Erstmals Professur für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Baden-Württemberg

Sebastian Bertram
Das Land Baden-Württemberg und Robert Bosch Stiftung schaffen einen neuen Lehrstuhl an der Universität Tübingen mit Sitz am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus

Die Universität Tübingen richtet eine neue Professur für Naturheilkunde und Integrative Medizin ein, die ihren Sitz am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) haben wird. Das gaben heute das Land Baden-Württemberg, die Robert Bosch Stiftung GmbH, das Robert-Bosch-Krankenhaus und die Universität Tübingen bekannt.

Anders als die Pflanzenheilkunde ist die Homöopathie eigentlich nicht der Naturheilkunde zuzurechnen. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

In den ersten fünf Jahren trägt die Robert Bosch Stiftung die Kosten der Profes- sur, zu der auch ein Team aus Nachwuchswissenschaftlern und erhebliche Forschungsmittel gehören. Das Land stellt die langfristige Finanzierung sicher. Damit wird eine Ankündigung aus der Koalitionsvereinbarung umgesetzt.

Ministerin Theresia Bauer: „Naturheilkunde und komplementäre Behandlungsmethoden werden von vielen Menschen ganz selbstverständlich genutzt, beispielsweise zur Ergänzung konventioneller Therapieangebote. Die neue Professur soll die alternativen Verfahren und Methoden wissenschaftsgeleitet erforschen und wird damit einen Beitrag leisten, Potenziale zu heben.“

„Die Erforschung und Lehre komplementärmedizinischer Methoden sind ein wichtiger Baustein zur Erhöhung der Patientensicherheit sowie zur festen Veranke- rung entsprechender Therapieangebote in der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Ein breites Therapieangebot, das auch Naturheilkunde und Komplementärmedizin umfasst, ist den Menschen im Land sehr wichtig. Die Einrichtung des neuen Lehrstuhls in Tübingen begrüße ich daher sehr“; betonte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha.

Mit dem neuen Lehrstuhl werden Naturheilkunde und Integrative Medizin künftig fester Bestandteil des Studienangebotes an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. Am Stuttgarter RBK soll der Nutzen von gemeinsamen Therapien aus Naturheilkunde und Schulmedizin weiter erforscht werden und den Pati- enten zu Gute kommen. „Schon unser Stifter Robert Bosch verfolgte das Ziel, Schulmedizin und naturheilkundlichen Verfahren in einer umfassenden Heilkunde zu vereinen“, sagt Prof. Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung. „Das Umfeld am Robert-Bosch-Krankenhaus mit dem 2016 gegründeten Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) und der seit 2015 bestehenden klinischen Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin bietet dafür hervorragende Rahmenbedingungen.“

Maßgeschneiderte Therapien für Tumorpatienten

Sogenannte sanfte oder natürliche Methoden können schwere Krankheiten wie etwa Krebs alleine nicht heilen. Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen aber, dass sie häufig zu Therapieerfolgen beitragen, da sie den Patienten helfen, schulme- dizinische Therapien gut zu überstehen. So können beispielsweise die teils schweren Nebenwirkungen einer Chemotherapie oder Bestrahlung gemindert und die Lebensqualität verbessert werden. Beispiele wissenschaftlich belegter Anwendungen sind Akupunktur, Akupressur oder auch Kneippsche Wickel. Die Entwicklung solcher maßgeschneiderten Therapien aus Schul- und Komplemen- tärmedizin, insbesondere für Tumorpatienten, ist das Ziel des neuen Lehrstuhls für Naturheilkunde und Integrative Medizin. (sb, pm)