Frühe Handy- und Tablet-Nutzung führt zu Lernschwächen und schlechten Schulleistungen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wie gesund sind neue Medien im Kinderzimmer?

Die neuen Bildschirm-Medien wie Smartphones und Tablets sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Unklar ist allerdings immer noch, wie sich Handy und Co auf die Entwicklung von Heranwachsenden auswirken. Erste Ergebnisse einer deutschen Langzeitstudie haben hierzu weniger gute Neuigkeiten zu melden. Offenbar ist eine frühe Nutzung von Smartphones und ähnlichen Mediengeräten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für spätere Lernschwierigkeiten und schlechtere Schulleistungen verbunden.


Professor Wieland Kiess ist der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Er untersucht mit Kollegen im Rahmen der Langzeitstudie LIFE Child die Auswirkungen der modernen Mediennutzung bei der Entwicklung von rund 5.000 Kindern in Deutschland. Dabei werden Faktoren wie Gesundheit, Schlafverhalten, Stoffwechselvorgänge und das Körpergewicht berücksichtigt.

Laut der deutschen LIFE Child-Studie an rund 5.000 Kindern geht eine frühe Smartphone-Nutzung mit einem höheren Risiko für Lernschwächen einher. (Bild: HERRNDORFF/fotolia.com)

Lernschwierigkeiten und schlechte Ergebnisse in Mathematik

Die LIFE Child-Studie läuft bereits seit sieben Jahren. inzwischen zeichnen sich die ersten Ergebnisse ab: „Wenn Kinder schon sehr früh mit Smartphones, Tablets oder anderen Bildschirmen für mehrere Stunden allein gelassen werden, zeigen sich später Lernschwierigkeiten und vor allem schlechtere Ergebnisse in Mathematik“, berichtet Professor Kiess in einer Pressemitteilung zu den vorläufigen Studienergebnissen.

Eltern haben große Vorbildfunktion

Kiess zufolge haben hier insbesondere die Eltern eine hohe Vorbildfunktion, denn die Kinder orientieren sich bei der Frequenz der Nutzung von Mediengeräten am Verhalten der Eltern. So zeigte sich, dass bei Kindern eine erhöhte Smartphone-Nutzung vorliegt, wenn die Mutter ebenfalls häufig zum Handy greift.

Zahl der jungen Nutzer stark gestiegen

„Dabei sehen wir in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Anstieg sowohl der Medienzeit als auch der Geräteanzahl“, betont der Kinderarzt. Die derzeitigen Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits jedes vierte Kind im Alter von acht Jahren ein eigenes Smartphone besitzt. Im Alter von 14 Jahren besitzen nicht nur alle Heranwachsenden ein Smartphone – sie haben auch durchschnittlich Zugriff auf drei bis vier verschiedene Geräte.

Nutzungszeiten steigen stark an

„Wenn wir zudem nach der Nutzungsdauer fragen, kommen wir bei den 14-Jährigen auf fünf Stunden Bildschirmzeit pro Tag, wobei die Jugendlichen auch angeben, nur 30 Minuten täglich mit dem Handy offline zu sein“, fasst Kiess zusammen. Im Zusammenhang mit den langen Nutzungszeiten der neuen Medien konnten die Forschenden bereits mehrere Gesundheitseinschränkungen feststellen. So würden die Kinder später einschlafen, hätten generell eine schlechtere Schlafqualität und seien morgens unausgeschlafener. Dies beeinflusse wiederum das Gehirn, die Aufmerksamkeitsspanne und die Entwicklung des Körpergewichts.

Ein guter Umgang mit den Medien ist noch nicht gefunden

„Unsere Erkenntnisse zeigen, wie wichtig es gerade heute ist, solche Daten zu sammeln und auszuwerten“, betont Professor Kiess. Denn bis heute sei noch unklar, welche Auswirkungen Bildschirmmedien auf die Kindesentwicklung haben und welcher Umgang damit ratsam ist. Ärzte, Eltern und Lehrer müssten auf einer guten Basis zu diesem Thema beraten werden.

Viele offene Fragen

Auch wenn es bereits erste Erkenntnisse gibt, seien viele Fragen noch offen, so der Experte. Man wisse zum Beispiel immer noch nicht, ob die neuen Bildschirmmedien das Sehvermögen schädigen oder ob der frühe Zugang zu pornografischen Inhalten bei fehlenden realen Erlebnissen das Sexualverhalten beeinflusst. (vb)