Eine Herzschwäche erhöht deutlich das Risiko für schwere Begleiterkrankungen

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Eine Herzschwäche kommt selten allein

Rund vier Millionen Personen in Deutschland sind von einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) betroffen. Das geschwächte Herz wirkt sich nicht nur auf den Kreislauf aus, sondern auf den gesamten Organismus. Umgekehrt wirken sich Beschwerden in anderen Organen wiederum auf das Herz aus und begünstigen eine Herzschwäche. Herzexpertinnen und Fachärzte erläutern das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Herz und anderen Organen und wie dies zu zahlreichen, zum Teil schweren, Nebenerkrankungen führen kann.


Depressionen, geschwächtes Immunsystem, Nierenerkrankungen und sogar Krebs – Betroffene, die unter einer Herzinsuffizienz leiden, haben ein erhöhtes Risiko für zahlreiche Begleiterkrankungen. Das Herz ist grundlegend für die richtige Funktionsweise lebenswichtiger Organe. Ist das Herz geschwächt, kann das auch Folgen auf andere Körperregionen haben. Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz in Würzburg hat nun führende Herzfachleute eingeladen, um die neusten Erkenntnisse zum Thema Herzschwäche zusammenzutragen.

Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) wirkt sich oft auf andere Organe aus. Ebenso können Schäden in anderen Körperregionen eine Herzschwäche begünstigen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Eine Herzschwäche betrifft den gesamten Körper

Eine Herzschwäche ist schwer zu behandeln, da sie nahezu den gesamten Körper betrifft. Das geschwächte Herz stößt ein kompliziertes Zusammenspiel von Entzündungen, Stoffwechselprozessen und Stresshormonen an, welches sich durch verschiedene Begleiterkrankungen äußern kann. Um diese übergreifenden Prozesse besser zu verstehen, ist das Wissen mehrerer Disziplinen erforderlich. Das Universitätsklinikum Würzburg will nun den Dialog zwischen Grundlagenforschern, Klinikern und Experten aus der Bildgebung fördern, um das Verständnis, die Diagnose und die Therapie der Systemerkrankung Herzinsuffizienz zu verbessern.

Herz und Hirn – ein unzertrennliches Duo

„Ohne ein gesundes Hirn kann das Herz nicht seine Aufgaben erfüllen und umgekehrt“, betont Professor Dr. Jürgen Deckert vom Zentrum für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Würzburg die Beziehung der beiden Organe. Ist eines dieser beiden Organe geschwächt, habe dies auch Auswirkungen auf das andere. So könne beispielsweise psychischer Stress oder ein Schlaganfall eine Herzmuskelschwäche nach sich ziehen. Aber auch ein geschwächter Herzmuskel könne zu Depressionen und Gedächtnisschwäche führen.

Diabetes begünstigt eine Herzschwäche

Ebenfalls berichten die Expertinnen und Experten über das komplexe Zusammenspiel zwischen Diabetes und Herzinsuffizienz. Zum einen begünstigen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht auch das Auftreten einer Herzschwäche. Zum anderen gehe aber auch ein erhöhter Blutzuckerspiegel direkt mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz einher. Dies läge unter anderem an einer vermehrten Einlagerung von Fetten in die Energiekraftwerke (Mitochondrien) der Herzmuskelzellen, sowie an einer krankhaften Vermehrung des Bindegewebes.

Ein geschwächtes Herz begünstigt Krebserkrankungen

Relativ neu ist die Erkenntnis, dass eine Herzschwäche auch mit Krebs in Verbindung steht. „Neue Daten legen nahe, dass Krebserkrankungen bei Patienten mit Herzinsuffizienz häufiger auftreten“, fügt Professor Dr. Rudolf de Boer hinzu. Er ist Expperte für translationale Kardiologie am University Medical Center im niederländischen Groningen und untersucht den Zusammenhang zwischen Herzschäden und Krebserkrankungen.

Wie das Herz das Immunsystem beeinflusst

Menschen mit Herzinsuffizienz haben häufig ein geschwächtes Immunsystem. „Immunzellen durchsetzen unsere inneren Organe wie ein Netzwerk“, berichtet Professor Dr. Matthias Nahrendorf vom Center for Systems Biology an der Harvard University in Boston (USA). Diese Immunzellen schützen im Normalfall das Herz. In manchen Fällen könnten sich diese Zellen aber auch gegen den Organismus wenden und Entzündungen begünstigen. Der Professor sieht in der Immuntherapie, die vorwiegend zur Krebs-Behandlung eingesetzt wird, die Zukunft in der Behandlung der Herzschwäche. „Wenn wir die Mechanismen verstehen, die Entzündung regulieren, ergeben sich neue Therapieoptionen“, erklärt der Experte. Die Immuntherapie für Krebserkrankungen weise hier den Weg.

Herz und Niere: Der eine reißt den anderen mit

Auch zwischen Herz und Nieren besteht eine unzertrennliche Verbindung. So könne eine gestörte Nierenfunktion das Herz und das Gefäßsystem schädigen und eine schwache Herzleistung wiederum zu Schäden in den Nieren führen. Ein Team um Professor Dr. Christoph Wanner führt gerade drei Studien durch, in denen die Salzausscheidung und die Senkung des Plasmavolumens zur Verbesserung der diastolischen Herzinsuffizienz untersucht werden. Auch das Fortschreiten von Nierenerkrankungen könnte so eingedämmt werden.

Neue Hoffnungsschimmer

Schäden am Herzen galten bislang weitgehend als irreversibel. Durch das Zusammenwirken der unterschiedlichen Disziplinen haben sich jedoch neue Wege zur Behandlung der Herzinsuffizienz eröffnet. Neben der bereits erwähnten Immuntherapie gibt es mehrere innovative Behandlungsansätze. So könnte beispielsweise die geringe Regenerationskraft der Herzmuskelzellen durch Stimulation massiv erhöht werden. Darüber hinaus lassen sich nun im Labor gezüchtete Herzmuskelzellen entweder in das Herz injizieren oder als eine Art Pflaster auf das Herz aufnähen. Für weitere Information lesen Sie den Artikel: „Neues Herz-Pflaster stärkt das Herz nach einem Infarkt“.

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Universitäts­klinikum Würzburg: Wenn eine Herzschwäche nicht nur das Herz betrifft, https://www.ukw.de/fileadmin/uk/Forschung/dzhi/PM190619_JointSymposium.pdf (Abruf: 22.06.2019)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.