Fasten kann bei einer Krebstherapie helfen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Kurzzeitfasten kann Chemotherapie wirksamer machen und Lebensqualität verbessern/Forschungsergebnisse zur Wirkung des Fastens bei Krebspatienten

Kurzzeitfasten verbessert offenbar die Lebensqualität von Frauen während der Chemotherapie und lässt sie die Therapie besser vertragen. Das ist das Ergebnis einer Pilotstudie eines Berliner Ärzte-teams um Stephan P. Bauersfeld und Professor Dr. med. Andreas Michalsen mit 50 Patient-innen mit Brust- oder Eierstockkrebs. (BMC Cancer 2018, 18: 476).

Die Frauen begannen 36 Stunden vor Beginn der Chemotherapie und beendeten das Fasten 24 Stunden nach Ende der Chemotherapie, bestehend aus sechs Behandlungszyklen. Während des Fastens durften die Patientinnen jeden Tag Wasser, Kräutertee sowie Gemüsesaft und Gemüsebrühe mit höchstens 350 Kilokalorien (kcal) zu sich nehmen. Laut Studie vertrugen die Frauen das Kurzzeitfasten gut, die Lebensqualität war weniger stark beeinträchtigt als in der Vergleichsgruppe ohne Fasten. Zudem sei während der ersten Woche nach der Chemotherapie eine Fatigue vermindert worden.

Fasten kann bei einer Krebstherapie helfen. (Bild: Johanna Mühlbauer/fotolia.com)

Schon 2015 war eine Pilotstudie aus Berlin zu dem Ergebnis gekommen, dass kurzzeitiges Fasten sicher ist und Nebenwirkungen am Blutbild abschwächen kann. Bei den fastenden Frauen hatten sich z. B. die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) schneller erholt. (de Groot S et al./BMC Cancer 2015). Nach den positiven Ergebnissen der Pilotstudie läuft derzeit eine randomisierte Folge-studie „Neue Ernährungsformen begleitend zur Chemotherapie bei gynäkologischen Krebserkrankungen“.

Fasten individuell prüfen

In der Naturheilkunde hat sich das Fasten als „Heilfasten“ im Sinne einer Reinigung und Ent-giftung des Körpers bewährt. Es kann auch als Umstellung auf eine gesunde Ernährung sinnvoll sein, auch und gerade für Krebspatienten. „Ob Fasten bei einer Krebserkrankung hilfreich ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab“, sagt Dr. med. György Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesell-schaft für Biologische Krebsabwehr e. V. (GfBK) in Heidelberg. Bei stark ausgeprägter körperlicher Schwäche oder Gewichtsabnahme rät die GfBK eher vom Fasten ab. „Eine Fastenkur, die länger als vier Tage dauert, bedarf auch bei Gesunden einer professionellen Begleitung, bei Krebspatienten erst recht.“

Hilfreiches Intervallfasten

Dr. med. Anette Jänsch, Mitautorin der Berliner Studie von 2018, hält das Intervallfasten für eine sinnvolle Ergänzung zum Kurzzeitfasten. Dabei wird eine Essenspause von 14 bis 16 Stunden eingehalten, etwa zwischen Abendessen und Frühstück. Die Ärztin wird auf dem 19. Patienten-Arzt-Kongress der GfBK am 18. und 19. Mai 2019 in Heidelberg das Thema „Fasten und gesunde Ernährung bei belastenden Therapien“ beleuchten. Die Wirkung längerer nüchterner Phasen hatten Forscher aus San Diego an 2413 Brustkrebspatientinnen in der „Women’s Healthy Eating and Living“-Studie untersucht (Marinac CR et al./JAMA Oncol 2016). Das Ergebnis: Bei Frauen, die länger schlafen und mehr als 13 Stunden nüchtern sind, war im Frühstadium das Risiko um 36 Prozent reduziert, erneut an Brustkrebs zu erkranken.

Kann kurzzeitiges Fasten Krebstumoren schrumpfen lassen?

Krebszellen scheinen durch Fasten angreifbarer zu werden. In Tierversuchen zeigte ein Forscherteam um Prof. Valter Longo in Los Angeles, dass Chemotherapie bei Mäusen wirksamer war, wenn sie zwei bis drei Tage vorher nichts zu fressen bekamen (Lee C et al./Science Trans-lational Medicine 2012). Grund ist laut Valter Longo die „differentielle Stressresistenz“. Gesunde Zellen und Tumorzellen reagieren unterschiedlich auf den Zuckermangel bei einer längeren Kalorienreduktion. „Eine gesunde Körperzelle ist evolutionsgemäß auf Hungerzeiten eingerichtet und verlangsamt dann ihren Zellteilungszyklus. Sie wechselt sozusagen in den Sparmodus und zeigt sich stressresistent“, sagt Dr. med. Annette Jänsch. Tumorzellen hingegen reagieren auf Zuckermangel mit Stress und seine leichter durch Chemotherapeutika angreifbar.

Dr. med. Annette Jänsch hält auf dem 19. Patienten-Arzt-Kongress „Selbstbestimmt entscheiden“ (18. und 19. Mai 2019) zwei Vorträge:

1. „Fasten und neue Ernährungsstrategien während Chemotherapie bei Patientinnen mit Brustkrebs“, 18.05.2019, 16.45-17.30 Uhr

2. „Fasten und gesunde Ernährung bei belastenden Therapien“ 19.05.2019, 15.00-15.30 Uhr
Link zur Kongress-Webseite: https://www.biokrebs-kongress.de/referenten/dr-med-annette-jaensch