Gegen Kopfschmerzen helfen oft auch sanfte Methoden

Frau praktiziert Yoga im Büro

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Behandlung ohne Medikamente: Sanfte Methoden gegen Kopfschmerzen

Einer Untersuchung zufolge nimmt etwa jeder zehnte Deutsche täglich mindestens eine Kopfschmerztablette. Die regelmäßige Einnahme solcher Medikamente kann Kopfschmerzen aber sogar noch verschlechtern. Gesundheitsexperten zufolge lassen sich die Schmerzen bei vielen Betroffenen auch mit sanften Methoden beheben.


Bei Kopfschmerzen erfolgt leider viel zu schnell der Griff zur Schmerztablette. Nichtmedikamentöse Maßnahmen, die die Anfallshäufigkeit nachgewiesenermaßen verringern, werden hingegen oft nicht konsequent eingesetzt, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Mitteilung. Dabei ist bekannt, dass Ausdauersport, Entspannungstechniken und Stressbewältigung gegen Spannungskopfschmerz und Migräne helfen. Zudem kann das Vermeiden von Triggern die Anfallshäufigkeit senken. Dadurch lässt sich die Medikamenteneinnahme bei vielen Betroffenen auf ein „gesundes“ Maß reduzieren.

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Kopfschmerzen müssen längst nicht immer mit Medikamenten behandelt werden. Betroffenen können oft auch sanfte Methoden wie Entspannungsverfahren helfen. (Bild: seventyfour/fotolia.com.)

Spannungskopfschmerzen und Migräne sind die häufigsten Kopfschmerzarten

Kopfschmerzen sind weit verbreitet – wenn sie häufig auftreten oder bereits chronisch sind (das bedeutet, dass sie über drei Monate lang an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten), sollten sie ärztlich abgeklärt werden. In der Regel stehen die Schmerzen zwar für sich (man spricht vom idiopathischen Kopfschmerz), aber manchmal können sie auch Symptom einer anderen Erkrankung sein.

Das kann ein Hausarzt oder Neurologe feststellen und natürlich auch, unter welcher Kopfschmerzart man leidet. Das ist wichtig, weil Kopfschmerzen nicht alle gleichbehandelt werden. Was bei der einen Kopfschmerzart hilft, wirkt bei der anderen nicht. Daher ist die korrekte Diagnose wichtig.

Damit der Arzt die stellen kann, ist es ratsam, den Schmerz zu dokumentieren (Ist er stechend oder dumpf? Geht er mit Übelkeit einher? Wie häufig tritt er auf und in welchen Situationen? Wie oft wurden Schmerzmedikamente eingenommen? Etc.). Laut der DGN sind der Spannungskopfschmerz und die Migräne die häufigsten Kopfschmerzarten. Von letzterer ist allein jede fünfte Frau und fast jeder zwölfte Mann betroffen.

Kopfschmerzen durch zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln

Den Angaben zufolge tritt der chronische Spannungskopfschmerz mit zunehmendem Lebensalter häufiger auf, Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Als Ursache werden das Zusammenspiel einer verhärteten Nackenmuskulatur und Stress vermutet, dafür spricht auch, dass die Erkrankungsrate in den Industrienationen höher als in Entwicklungsländern ist.

Chronisch ist der Spannungskopfschmerz, wenn er an über 15 Tagen im Monat auftritt, was bei etwa drei Prozent der Bevölkerung der Fall ist. Weniger häufig sind sogar 40 bis 90 Prozent der Bevölkerung betroffen. Umso wichtiger ist zu wissen, was hilft. Die meisten Menschen greifen schnell zu freiverkäuflichen Schmerzmitteln, die auch in der Regel schnell Linderung verschaffen, allerdings einen „Pferdefuß“ haben: Wenn sie zu oft eingenommen werden (über ein Vierteljahr mehr als zehnmal im Monat), verursachen sie selbst Kopfschmerzen.

„Daher lohnt es sich, auch nichtmedikamentöse Maßnahmen auszuprobieren, zumal bekannt ist, dass die Kombination aus pharmakologischer Therapie und Stressbewältigungstraining erfolgreicher ist als die alleinige Einnahme von Tabletten“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, ein international renommierter Kopfschmerzexperte und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

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Biofeedback-Therapie und Entspannungstechniken wirken

Die Leitlinien stufen die sogenannte EMG-basierte Biofeedback-Therapie als wirksam ein, ebenso wie Entspannungstechniken (PMR) und Verhaltenstherapie. Wirksam seien wahrscheinlich auch Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie.

