Entstpannt in den Urlaub gehen – Mit diesen Experten-Tipps die beste Erholung genießen

Volker Blasek

Reif für die Insel? Warum wir alle Urlaub brauchen

Was bedeutet Urlaub und wofür brauchen wir ihn? Dieser Frage geht ein Frankfurter Psychologie Professor nach. Der Experte erläutert, wie ein gut geplanter und bewusst erlebter Urlaub langfristig für eine ausgeglichene Work-Life-Balance sorgen kann. Der Psychologe gibt Tipps, wie die schönste Zeit des Jahres nicht zur Stressfalle wird.


Professor Dr. Nikolai Egold ist Diplom-Psychologe und Leiter der Psychology School an der Hochschule Fresenius in Frankfurt. In einem Wissenschaftsblog der Hochschule Fresenius berichtet er, warum Urlaub so wichtig für uns ist und wie wir den maximalen Nutzen daraus ziehen können. Laut dem Experten ist nämlich eine fünf Tage Woche bei dem Großteil der arbeitenden Bevölkerung nur noch in der Theorie vorhanden. Längst haben Doppelbelastungen durch die Erziehung oder Pflege sowie die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung die Bereiche zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen lassen.

Sommer, Sonne, Strand und Meer – der Urlaubstraum vieler Personen. Ein Psychologie-Professor berichtet, warum wir alle so dringend Urlaub brauchen und wie wir den besten Erholungseffekt daraus ziehen können. (Bild: Thaut Images/fotolia.com)

Rund um die Uhr erreichbar

Fünf Tage Arbeit, zwei Tage frei – so sieht die Arbeitsauslastung vieler Berufstätiger auf dem Papier aus. „Entscheidend ist dabei nicht die offizielle oder gesetzlich geregelte Arbeitszeit“, berichtet der Fresenius-Experte. Laut dem Statistischen Bundesamt würden durchschnittlich elf Prozent aller Vollzeiterwerbstätigen mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten. Hinzu komme die freiwillige Arbeitszeit, die im Zuge der zunehmenden Digitalisierung von zu Hause aus geleistet wird. Viele Arbeitenden antworten in der Freizeit auf berufliche E-Mails und Anrufe, auch an Wochenenden oder nach dem Feierabend.

Das Märchen von der Fünf-Tage-Woche

Nach Angaben der Hochschule Fresenius sind fast die Hälfe aller berufstätigen Frauen (46,5 Prozent) in Teilzeit angestellt und erledigen gleichzeitig die Aufgaben von Kinderbetreuung und im späteren Lebensalter die Pflege von Angehörigen. Dies seien Doppelbelastungen, die auch an den Wochenenden fortzuführen sind. Somit trifft nach Meinung des Psychologen die Vorstellung einer Fünf-Tage-Woche heute nur für einen geringen Teil der Erwerbstätigen zu, der vorwiegend männlich ist.

Wirklich mal abschalten

„Im Urlaub haben wir die Gelegenheit, von einer echten Erholung zu profitieren, sofern berufsbezogene Tätigkeiten auf ein Minimum reduziert und die Erreichbarkeit nur in Notfällen genutzt wird“, erläutert Egold. Wichtig dabei sei, wirklich mal abzuschalten, um bewusst genießen zu können. Urlaub sei essentiell für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit.

Den Urlaub nicht zur Stressfalle machen

Einfach mal abschalten? Leichter gesagt, als getan. Was können wir im Urlaub tun, um die Seele baumeln zu lassen? Einen Berg erklimmen? Auf Safari gehen? Oder auf Balkonien faulenzen? Nach Meinung des Psychologen ist es nicht entscheidend was wir machen, sondern wie. Dabei gebe es zwei entscheidende Aspekte, die für einen erholsamen Urlaub förderlich sind.

Eine gute Vorbereitung verhindert unnötigen Stress

Eine gute Vorbereitung fördert bereits im Vorfeld die Vorfreude auf den Urlaub und reduziert auch den Stress, der durch Unerledigtes mit in den Urlaub genommen wird. Wer sich noch eben schnell ein Bahnticket kaufen muss, ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung buchen oder die Versorgung der Haustiere regeln muss, gerät schnell in unnötigen Stress, der den Erholungseffekt mindert.

Keine unrealistischen Erwartungen haben

Nach Meinung der Psychologen ist eine bewusste Vorfreude sehr wichtig. Hierbei seien unrealistische Erwartungen zu vermeiden, um nicht enttäuscht zu werden. Beispielsweise sollte man nicht zu viele romantische Stunden zu zweit erwarten, wenn man mit Kindern in den Urlaub fährt, so der Fresenius-Experte.

Weniger ist mehr

Ebenso könnten zu viele vorgenommene Unternehmungen in Stress ausarten. Im Urlaub sollte nicht der selbe Termindruck entstehen, wie es oft am Arbeitsplatz der Fall ist. Urlaub bedeute auch, sich frei, spontan und stimmungsabhängig für eine Aktivität entscheiden zu können. Dennoch könne es nicht schaden, sich im Urlaub auch mal einer unbekannten Herausforderung zu stellen, wie etwa ein neues Gebiet zu erkunden oder eine neue Sportart auszuprobieren. Hierdurch könnten kognitive Ressourcen aufgebaut werden, so Egold.

Wie erkennt man, dass man urlaubsreif ist?

Der Psychologie-Professor erklärt, dass Menschen ein sehr individuelles und unterschiedliches Empfinden von Belastungen haben. Grundsätzlich ist Urlaub immer dann ratsam, wenn das Gefühl bei der Arbeit entsteht, dass man nur noch gefordert wird und man unter erhöter Reizbarkeit, Müdigkeit oder ständiger Erschöpfung leidet. Auch wenn man keine Freude oder Zufriedenheit mehr durch die Arbeit empfindet, ist es höchste Zeit für die Insel.

Wie viel Urlaub braucht der Mensch?

Egold berichtet von Studien, die eine erhöhte Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit von bis zu vier Wochen in Anschluss des Urlaubes ermittelt haben. Diese Steigerung sei aber eher gering. Erstaunlicherweise habe die Dauer des Urlaubs keinen großen Effekt auf die anschließenden positiven Effekte. Nach Meinung des Experten ist somit ein längerer Urlaub gepaart mit mehreren kleineren Auszeiten die optimale Mischung zur Erholung, damit die positiven Effekte möglichst oft im Jahr wiederholt werden können. (vb)