Klinikkeim zeigt Toleranz auf Desinfektionsmittel

Sebastian
Alkoholische Lösungen zur Händedesinfektion führten in zwei großen australischen Kliniken seit 2010 zur Ausbreitung von Enterokokken. Diese entwickelten eine Resistenz gegenüber dem Desinfektionsmittel Isopropanol. Die in dem Fachmagazin „Science Translational Medicine“ (2018; doi: 10.1126/scitranslmed.aar6115) vorgestellten Forschungsergebnissen zeigen auf, warum es anders als beim Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA-Keim) nicht gelungen ist, die Ausbreitung des Bakteriums E. faecium zu stoppen.


Die Wissenschaftler der University of Melbourne stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Desinfektionsmittel mit Alkohol immer weniger wirksam gegen bestimmte Erreger in Krankenhäusern ist. Diesen Desinfektionsmitteln wurde eigentlich nachgesagt, dass sie Tausende von Todesfällen durch MRSA Bakterien vorbeugen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Science Translational Medicine“.

Die Keime lassen sich nicht zurück dämmen. Eine Studie zeigte, warum das so ist. Bild: Alexander Raths – Fotolia

Desinfektionsmittel mit Alkohol sind wichtig für Kontrolle von Infektionen

Die Beweise häuften sich, dass Bakterien bereits resistent gegen Desinfektionsmittel für die Hände mit Alkohol sind, sagen die Experten. Solche Desinfektionsmittel sind gerade in Krankenhäusern unerlässlich für die Kontrolle von Infektionen. Die Forscher machten diese beunruhigende Erkenntnis, als sie untersuchten, warum einige Arten antibiotikaresistenter Bakterien in australischen Krankenhäusern trotz der weit verbreiteten Verwendung von Handgel-Desinfektionsmitteln zu einer wachsenden Bedrohung geworden sind.

Untersuchung konzentrierte sich auf Enterokokken

Die Mediziner konzentrierten sich auf eine Gruppe von Darmbakterien, die als Enterokokken bekannt sind. Diese Darmbakterien stellen auf der ganzen Welt ein wachsendes Problem dar, weil sie sogar zunehmend resistent gegen die Behandlung mit den letzten Antibiotika, wie dem Medikament Vancomycin sind. Bei der Untersuchung von Bakterienproben aus australischen Krankenhäusern über einen Zeitraum von 19 Jahren fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Bakterien jetzt viel besser in sterilen Umgebungen überleben und Infektionen verursachen können. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnten sich Krankenhäuser nicht länger auf diese Maßnahmen verlassen, um zu verhindern, dass durch Ausbrüche Patienten infiziert werden, warnten die Autoren.

Desinfektionsmittel mit Alkohol haben Todesrate durch MRSA reduziert

Handgel-Desinfektionsmittel mit Alkohol sind seit Mitte der 2000er Jahre ein Hauptbestandteil in Krankenhäusern auf der ganzen Welt. Eine internationale Handwasch-Initiative trug damals dazu bei, die Anzahl häufiger Supererreger (beispielsweise MRSA) zu senken, die jährlich tausende Todesfälle verursachten. Überall im Land gingen die MRSA-Raten zurück, dies war vorteilhaft für die Patienten und das Risiko schwerer Infektionen wurde reduziert, erklärt Studienautor Professor Paul Johnson von der University of Melbourne.

Enterokokken sind fünftgrößte Ursache für Sepsis in Europa

Die Mediziner bemerkten zusätzlich einen allmählichen Anstieg von Infektionen durch Vancomycin-resistente Enterokokken, dies schien ein Paradoxon zu sein, da beide Infektionen durch normale Handhygiene kontrolliert werden sollten. Die Enterokokken sind bereits die fünftgrößte Ursache für Sepsis in Europa und machen weltweit zehn Prozent der im Krankenhaus erworbenen Blutvergiftungen (Bakteriämie) aus, erläutern die Experten.

Resistenz gegen Vancomycin ist ein Hauptproblem

Zusätzlich ist die Vancomycinresistenz ein Hauptproblem, da Vancomycin eines der wenigen Antibiotika ist, welches zur Behandlung von Bakterien mit komplexeren Zellwänden, wie beispielsweise E. coli und Enterokokken, verwendet werden kann. Bakterien können auch Resistenzgene zwischen den Arten teilen und die Ausbreitung einer resistenten Spezies zulassen, was bedeutet, dass auch andere Bakterien schwerer zu behandeln sind.

Weitere Untersuchungen in anderen Krankenhäusern sind nötig

E faecium ist eine der Hauptursachen für Infektionen. Die Forscher testeten die Desinfektionstoleranz von E faecium, indem sie die Bakterien in Mäuse-Käfige einführten, die mit herkömmlichen Alkohollösungen sterilisiert worden waren. Es stellte sich heraus, dass moderne Arten dieser Bakterien weiterwuchsen und besser in der Lage waren, die Eingeweide infizierter Mäuse zu besiedeln, wo sie Infektionen verursachen und weitergegeben konnten. Dies könnte auf die Bakterien zurückzuführen sein, die aufgrund ihrer zunehmenden Verwendung resistenter gegen Alkoholgele werden, oder es könnte daran liegen, dass sie sich an die Bedingungen in unseren Körpern angepasst haben, die ihnen zufälligerweise helfen, Desinfektionsmitteln besser zu widerstehen. Es muss jetzt überprüft werden, ob in anderen Krankenhäusern weltweit dieselben Muster der Alkoholtoleranz auftreten, erklären die Autoren der Studie. (as)