Digitaler Stress: Neue Technologien oft Ursache psychischer Belastung

Digitalisierung ein maßgeblicher Stressfaktor

Welche Folgen die Digitalisierung langfristig auf die Beschäftigungsverhältnisse und die Arbeitswelt in Deutschland haben wird, lässt sich derzeit nur spekulieren, doch es ist in jedem Fall von erheblichen Veränderungen auszugehen. Bereits heute hat das Arbeiten mit digitalen Technologien die Berufswelt spürbar verändert. Laut einer aktuellen repräsentative Befragung führt dies auch zu einem erhöhten Stress bei den Beschäftigten.


In der bislang größten und umfassendsten Studie zum Thema „Digitaler Stress in Deutschland“ haben Forschende der Universität Augsburg und der Fraunhofer Projektgruppe Wirtschaftsinformatik untersucht, welche Beanspruchungen und Belastungen das Arbeiten mit digitalen Technologien zur Folge hat. Die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie steht frei zum Download zur Verfügung.

Viele Beschäftigte leiden unter Digitalem Stress. Dieser kann auch zu massiven gesundheitlichen Problemen führen. (Bild: Wrangler/fotolia.com)

Verändertes Belastungs- und Beanspruchungsprofil

Die aktuelle Studie befasste sich „mit der voranschreitenden Digitalisierung und dem aus ihr resultierenden veränderten Belastungs- und Beanspruchungsprofil am Arbeitsplatz“, erläutert Henner Gimpel vom Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG) der Universität Augsburg. Die Daten seien über Branchen und Bundesländer hinweg repräsentativ. Insgesamt wurden 2.640 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Studie befragt.

Digitalisierungsgrad des Arbeitsplatzes nicht alleine entscheidend

Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass das Phänomen bzw. Problem Digitaler Stress „über alle Regionen, Branchen, Tätigkeitsarten und individuellen demographischen Faktoren hinweg feststellbar ist.“ Dieser Stress gehe darauf zurück, dass die Erwerbstätigen nicht oder nur unzureichend mit den digitalen Technologien umzugehen wissen. Nicht der Digitalisierungsgrad des Arbeitsplatzes alleine sei ausschlaggebend für das Ausmaß an digitalem Stress, sondern vielmehr das Ungleichgewicht zwischen den Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien einerseits und den Anforderungen, die diese an die Beschäftigten stellen, andererseits, erläutern die Experten.

Junge Beschäftigte verstärkt betroffen

Überraschenderweise zeigten sich in der Untersuchung die 25- bis 34-jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern stärker belastet als andere Altersgruppen, obwohl gerade den jüngeren Menschen in der Regel einen höhere Kompetenz im Umgang mit digitalen Technologien zugetraut wird. Auffällig sei auch gewesen, „dass Frauen, die an digitalisierteren Arbeitsplätzen arbeiten, sich als kompetenter fühlen als Männer, zugleich aber mehr unter digitalem Stress leiden als Männer“, berichten die Forschenden.

Verunsicherung im Umgang mit digitalen Technologien

Den aktuellen Studienergebnissen zufolge wird die Verunsicherung im Umgang mit digitalen Technologien geschlechterübergreifend als der größte Stressfaktor wahrgenommen, doch auch die Unzuverlässigkeit der Technologien, die digitale Überflutung in allen Lebensbereichen und andere Faktoren seien hier zu nennen. Die Studie habe zudem gezeigt, dass übermäßiger digitaler Stress mit einer deutlichen Zunahme gesundheitlicher Beschwerden einhergeht.

Drohende gesundheitliche Beschwerden

Den Angaben der Studienautoren zufolge leidet „mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich einem hohen digitalen Stress ausgesetzt sehen, unter Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und allgemeiner Müdigkeit.“ Durch übermäßigen digitalen Stress werde zudem die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und er führe zu einem „starken Work-Life-Konflikt“, so die Mitteilung der Universität Augsburg zu den Studienergebnissen.

Welche Gegenmaßnahmen könnten helfen?

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass es zur Stressvermeidung vor allem Maßnahmen bedarf, die Fehlbeanspruchungen durch digitale Technologien vermeiden. „Darunter fallen in erster Linie verhaltenspräventive Maßnahmen wie die Vermittlung bzw. der Erwerb von Kompetenzen sowohl im Umgang mit digitalen Technologien als auch in der Bewältigung von digitalem Stress“, betont Gimpel. Es gehe aber auch darum, digitale Technologien maßvoll und individuell optimiert einzusetzen, Support bereit- und sicherzustellen und beim Design der eingesetzten digitalen Technologien höchsten Wert auf deren Verlässlichkeit zu legen, so der Fachmann weiter. (fp)