Ernährung nimmt bislang unbekannten Einfluss auf die Brustkrebs-Ausbreitung

Brustkrebs benötigt eine bestimmte Aminosäure zur Ausbreitung

Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass unsere Nahrung einen erheblichen Einfluss auf das Wachstum und die Ausbreitung von Krebs hat. Forscher fanden jetzt heraus, dass Brustkrebstumore besonders Asparagin zur Ausbreitung im Körper benötigen. Diese Aminosäure ist in in vielen Lebensmitteln enthalten, wie beispielsweise Geflügel, Meeresfrüchten und Spargel.


Die Wissenschaftler der international anerkannten University of Cambridge und des Howard Hughes Medical Institute stellten bei ihrer gemeinsamen Untersuchung fest, dass die Ausbreitung von Tumoren bei Brustkrebs durch eine bestimmte Aminosäure begünstigt wird. Es handelt sich dabei um Asparagin. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Nature“.

Die Ausbreitung von Metastasen bei Brustkrebs wird durch die Aminosäure Asparagin gefördert, welche in vielen Lebensmitteln enthalten ist. (Bild: WavebreakMediaMicro/fotolia.com)

Brustkrebs ist bei Frauen weitverbreitet

Brustkrebs ist eine gefährliche Erkrankung, welche viele Frauen im Laufe ihres Lebens betrifft. Um genauer zu sein: Brustkrebs ist die am häufigsten auftretende bösartige Krebserkrankung bei Frauen. Es gibt glücklicherweise in der heutigen Zeit viele effektive Möglichkeiten, um der Erkrankung Einhalt zu gebieten. Zu diesen gehören beispielsweise Chemotherapien, Operationen und Behandlungen mit Antikörpern.

Asparagin hilft den Tumoren zu streuen

Durch diese Arten der Behandlung versuchen Mediziner nicht nur den Krebs zu vernichten, sondern auch die Ausbreitung von Brustkrebs im Körper der betroffenen Frauen zu verhindern. Bei einer Ausbreitung entstehen lebensgefährliche Metastasen in verschiedenen Teilen des Körpers, welche dann zum Tod führen können. Solche Metastasen können beispielsweise das menschliche Gehirn oder die Lunge betreffen. Um sich erfolgreich auszubreiten, produziert Brustkrebs dabei eine bestimmte Aminosäure. Um so effektiver der Brustkrebs die Aminosäure Asparagin herstellt, um so mehr streuen die Tumore im Körper, erklären die Forscher.

Welche Lebensmittel enthalten Asparagin?

Asparagin wird vom menschlichen Körper ganz natürlich produziert. Es ist aber auch möglich diese Aminosäure über die Nahrung zu sich zu nehmen. Weil Asparagin in vielen Lebensmitteln enthalten ist, nehmen wir die Aminosäure nahezu jeden Tag zu uns. Geflügel, Meeresfrüchte, Spargel, Kartoffeln, Milchprodukte und Soja sind nur einige der Nahrungsmittel, in denen die Aminosäure vorkommt.

Was passiert wenn dem Brustkrebs das Asparagin entzogen wird?

Bei der aktuell an Mäusen mit einer aggressiven Form von Brustkrebs durchgeführten Studie untersuchten die Wissenschaftler was passiert, wenn dem Körper Asparagin entzogen wird. Bei dem Brustkrebs handelte es das sogenannte triple-negative Mammakarzinom. Diese Art von Tumor ist nur sehr schwer zu behandeln, weil sie nicht auf die normal verwendeten Hormontherapien reagiert. Die infizierten Tiere wären normalerweise innerhalb von einigen Wochen verstorben, weil sich die Tumore im ganzen Körper ungehindert ausgebreitet hätten, erläutern die Mediziner. Wenn die Labormäuse allerdings eine Ernährung mit nur wenig Asparagin einnahmen oder bestimmte Medikamente erhielten, welche Asparagin blockierten, hatte der Tumor Schwierigkeiten, sich im Körper weiter auszubreiten.

Krebs ist auf Bestandteile der Ernährung angewiesen

Bereits im vergangenen Jahr zeigten die Ergebnisse einer Untersuchung der Universität Glasgow, dass die Aminosäuren Serin und Glycin die Entwicklung von Lymphomen und Darmkrebs verlangsamen können. Es gibt also vermehrt Belege dafür, dass bestimmte Krebsarten von speziellen Bestandteilen unserer Ernährung abhängig sind, erläutert Studienautor Professor Greg Hannon von der University of Cambridge. In Zukunft hoffen die Mediziner, dass sie durch die Veränderung der Ernährung oder durch den Einsatz von Medikamenten den Zugang der Tumorzellen zu diesen Nährstoffen verändern können. Dies könnte die Therapieergebnisse erheblich verbessern, mutmaßen die Experten.

Reduzierung von Asparagin bewirkt Bildung von weniger Metastasen

Ein anfänglicher Tumor ist nur selten tödlich. Wenn sich der Krebs zunehmend im Körper ausbreitet und metastasiert, kann die Erkrankung allerdings schnell tödlich enden. Eine Krebszelle muss große Veränderungen durchmachen, um sich schließlich im Körper zu verbreiten. Die Zelle muss sich vom Haupttumor abspalten, im Blutkreislauf überleben und an einer anderen Stelle im Körper gedeihen. Für diesen Prozess scheint Asparagin sehr wichtig zu sein. Wird die Verfügbarkeit von Asparagin im Körper verringert, hat dies zwar keinen direkten Einfluss auf den ursprünglichen Tumor, es bilden sich aber durch die Reduzierung weniger Metastasen, erklärt Professor Hannon.

Weitere Forschung ist nötig

Zukünftige Untersuchungen müssen jetzt herausfinden, ob die bei den Mäusen festgestellten Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Asparagin auch auf den Menschen zutreffen. Wenn sich die Ergebnisse der aktuellen Studie auch beim Menschen bestätigen, könnte dies zu neuen Möglichkeiten der Therapie führen. Es ist zwar schwer, komplett auf die Aminosäure zu verzichten, doch könnten Patienten zum Beispiel spezielle Getränke erhalten, welche zwar ernährungsphysiologisch ausgewogen sind, aber kein Asparagin enthalten, sagen die Forscher. Die Ergebnisse der Untersuchung sollten jetzt aber nicht dazu führen, dass Patienten bestimmte Nahrungsmittelgruppen vollständig aus ihrer Ernährung verbannen, ohne zuvor mit ihren Ärzten darüber zu sprechen, erklären die Experten weiter. Patienten sollten sich einfach gesund und abwechslungsreich ernähren.

Bei Leukämie verwendetes Medikament könnte helfen

Möglicherweise könnte auch das Medikament mit der Bezeichnung L-Asparaginase in Zukunft für die Behandlung von Brustkrebspatienten eingesetzt werden. L-Asparaginase wird zu Zeit zur Behandlung von akuter lymphatischer Leukämie verwendet, welche ebenfalls Asparagin benötigt. (as)