Diese Verletzungen drohen in der Silvesternacht – und so schützen Sie sich davor

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Jedes Jahr kommt es zu bleibenden Schäden durch Feuerwerkskörper

Alle Jahre wieder kommt es in der Silvesternacht zu schweren Verletzungen durch Feuerwerkskörper. Besonders häufig sind die Hände betroffen, die durch eine Druckverletzung oder Verbrennung dauerhafte Schäden davon tragen können. Man könnte zwar meinen, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit Böllern und Feuerwerkskörpern eine Sache des gesunden Menschenverstands ist, doch die Anzahl der schweren Verletzungen, die jedes Jahr auftreten, zeichnen ein anderes Bild.


Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) sowie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rufen in einer gemeinsamen Pressemitteilung zu mehr Verantwortung im Umgang mit Böllern und Feuerwerk in der Silvesternacht auf. Die Fachgesellschaften warnen, dass sich jedes Jahr Menschen dauerhafte Verletzungen und Behinderungen in der Silvesternacht zuziehen.

Bitte nicht nachmachen: Feuerwerkskörper, die in der Hand explodieren, können lebenslange Beeinträchtigungen nach sich ziehen. (Bild: complize | m.martins/fotolia.com)

Verbrennungen, Frakturen, abgetrennte Finger

„Die Patienten kommen mit abgetrennten Fingern, Verbrennungen, Frakturen und Weichteilverletzungen an den Händen“, warnt Professor Dr. Andreas Eisenschenk vom Unfallkrankenhaus Berlin. Immer wieder komme es zu schweren Verletzungen, wenn Feuerwerkskörper direkt am Körper explodieren. Selbst bei sofortiger ärztlicher Hilfe und erfolgreichen Eingriffen könne nicht garantiert werden, dass durch solche Verletzungen bleibende Schäden entstehen. Gerade in der Hand sei das Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Nerven und Knochen äußerst komplex. Verletzungen durch Feuerwerkskörper könnten das Greifen, Halten, die sensorischen Fähigkeiten, das Gefühl und auch den Tastsinn dauerhaft schädigen.

Verantwortung ist der beste Schutz

„Der beste Schutz vor Unfällen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Feuerwerkskörpern“, betont Profesor Dr. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Mit einfachen Regeln ließen sich die meisten Unfälle mit Feuerwerkskörpern vermeiden. Am besten nutze man nur Böller, die gar nicht erst in der Hand gezündet werden müssen, rät der Professor. Insbesondere Jugendliche sollten Silvester auf sich aufpassen. Sie seien besonders häufig von schweren Verletzungen betroffen.

So kann beim Böllern (so gut wie) nichts schiefgehen

Die Fachgesellschaften geben Tipps für einen sicheren Umgang mit den Feuerwerkskörpern in der Silvesternacht:

  • Böller nicht manipulieren oder selbst herstellen,
  • nur Produkte mit CE-Zeichen und BAM-Prüfnummer verwenden,
  • nicht mit Feuerwerkskörpern herumexperimentieren,
  • Böller nicht am Körper mit sich herumtragen,
  • Feuerwerkskörper verschlossen und in sicherem Abstand lagern,
  • Blindgänger nicht noch einmal zünden,
  • vor dem Feuerwerk am besten kein oder nur wenig Alkohol trinken.

Was tun, wenn doch etwas passiert

Sollte es dennoch zu einer Handverletzung kommen, sollte so schnell wie möglich eine Klinik mit ausgewiesener Handchirurgie aufgesucht werden. „In Deutschland gibt es 44 besonders ausgestattete Kliniken, die als Hand-Trauma-Zentrum akkreditiert sind“, empfehlen die Fachgesellschaften. Diese Hand-Trauma-Zentren seien auf die Behandlung schwerer Handverletzungen spezialisiert und könnten Notfälle rund um die Uhr optimal versorgen. Bis zur Ankunft in einer Klinik sollte die Hand möglichst steril verbunden werden.

Abgetrennte Finger nicht im Eis lagern

Entgegen der geläufigen Meinung stellen die Fachgesellschaften klar, dass abgetrennte Finger auf keinen Fall durch Eis gekühlt werden sollten. Dies würde ein Wiederannähen des Fingers unmöglich machen. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.