Droht durch die Klimaerwärmung ein erneuter Ausbruch der Pest?

Alexander Stindt

Globale Klimaerwärmung könnte Pest zurück nach Europa bringen

Die weltweit zunehmende globale Erwärmung führt dazu, dass Eisschichten an den Polen und der sogenannte Permafrostboden immer weiter abschmelzen. Dies könnte bewirken, dass in Zukunft verschiedene gefährliche Bakterien und sogar die Pest wieder zu einer Gefahr für die Menschheit werden.


Ein Experte der international anerkannten University of Oxford warnte davor, dass die globale Erwärmung zu einem neuen Auftreten der Pest führen könnte, wenn im Eis gespeicherte Bakterien durch das Abschmelzen freigesetzt werden. Somit könnten neue globale Pandemien die gesamte Menschheit bedrohen. Diese These wurde bei dem diesjährigen Cheltenham Literary Festival vorgetragen.

Der Schwarze Tod führte im Mittelalter zum Tod von Millionen von Menschen. Steht uns ein neuer Ausbruch der Pest bevor? (Bild: Andrey Kiselev/fotolia.com)

Bakterien gelangen aus geschmolzenem Eis in die Umwelt

Höhere globale Temperaturen führen dazu, dass Eisschichten und der Permafrostboden weltweit abschmelzen. Dadurch werden Bakterien freigesetzt, welche teilweise schon seit Tausenden von Jahren inaktiv waren. Doch stoppen lässt sich die globale Erwärmung leider nur sehr schwierig. Experten sind der Meinung, dass es mittlerweile keine Möglichkeit mehr gibt, dass die internationale Gemeinschaft das Ziel des Pariser Abkommens erreicht, den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 ° C zu halten.

Warum verbreitete sich die Pest im Mittelalter so stark?

Wenn der Permafrost auftaut und dadurch biologische Wirkstoffe freigesetzt werden, gelangen unter Umständen auch gefährliche Bakterien wieder in das Ökosystem der Erde. Dadurch steigt das Risiko, dass die Weltbevölkerung von Krankheiten betroffen wird, gegen die es keine effektive Behandlung gibt. So könnte auch die Pest wieder auftreten, die bereits im Mittelalter zu Millionen von Toten geführt hat. Typische Symptome der Pest sind beispielsweise Tumore, Fieber, Erbrechen, Atembeschwerden und Hautläsionen. Im. Mittelalter verbreitete sich die Pest so stark, weil eine Erwärmung der Erdatmosphäre um 1,5 Grad vorlag, welche wahrscheinlich aufgrund von Sonneneruptionen oder vulkanischer Aktivität entstand. Dieser relativ geringe Unterschied von eineinhalb Grad erlaubte einer kleinen Mikrobe, sich zum Schwarzen Tod (Pest) zu entwickeln, erklären die Forscher. So entstand eine Pandemie, verursacht durch die Ausbreitung des Bakteriums Yersinia pestis.

Wann trat die Pest auf?

Die Pest wütete besonders zwischen dem Jahr 1347 und dem Jahr 1351, obwohl der erste dokumentierte Fall der Pandemie zwischen dem Jahr 1338 und dem Jahr 1339 in Kirgisistan auftrat. Betroffen waren Gebiete in Europa, Zentralasien und der sogenannten Seidenstraße, was die Pest auch in Gebiete im Nahen Osten brachte.

Wie gelangte die Pest nach Europa?

Der Klimawandel in Asien führte dazu, dass Nagetiere, die mit Pest infizierte Flöhe mit sich führten, von ausgetrockneten Graslandschaften in menschliche Siedlungen wanderten. Diese Flöhe reisten dann auf Handelsschiffen nach Europa, wo die Ausbreitung der Pestbakterien durch die Menschenmengen in städtischen Gebieten unterstützt wurde. Die Meinungen zu den Todesopfern durch die Pest variieren zwar unter den Historikern, aber Schätzungen reichen von 75 Millionen bis 200 Millionen allein in Europa.

Milzbranderreger durch das Auftauen von Permafrost freigesetzt

Die zukünftige Bedrohung durch die Pest ist größer, als die Gefahr durch einen Anstieg des Meeresspiegels oder Dürreperioden, spekuliert Professor Peter Frankopan von der University of Oxford in der englischsprachigen Zeitschrift „The Times“. Natürlich stellen die Einschätzung der Forscher eine Art Worst-Case-Szenario für die zukünftige globale Erwärmung dar, trotzdem gibt es zur Zeit schon Beispiele dafür, warum das Auftauen von Permafrost eine ernsthafte Gefahr für Menschen ist. Im Jahr 2016 starb bereits ein 12-jähriger Junge und über 40 Menschen mussten in Sibirien in Krankenhäuser eingeliefert werden, nachdem sie sich mit Milzbrand infiziert hatten. Milzbrand (Anthrax) ist eine gefährlich Infektionskrankheit. Das vom Erreger produzierte Toxin gilt als hochgiftig. Sporen können Jahrzehnte oder teilweise sogar Hunderte von Jahren überleben.

Infizierter Hirsch im Permafrost war Quelle des Ausbruchs

Damals wurde Anthrax freigesetzt, als Hochsommertemperaturen den Permafrost schmelzen ließen, wodurch ein zuvor jahrzehntelang eingefrorener infizierter Hirsch freigelegt wurde. Da das Tier an Anthrax gestorben war, kontaminierten die zuvor gefrorenen Bakterien Wasser und Boden, wodurch die Erreger in die Nahrungskette gelangten. Dadurch wurden über 1500 Rentiere infiziert und getötet. Einige dieser infizierten Tiere wurden von Menschen in der Gegend verzehrt, dadurch wurden auch diese Personen infiziert. (as)