Ebola-Epidemie im Kongo ist außer Kontrolle

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schlägt Alarm: In der Demokratischen Republik Kongo wütet die größte Ebola-Epidemie, die es im Land jemals gegeben hat, und sie ist außer Kontrolle.


Vor sieben Monaten brach in der Republik Kongo die Seuche aus. Bis jetzt gab es mehr als 900 Fälle, und 600 Menschen sind bereits gestorben. Die Krankheit ist außer Kontrolle und seit Anfang 2019 starben 40 Prozent der Infizierten.

In der neuesten Ebola-Epidemie starben bereits 600 Menschen, und die Seuche ist nicht mehr unter Kontrolle. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Hauptproblem Misstrauen

Laut den Ärzten ohne Grenzen ist das Hauptproblem das Misstrauen. Die medizinischen Mittel seien gegeben, um Ebola umfassend zu bekämpfen, zum Beispiel durch Impfungen. Doch sehr viele Menschen misstrauen diesen Strategien, kommen nicht in die Behandlungszentren und sterben zu Hause an der Seuche sterben, so die Hilfsorganisation.

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Problem Gewalt

Erst letzte Woche mussten die Ärzte ohne Grenzen ihre Arbeit in den am stärksten betroffenen Gebieten Katwa und Butambo in Nord-Kivu einstellen, nachdem sie mit Gewalt angegriffen wurden. Im Februar gab es dutzende von Sicherheitsvorfällen rund um die Ebola-Bekämpfung.

Was sind die Ursachen der Probleme?

In die Ebola-Region fließt viel Geld, um die Seuche zu bekämpfen. Dabei ist die Gegend von Gewalt durchtränkt, vernachlässigt, und es fehlt an elementarer Gesundheitsversorgung. Die Einheimischen vertrauen staatlichen Programmen generell nicht.

Verschwörungswahn

Verschwörungstheorien grassieren. Die Wahlen im Land wurden offiziell wegen dem Ausbruch der Epidemie verschoben, und das stärkte das Gerücht, die Maßnahmen gegen Ebola seien vorgeschoben, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Polizei und Militär sollen die Menschen zwingen, an den Maßnahmen teilzunehmen – und das schreckt die Einheimischen zusätzlich ab.

Was fordern die Ärzte ohne Grenzen?

Die Organisation fordert als erstes ein Ende der Gewalt. Es dürfe kein Zwang ausgeübt werden, um Patienten zu finden und Häuser zu entseuchen. Dann müssten Betroffene und ihre Familien in die Behandlung der Krankheit eingebunden werden. Drittens müssten mehr Impfstoffe zur Verfügung stehen, damit mehr Menschen gegen Ebola geimpft werden könnten.

Ängste ernst nehmen

Ebola löse Angst aus und führe zur Isolation von Patienten, ihren Familien und dem Gesundheitspersonal. Der Umgang mit der Krankheit müsse sich auf die Patienten zentrieren und die Gemeinschaften einbeziehen.

Wie überträgt sich Ebola?

Ebola ist ein Virus. Es ist hoch ansteckend und zwar durch Körperflüssigkeiten: Sperma, Urin, Kot, Speichel oder Erbrochenes. Es überträgt sich nicht durch die Luft wie andere Seuchen und verbreitet sich deshalb nicht so schnell wie zum Beispiel in ihrer Zeit die Spanische Grippe.

Zu tödlich, um sich schnell auszubreiten

Andere können erst angesteckt werden, wenn sich die Symptome zeigen. Dann verschlechtert sich der Zustand der Betroffenen sehr schnell und die Hälfte der Infizierten stirbt.

Mitten im Konfliktgebiet

Ebola lässt sich generell gut eindämmen und die bisherigen Epidemien ließen sich bremsen. Dieses Mal ist es anders, weil die Epidemie jetzt mitten in einer Kampfzone liegt. In der Provinz Nordkivu schwelen Konflikte um Landbesitz und Ressourcen, die immer wieder offen ausbrechen. Allein um die Stadt Beni wurden in den letzten fünf Jahren tausend oder mehr Zivilisten Opfer von Mord und Totschlag, mehr als 250.000 wurden vertrieben. (Dr. Utz Anhalt)