Fliegen sind häufig Überträger antibiotikaresistenter Bakterien

Fliegen als Überträger antibiotikaresistenter Keime

Die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen stellen das Gesundheitswesen vor eine immer größer werdende Herausforderung. Das Problem muss unbedingt bald unter Kontrolle gebracht werden, sonst könnte es laut Experten in den kommenden Jahrzehnten zu Millionen Toten kommen. Forscher haben nun Hinweise darauf gefunden, dass auch Fliegen bei der Übertragung antibiotikaresistenter Keime eine wichtige Rolle spielen könnten.


Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

„Es kann niemanden kalt lassen, dass immer mehr Menschen weltweit an Keimen sterben, die gegen Antibiotika resistent sind“, hatte der damalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe im vergangenen Jahr erklärt. „Wir müssen Antibiotika-Resistenzen entschlossen bekämpfen – national und international.“ In der Tat haben in den vergangenen Jahren immer mehr Regierungen und Experten bekannt gegeben, den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen verstärken zu wollen.Helfen dabei können womöglich auch neue Erkenntnisse von Forschern, die Hinweise darauf gefunden haben, dass auch Fliegen bei der Übertragung antibiotikaresistenter Keime eine wichtige Rolle spielen könnten.

Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass Fliegen bei der Übertragung antibiotikaresistenter Keime eine wichtige Rolle spielen könnten. Die Insekten nehmen Antibiotika über Schlachtabfälle und den Kot von Nutztieren auf. (Bild: jarun011/fotolia.com)

Fliegen nehmen Antibiotika über Ausscheidungen von Nutztieren auf

Kuhfladen, Schweinemist, Schlachtabfälle – was für den Menschen eher unappetitlich daherkommt, ist für so manche Fliege im wahrsten Sinne ein gefundenes Fressen, heißt es in einer Mitteilung der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster.

Allerdings werden gerade in der Tiermast viele Antibiotika verwendet, die resistente Keime entstehen lassen.

Genau diese nehmen über die Ausscheidungen der Nutztiere auch die Insekten auf. Da Fliegen ebenfalls Kontakt zu Menschen haben, sind sie so ein „idealer“ Überträger von Erregern.

Wissenschaftler der Universität Münster haben daher nun gemeinsam mit einem internationalen Team die Bedeutung der Schmutzfliege bei der Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien genauer beleuchtet.

In zwei Treffen in Amsterdam und Wien diskutierten sie alle bisher verfügbaren Forschungsarbeiten zum Thema und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Travel Medicine and Infectious Disease“.

Naheliegender Zusammenhang

Schon 2016 hatte eine münstersche Studie gezeigt: In der ländlich geprägten Region sind bis zu 20 Prozent aller Fliegen mit resistenten Keimen wie Escherichia coli (ESBL-produzierende E.-coli) besiedelt, die beim Menschen beispielsweise starke, schwer zu behandelnde Infektionen auslösen können.

„Mit unserer damaligen Arbeit konnten wir nachweisen, dass die Bakterien der untersuchten Fliegen häufig dieselben Resistenzgene trugen wie die Bakterien bei unseren Patienten“, erklärt Prof. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie.

„Da lag ein Zusammenhang nahe – der bis dahin aber noch nicht sicher belegt war.“

Alle verfügbaren Forschungsergebnisse zusammengetragen

Um der Frage nach der Rolle von „filth flies“ („Schmutzfliegen“) – also Fliegen, die Exkremente und verrottendes Material zur Ernährung sowie zur Eiablage nutzen – als Überträger auch anderer antibiotikaresistenter Keime weiter nachzugehen, trafen sich Mikrobiologen, Infektiologen sowie Veterinärmediziner und Entomologen (Insektenexperten) zu Workshops in Amsterdam und Wien.

Die Experten – unter anderem aus Gabun, Kanada und Dänemark – trugen alle bisher verfügbaren Forschungsergebnisse zusammen und diskutierten sie interdisziplinär – mit klarem Ergebnis:

„Auf Fliegen sind sämtliche Antibiotikaresistenzen nachzuweisen, vor denen sich Mediziner heute fürchten. Dazu gehört beispielsweise der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus – besser bekannt als der gefürchtete „Krankenhauskeim“ MRSA“, so Workshop-Leiter Schaumburg.

„Außerdem konnten wir nachweisen, dass die antibiotikaresistenten Bakterien von Fliegen, Menschen und Tieren nahezu identisch sind. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass Fliegen bei der Verbreitung eine wichtige Rolle spielen.“

Vor voreiligen Schlüssen warnt der Mikrobiologe dennoch: „Es braucht noch viel Forschungsarbeit, um zu prüfen, welchen Anteil resistente Erreger von Fliegen tatsächlich bei den Infektionszahlen in Krankenhäusern und Arztpraxen haben. Schon jetzt werden wir uns aber auch mit wirksamer, ökologisch sinnvoller Schädlingsbekämpfung beschäftigen müssen.“ (ad)