„Diese Verfahren zeigen erst langfristig Wirkung, aber auch in der Akutsituation gibt es eine Alternative für Schmerztabletten: Vielen Menschen mit Spannungskopfschmerzen hilft es, wenn sie großflächig auf Nacken und Schläfen Pfefferminzöl auftragen.“ Ein weiteres bekanntes Hausmittel bei Kopfschmerzen ist Kaffee mit Zitrone. Trinken Sie eine Tasse Espresso mit dem Saft einer halben Zitrone, aber ohne Süßungsmittel.

Allerdings ist es nicht bei allen Patienten in jeder Situation möglich, Schmerzmittel wegzulassen, aber wichtig sei, durch begleitende nichtmedikamentöse Maßnahmen die Anfallshäufigkeit zu reduzieren, damit eine Schmerzmitteleinnahme nicht an mehr als zehn Tagen im Monat erforderlich wird. „Denn alles, was darüber hinaus geht, kann in einen Teufelskreis führen“, so Prof. Diener.

Bei besonders schweren Fällen kann auch eine medikamentöse Dauertherapie notwendig werden, jedoch dann nicht mit Schmerzmitteln, sondern mit anderen Medikamenten. Als wirksam gegen Kopfschmerzen des Spannungstyps hat sich zum Beispiel die Dauertherapie mit Amitriptylin erwiesen, einer Substanz, die eigentlich der Klasse der Antidepressiva angehört.

Bekannte Trigger meiden

Auch in der Migränetherapie gibt es das Problem, dass Medikamente gegen Kopfschmerzen zu Kopfschmerzen führen. Sogenannte Triptane, bewährte Migränemedikamente, können bei mehr als zehn Einnahmetagen/Monat über mindestens drei Monate einen Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz auslösen.

„Daher sollten Menschen mit Migräne alles daran setzen, die Anzahl der Migräneanfälle zu reduzieren, indem sie die ihnen bekannten Auslöser („Trigger“) meiden und die in den Leitlinien empfohlenen nicht-medikamentösen Maßnahme zur Anfallsprophylaxe ernst nehmen und konsequent umsetzen, und zwar: regelmäßig Ausdauersport zu treiben“, sagt Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

„Die medikamentöse Therapie soll durch nicht medikamentöse Verfahren der Verhaltenstherapie (z.B. Entspannungsverfahren) ergänzt werden“, heißt es in der Leitlinie zur „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ der DGN. Das sieht auch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) so: „Neben medikamentösen und interventionellen Verfahren bestehen zur Behandlung der Migräne nicht medikamentöse Möglichkeiten, die überwiegend der Verhaltenstherapie entstammen“, schreibt die DMKG in einer Leitlinie. Auch „Entspannungsverfahren (insbesondere die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson), Ausdauersport und verschiedene Arten von Biofeedback sind neben der Anwendung kognitiver Verhaltenstherapie in der Behandlung der Migräne effektiv“, heißt es dort weiter.

Anfallsprophylaxe gelingt nicht bei allen Patienten

„Durch eine solche Anfallsprophylaxe, dem Vermeiden von bekannten individuellen Triggern, wie z.B. visuellen Reizen oder Rotwein, dem regelmäßigen Ausdauersport und mit Entspannungsverfahren schaffen es viele Patienten mit Migräne, ihre Anfallsfrequenz so zu senken, dass sie nicht an mehr als 10 Tagen Medikamente einnehmen müssen. Kommt es aber zu einem Migräneanfall, ist es wichtig, so früh wie möglich die Tabletten einzunehmen, dann sind sie wirksamer“, so Prof. Dr. Peter Berlit

Eine solche Anfallsprophylaxe gelingt aber nicht bei allen Patienten, räumt Professor Diener ein. Für Patienten, die durch die Migräne stark gebeutelt sind, gibt es aber zunehmend mehr Therapieoptionen.

„Seit Mitte des letzten Jahres sind verschiedene Antikörpertherapien auf den Markt, die bei Patienten, die darauf ansprechen, sehr wirksam Migräneanfällen vorbeugen und deutlich zur Lebensqualität beitragen. Allerdings spricht nur etwa die Hälfte der Betroffenen auf die Therapie an. Deshalb, aber auch letztlich auch wegen der hohen Therapiekosten sollten vorher alle anderen Optionen ausgeschöpft worden sein, bevor diese Migränespritzen zum Einsatz kommen. Wichtig ist, dass bei jeder Kopfschmerzerkrankung auch die nichtmedikamentösen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden“, so das Fazit des Experten. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.