Kampf gegen Lebensmittelverschwendung: Neuer Food-Scanner erkennt verbleibende Haltbarkeit

Scanner ermittelt, ob Lebensmittel noch verzehrt werden können

Ist das noch gut oder muss das weg? Diese Frage stellen sich täglich Millionen Menschen, wenn sie vor dem Kühlschrank stehen. Aus Unsicherheit entscheiden sich viele für das Wegschmeißen und entsorgen Lebensmittel, die in oftmals noch in bester Verfassung sind. Die Umweltstiftung WWF Deutschland machte kürzlich in einer Studie darauf aufmerksam, dass allein in Deutschland jährlich zehn Millionen Tonnen noch essbare Lebensmittel unnötig auf dem Müll landen. Ein neuer Scanner im Hosentaschenformat könnte diese Entwicklung eindämmen. Er erkennt, ob ein Produkt noch haltbar ist oder nicht.


Das Fraunhofer-Institut präsentierte kürzlich einen kleinen Scanner, der mittels Infrarotlicht in der Lage ist, den tatsächlichen Frischegrad von Lebensmitteln festzustellen. Das Gerät sendet die Daten an das Smartphone, wo sie durch eine App eingesehen werden können. So können beispielsweise Verbraucher und Supermarktbetreiber prüfen, ob Nahrungsmittel schon verdorben sind oder nicht. Die Fraunhofer-Gesellschaft stellte den Scanner kürzlich in einer Presseinformation auf der Webseite des Instituts vor.

Kann man das noch essen? Im Zweifelsfall tendieren viele Verbraucher zum Wegschmeißen. Der neue Food-Scanner des Fraunhofer-Instituts kann diese Frage beantworten. (Bild: Julia/fotolia.com)

Scannen statt wegschmeißen

Der preisgünstige und tragbare Scanner soll zukünftig dafür sorgen, dass weniger Lebensmittel weggeschmissen werden, die trotz kleiner Schönheitsfehler oder abgelaufenem Haltbarkeitsdatum noch essbar sind. Egal ob die Ware abgepackt ist oder nicht – der sogenannte Nahinfrarot-Sensor gibt Aufschluss darüber, welchen Frischegrad das gescannte Produkt hat. Darüber hinaus erhält der Nutzer Informationen darüber, wie viele und welche Inhaltsstoffe das Nahrungsmittel enthält.

Leichte Bedienbarkeit und hohe Mobilität

„Infrarotlicht wird punktgenau auf das zu untersuchende Produkt geschickt, anschließend misst man das Spektrum des reflektierten Lichts“, erklärt Projektleiter Dr. Robin Gruna die Funktionsweise des Verfahrens. Anhand der absorbierten Wellenlängen könne das Gerät Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung der Ware ziehen. Im Labor werde die Nahinfrarotspektroskopie schon lange eingesetzt, ergänzt Physiker Julius Krause aus dem Entwicklungsteam. Neu sei jedoch, dass diese Technologie nun auch kostengünstig und mobil verfügbar ist.

Mehr Durchblick für Verbraucher

Wie die Entwickler berichten, kann der kleine Scanner noch mehr als nur die Haltbarkeit zu ermitteln. Er überprüft beispielsweise auch die Echtheit eines Produktes. „Lebensmittel werden oftmals gefälscht, beispielsweise werden Lachsforellen als Lachs verkauft“, erläutert Krause. Auch solche Informationen könne man mit dem Gerät feststellen. Beispielsweise lasse sich so auch ein gepanschtes Olivenöl erkennen.

Die Grenzen des Scanners

Das Entwicklungsteam weist auch auf die Grenzen des neuen Geräts hin. Es bewerte zur Zeit ausschließlich die Produktqualität von homogenen Nahrungsmitteln, also von Lebensmitteln, die nicht aus mehreren Zutaten bestehen. Obst, Gemüse, unverarbeitetes Fleisch und Joghurt stellen für das Gerät beispielsweise kein Problem dar. Produkte wie Pizza und andere Fertiggerichte lassen sich nach aktuellem Forschungsstand nicht so leicht prüfen. In einem weiterführenden Projekt soll jedoch auch dies in Zukunft mithilfe bildgebender Spektroskopie, Fusionsansätzen mit Farbbildern sowie Spektralsensoren möglich werden.

Wie wertet der Scanner die Lebensmittel aus?

Nach Angaben des Entwicklungsteams bewertet der Scanner die Infrarotspektren durch intelligente Algorithmen, die nach entsprechenden Mustern und Gesetzmäßigkeiten in den gemessenen Werten suchen. „Durch Maschinelles Lernen können wir das Erkennungspotenzial steigern“, berichtet Gruna. Der Projektleiter erklärt diesen Prozess am Beispiel von Hackfleisch. Der Scanner misst die Infrarotspektren des Hackfleisches und ergänzt die Daten mit statistischen Verfahren zum mikrobiellen Verderb. Daraus könne das Gerät die verbleibende Genießbarkeit des Fleisches ableiten. In umfangreichen Tests habe der Scanner so eine gute Übereinstimmung mit der tatsächlichen Keimzahl erzielt.

Analyse per Handy

Beim Endverbraucher sendet der Scanner per Bluetooth die Daten an das Smartphone. Im nächsten Schritt werden die Daten dann von einer Cloud-basierten Datenbank ausgewertet und über eine App angezeigt.

Wann wird das Gerät erhältlich sein

Schon Anfang 2019 soll das Gerät in Supermärkten zum Einsatz kommen. Im Anschluss soll getestet werden, wie Verbraucherinnen und Verbraucher das Gerät annehmen. Der Projektleiter plant bereits weitere Einsatzbereiche. Beispielsweise könne man das System nutzen, um damit Kunststoffe, Holz, Textilien oder Mineralien voneinander zu unterscheiden und zu klassifizieren. „Der Einsatzbereich des Geräts ist vielseitig, es muss nur entsprechend trainiert werden“, resümiert Gruna. (vb)