.

Ein Anfall ist noch keine Epilepsie

Jeder Mensch kann einen epileptischen Anfall haben. Ursachen sind zum Beispiel Schlaflosigkeit, Entzug bei Alkoholismus, ein gestörter Stoffwechsel, Vergiftungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Die Frage ist jetzt: Handelt es sich um einen „Gelegenheitsanfall“, der sich aus einer konkreten Situation entwickelt oder um eine beginnende Epilepsie?

Was macht der Arzt?

Nach einem epileptischen Anfall untersucht der Arzt Betroffene genau, nachdem er mit ihnen ein intensives Gespräch über Vorerkrankungen, mögliche Auslöser wie Alkoholismus oder Schlafstörungen geführt hat. Mit EEG zeichnet er die Schwankungen des Hirnpotenzials auf, und mit einer MRT legt er Aufnahmen des Gehirns an. Meist reicht das für eine Diagnose.

Wie häufig sind epileptische Anfälle?

Epileptische Anfälle kommen häufig vor, nahezu jeder hundertste hat mindestens einen in seinem Leben. Sie treten in jeder Lebensphase auf. Jeder Dritte, der an einer Epilepsie leidet, bekam den ersten Anfall als Kind – ebenso ein Drittel erst nach dem Alter von 60 Jahren. Bis zum 80. Lebensjahr liegt das Risiko, einen epileptischen Anfall zu bekommen, bei rund zehn Prozent, für eine Epilepsie bei drei Prozent. In Deutschland sind 500.000 Menschen von Epilepsie betroffen.

Ursachen für Epilepsie

Epilepsie hat oft Ursachen, die die Hirnforschung inzwischen recht gut kennt: Einen Schlaganfall, eine Genmutation, eine Hirnverletzung oder eine angeborene wie erworbene Missbildung im Gehirn. Manchmal bleibt die Ursache aber unklar.

Ist Epilepsie ein schweres Leiden?

Wie stark eine Epilepsie das Leben der Betroffenen einschränkt, hängt von der Schwere der Symptome ab. Manche Menschen haben nur sehr selten Anfälle, die zudem leicht ausfallen, so dass ihnen zum Beispiel die Hand einen Moment zuckt. Andere Patienten suchen viele und starke Anfälle heim. Ärzte raten, sich behandeln zu lassen, wenn zwei oder mehr Anfälle im Jahr auftreten, die für die Betroffenen belastend sind.

Generalisierte und fokale Anfälle

Bei generalisierten Anfällen ist das gesamte Gehirn betroffen, bei fokalen Anfällen sind es nur bestimmte Hirnareale.

Behandlung

Da eine Epilepsie viele Ursachen haben kann, richtet sich die Behandlung nach der Form der Anfälle. Wesentlich sind sogenannte Antikonvulsiva, also Arzneien, die das Risiko für Anfälle senken. In spezifischen Fällen ist eine Operation nötig.

Gefahr bei Anfällen

Der Anfall selbst ist für das Gehirn meist ungefährlich und hört von selbst auf. Da die Betroffenen aber in der Zeit des Anfalls eine Bewusstseinsstörung und keine Kontrolle über ihren Körper haben, besteht ein Risiko, dass sie sich verletzen.

Herz-Kreislaufversagen

Äußerst selten versagt bei einer Epilepsie der Herzkreislauf. Medizinisch heißt das dann „plötzlicher unerwarteter Todesfall bei Epilepsie“. Besonders wegen dieses Risikos sollten Sie nach einem epileptischem Anfall einen Arzt aufsuchen. Längere Anfälle können zudem das Gehirn schädigen.

Wann sprechen wir von Epilepsie?

Von Epilepsie sprechen wir, wenn ein epileptischer Anfall mehrfach ohne konkreten Auslöser auftritt. Wenn Sie also zum Beispiel berufsbedingt unter extremem Schlafmangel leiden, den der Arzt als Auslöser für ihren ersten Anfall diagnostizierte, die Situation ändert sich nicht, und sie erleiden einen zweiten oder dritten Anfall, ist das noch keine Epilepsie.

Was können Außenstehende während eines Anfalls tun?

Wichtig ist: Ein epileptischer Anfall geht von selbst vorbei. Versuchen Sie nicht, die Betroffenen „ruhig zu stellen“ oder gar festzuhalten. Sorgen Sie hingegen dafür, dass sich keine potenziell gefährlichen Gegenstände in ihrer Nähe befinden wie Tischkanten oder scharfe Messer. Wenn die Betroffenen eine Brille tragen, sollten Sie diese abnehmen, um Augenverletzungen zu verhindern. Vor allem sollten Sie ruhig bleiben und den Betroffenen zeigen, dass Sie da sind und sich um sie kümmern. (Dr. Utz Anhalt)